Der „Testturm thyssenkrupp in Rottweil"

Verleihung Balthasar Neumann Preis 2018

Für den „Testturm thyssenkrupp in Rottweil“ haben Prof. Werner Sobek mit Helmut Jahn und WSGreen Technologies in einem Festakt in der Würzburger Residenz, im Beisein von 120 Gästen, den mit 10 000 € dotierten Balthasar Neumann Preis 2018 entgegen genommen.

Der Balthasar Neumann Preis 2018 ging in diesem Jahr an den Testturm thyssenkrupp in Rottweil. Der Preis, der 2018 zum 3. Mal gemeinsam von der DBZ Deutsche BauZeitschrift und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB) verliehen wurde, zeichnet neben den Architekten, den Tragwerksplanern, den TGA-Ingenieuren und anderen Fachdisziplinen auch den Bauherrn aus, in diesem Fall ist das thyssenkrupp. Neben der Gewinnerprämie von 10 000 € erhält der Bauherr eine Plakette, die an das Bauwerk angebracht wird und so die Auszeichnung vor Ort dokumentiert.

„Das Herausragende bei dem ‚Testturm thyssenkrupp in Rottweil‘ sind unter anderem die Planungsdisziplinen, bei denen Architektur, Tragwerksplanung und technische Gebäudeausrüstung in besonderer Weise verknüpft sind. Objektplanung, Tragwerksplanung und Energiekonzept kommen aus einer Hand und sind ein Hinweis auf zukünftige Planungsprozesse bei anspruchsvollen Projekten. Aber nicht nur in architektonischer, sondern vor allem auch in ingenieurtechnischer Hinsicht besonders bemerkenswert war die Planung der textilen Fassade, die den Turm über seine gesamte Höhe umkleidet und mit diesen Abmessungen erstmalig realisiert wurde. Bei diesem ungewöhnlichen Bauwerk verschränken sich Form und Konstruktion, aber auch Funk­tion und technische Gebäudeausrüstung sowie Planung und Bauausführung in bemerkenswerter Weise“ (Auszug aus der Jurybewertung).

Vor der festlichen Preisverleihung eröffneten die Vertreter der Auslober, Burkhard Fröhlich, Chefredakteur der DBZ, und Hans Georg Wagner, Präsident des BDB, die Preisverleihung. Dem schloss sich die 3. Bürgermeisterin der Stadt Würzburg, Marion Schäfer-Blake, mit einem Grußwort an, in welchem sie eindrucksvoll und kenntnisreich die Bedeutung der Werke Balthasar Neumanns darstellte.

Den Festvortrag hielt in gewohnt – und erwartet – wortgewaltiger Weise Prof. Arno Lederer, Lederer Ragnarsdóttir Oei, der für den „alten Baumeister“ plädierte, den er immer noch für das Beste hält, um qualitative Architektur- und Ingenieurleistungen zu erzielen: „Wir wollen über Architektur reden. Architektur heißt in der deutschen Übersetzung ‚Baukunst‘. Diesem Begriff nachzugehen lohnt sich, da darin beide Elemente, die unsere Arbeit ausmachen, vereint sind […]. Das Bauen und die Kunst – erst, wenn beide zusammenkommen, wenn Bauen und Kunst während der planenden Ausführung zu einem unauflöslichen Gegenstand verschmelzen, wenn also im Nachhinein eine Aufspaltung in die beiden Begriffe nicht mehr möglich ist, kann man von Architektur reden […].“

Und weiter: „Architekt oder Ingenieur, einerlei, wenn man die schönen Arbeiten der Preisträger sieht, erkennt man in ihnen das wohltuende Doppelleben, auch wenn sie nach außen hin nicht als vom Architekt oder Ingenieur angesprochen werden, nein, sie sind mehr, sie schaffen, wie bei Balthasar Neumann, Baukunst. Und mehr kann man nicht wollen. Den Baumeistern möchte ich gratulieren“, so Prof. Arno Lederer in seiner Rede.

Prof. Anne-Julchen Bernhardt, BeL Sozietät für Architektur, Juryvorsitzende des Balthasar Neumann Preises 2018, zeigte sich als engagierte Laudatorin und präsentierte ihre Interpretation des Siegerentwurfs: „Der Testturm, ein reines Funktionsgebäude, trägt ein ‚Kleid‘, eben nicht nur ein feierliches Ballkleid, das diesen Turm auf beson­dere Weise skulptural macht, sondern es ist vor allem ein Funktionskleid, weil es die Umweltenergien Sonne, Regen und Wind, denen der Turm ausgesetzt ist, standzuhalten hat und sie abmildert. Und es ist sicher auch ein großer Teil der Leistung des Teams, das Kleid so zu entwerfen, dass man auch durchschauen kann und es wie ein verhüllender Schleier wirkt [...] Man würde sich wünschen, dass dieses Verhältnis von Schönheit und Skulptur auch für andere Ingenieurbauwerke gelten möge. Nämlich für Bauwerke, die vornehmlich der reinen Funktion gewidmet sind und auch so entworfen werden. Ich wünsche mir, dass die Aussage dieses Testturmes als Vereinigung von Architektur und Technik verstanden wird“, so die Juryvorsitzende in ihrer Laudatio.

Neben dem Preisträger, dem Testturm von thyssenkrupp in Rottweil, wurden drei weitere Projekte ausgezeichnet, die ebenfalls in ganz besonderer Weise durch interdisziplinäres Zusammenarbeiten realisiert wurden:

Die Auszeichnungen

– Die Salzlagerhalle in Geislingen a.d. Steige,

vautz mang architekten bda, Stuttgart

– Rathaus und Kindertagesstätte in Freiburg,

  ingenhoven architects, Düsseldorf

– Hofgut Karpfsee, Florian Nagler Architekten, München

Der langanhaltende Beifall am Ende der Zeremonie zeigte, dass der Balthasar Neumann Preis ein Architekturpreis mit großer Anerkennung und Bedeutung in der Branche ist. Der Ausklang der Veranstaltung in der Residenz fand bei vielen erfreulichen Gesprächen und in tatsächlich auch fürstlicher Laune statt. Und bei bestem Essen und guten Getränken endete dieser lange Tag, der ganz offensichtlich zur Zufriedenheit aller Beteiligter verlaufen war.

Dem hohen Anspruch des Balthasar Neumann Preises 2018 hatten sich in diesem Jahr 85 Wettbewerbsbeiträge aus fünf Ländern gestellt. Unter der Leitung der Juryvorsitzenden Prof. Anne-Julchen Bernhardt hatte die neunköpfige Jury einstimmig dem „Testturm thyssenkrupp in Rottweil“ den Balthasar Neumann Preis 2018 zuerkannt (das gesamte Juryprotokoll in DBZ 6|2018).

Der Balthasar Neumann Preis 2020 wird im Herbst 2019 ausgelobt, die Preisverleihung wird auch 2020 wieder in der Würzburger Residenz stattfinden. Wo sonst!

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