Bildende Bauten

Solarlux-Campus, Melle

Das neue Gebäudeensemble an der A 30 bei Melle vom Architekturbüro DIA 179 aus Berlin spiegelt die Philosophie des Unternehmens wider, transparent, ressourcensparend und informativ zu sein. Bauherr und Planer bildeten von Anfang an ein starkes Team. Entstanden ist ein wegweisender Industriebau, der nicht nur den Mitarbeitern eine angenehme Atmosphäre bietet, sondern auch Raum für Anwohner und Besucher.

„Was diesen Industriebau ausmacht, ist das anspruchsvoll gestaltete, öffentlich zugängliche Gelände“, betont Architekt Stefan Fehse. Dabei weist er auf das Modell auf der Galerie im Foyer: „Eingezäunt ist nur der Bereich für die Logistik.“ Entstanden ist ein grüner Campus mit Innenhöfen, die Tageslicht in die Produktionshallen bringen, und mit Wasserbecken, die z.  T. als Regenrückhaltebecken dienen. Das Gebäudekonzept ist sehr klar strukturiert. Es gibt zwei voneinander getrennte Wege: Der Weg zur „Produktion und Logistik“ erfolgt auf Ebene 0. Der Weg zur Verwaltung, den technischen Büros, der Forschung + Entwicklung sowie für die Besucher liegt auf Ebene 1. Geschickt nutzten die Planer dazu das Gefälle auf dem Gelände: Das Eingangsgebäude, das sogenannte „Foyer“, liegt 5,5 m oberhalb der Ebene 0 auf Ebene 1. Das Foyer dient zugleich als Empfang, Showroom und für Veranstaltungen. Jutta Bertelsmann-Herich, zuständig für Corporate Architecture bei Solarlux, beschreibt den Showroom: „Wir haben kleine Ausstellungsinseln eingerichtet, mit denen wir unsere Produkte wie in einem möblierten Zimmer präsentieren. Um flexibel zu sein, sind diese „Zimmer“ auf Luftkissen installiert und können frei im Raum verschoben werden, z.B. wenn wir Platz für eine Veranstaltung benötigen.“ Seit der Neubau im Herbst 2016 fertig gestellt wurde, steigt die Nachfrage nach Werksführungen. Im Augenblick sind es 3 bis 4 Führungen pro Woche. Außerdem finden im Foyer (genehmigt nach den Richtlinien für Versammlungsstätten) zweimal im Monat große Events statt, vom Kongress bis zum Konzert. An das Foyer grenzen der separate Eingang für die Mitarbeiter und das Mitarbeiterrestaurant. Dahinter befinden sich die großflächigen Gebäude für Produktion, Logistik und Lagerung.

Produktion und Logistik

Die Produktionshallen sind dem Prozess folgend auf der tiefer liegenden Ebene 0 angeordnet: Nach Anlieferung und Zwischenlagerung der Aluminiumprofile im markanten Hochregallager gelangen sie zunächst in die Halle für die Beschichtung. Nach der Beschichtung kommen sie in die Halle der Alu-Fertigung, wo die Glas-Faltwände und Glas-Anbauten zusammengesetzt werden. Von dort gehen die fertigen Produkte in die Halle der Logistik, werden konfektioniert und für den Abtransport vorbereitet.

In der Logistik-Halle können die LKWs zur gleichen Zeit – trocken und witterungsunabhängig – beladen werden. Es gibt drei Fahrspuren. Sie fahren auf der einen Stirnseite in die Halle und auf der gegenüberliegenden wieder hinaus. Nur durch einen lang gestreckten Lichthof von der Alu-Fertigung getrennt, liegt die Halle für die Holz-Fertigung. In dieser läuft quasi wie in einer „Manufaktur“ ein eigener, in sich abgeschlossener Fertigungs­prozess ab.

Die Hallenkonstruktionen weisen auf das dort verarbeitete Mate­rial hin. Während in der Holz- und Logistik-Halle die Dachbinder aus Holzleimbindern bestehen, ist das Dach der Alu-Fertigung aus Stahlfachwerkträgern konstruiert.

Dabei ist das eigene Produkt Teil der Konstruktion: 5,20 m hohe Glas-Faltelemente bringen Tageslicht in die Hallen. „Das ist eine Neuentwicklung von uns“, erklärt Alfons Konersmann, Projektleiter von Solarlux. „Denn vorher konnten wir diese Elemente nur bis zu einer Höhe von 3,60 m herstellen. Der Neubau ist sozusagen ein Produkt in der Anwendung.“

Alle Hallen sind nach Norden ausgerichtet und haben Sheddächer, in die Glaslamellenfenster als RWA-Öffnungen integriert sind. „Die Sheds sind so ausgelegt, dass wir sie in der Zukunft auch mit Photovoltaik-Elementen nachrüsten können“, betont der Projektleiter. In der Hallenmitte hängen die Meisterbüros wie gläserne „Vogelnester“ von den Hallendächern und bieten so einen großzügigen Blick auf die darunter stattfindende Produktion. „Wir haben die Meisterbüros als Module zusammen mit der Stahlbaufirma entwickelt. Sie wurden am Boden montiert und dann mit Flaschenzügen nach oben gezogen“, erinnert sich Architekt Fehse beim Rundgang durch die Halle. Hier fallen besonders das angenehme Raumklima und die gute Akustik auf.

Energie und Gebäudetechnik

„Segelschiff statt Motorboot“ lautete von Anfang an die Devise des Bauherrn. Die Gebäude- und Energietechnik ist dabei Kern des Konzepts. Dazu zählt zum einen die Geothermie. Basis ist ein Erdsondenfeld mit 75 Erdsonden, die 80 m tief ins Erdreich reichen. Die so gewonnene Energie (des größten Geothermiefeldes in Norddeutschland) von rund 230 kW wird zum Heizen im Winter und zum Kühlen im Sommer eingesetzt. In den Hallen hat man sich für eine Industriefußbodenheizung entschieden. Sie lässt sich mit niedrigtemperiertem Wasser (45 °C) nutzen und ist ideal für die hier verwendete Wärme aus Wärmepumpen. Im Foyer-Gebäude mit Betonkernaktivierung nutzt man die Fähigkeit des Materials Beton, thermische Energie zu speichern. Gekühlt wird je nach Gebäude und Bedarf ergänzend oder ausschließlich nachts durch elektronisch gesteuerte Lüftungslamellen in den Fassaden und den Sheddächern. Bereits in der Planung errechnete man in einer thermischen Gebäudesimulation die Größe der Fensterflächen, die für die Nachtauskühlung notwendig sind. Hinzu kamen Größe, Proportion und Orientierung der Hallen. So fällt z. B. in der 9 000 m2 großen Halle für Alu-Fertigung im Sommer bei einer angenehmen Raumtemperatur von 23 °C kaum Abwärme an. An anderer Stelle, z. B. in der Farbbeschichtungsanlage wird die rund 600 kW umfassende Abwärme zurückgewonnen. Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) rundet das nachhaltige Energiekonzept ab. Es versorgt vor allem die Heißwasserverbraucher, u. a. beheizte Becken in der Beschichtungsanlage. Den im BHKW erzeugten Strom verbraucht der Campus nahezu komplett selbst.

Bildende Bauten

Um den Mitarbeitern und Besuchern diese vielen im Verborgenen stattfindenden, energetischen Prozesse zu vermitteln, geht das Unternehmen einen neuen Weg. Schon beim Rundgang fallen immer wieder Piktogramme an den Wänden, farbige Linien auf dem Boden oder Informationstafeln an Galeriegeländern und auf Fluren ins Auge. Jutta Bertelsmann-Herich erklärt, was es damit auf sich hat: „Unser Gebäude spricht. Wir setzen als erster Neubau weltweit das Konzept ’Bildende Bauten’ um.“ Kerngedanke ist dabei die integrierte Kommunikation technischer Aspekte und ökologischer Zusammenhänge mit Hilfe von Hinweisen und Informationstafeln. Die Stationen der „Bildenden Bauten“ verschmelzen mit dem Orientierungssystem, das sich durch den ganzen Campus zieht und genau wie die Informationstafeln im wahrsten Sinne des Wortes für mehr „Transparenz“ sorgt.

Prozess + Team + Mitarbeiter

Der Solarlux-Campus ist das Ergebnis einer gelungenen Team-Arbeit. Von Anfang an gab es von Seiten des Bauherrn einen Projektleiter als direkten Ansprechpartner für die Planer. Auch bei den Architekten DIA 179 wurde ein Mitarbeiter abgestellt, der nur für das Projekt zuständig und stets für den Bauherrn erreichbar war. Das Raum- und Bauprogramm entwickelte man gemeinsam mit Wolfgang Herich, der als angestellter Architekt bei Solarlux für die bisherigen Planungen zuständig war. Als Vorbereitung für das Bauvorhaben organisierte er eine kleine Exkursion zu guten gebauten Beispielen.

„Als Generalplaner haben wir schon früh Fachplaner einbezogen“, beschreibt Stefan Fehse von DIA 179 den weiteren Planungsprozess. „Im Industriebau ist es ganz besonders wichtig, z. B. die Haustechnik früh mit ins Boot zu nehmen.“ In der Planungsphase traf man sich in regelmäßigen Abständen alle zwei Wochen entweder im Architekturbüro in Berlin oder beim Bauherrn in Niedersachsen, in der Bauphase wöchentlich. Zwei Vorgaben machte der Bauherr von Anfang an. Er wünschte ein „offenes Haus“ und, dass sich die Mitarbeiter dort wohlfühlen. Ein Arbeitsumfeld mit einer hohen Aufenthaltsqualität für alle Mitarbeiter war also Prämisse. Die Mitarbeiter wurden mit einbezogen und gefragt, was ihnen wichtig sei. Ihre Identifikation mit dem Neubau ging so weit, dass die Angestellten sich bereit erklärten, Teile ihrer Gesundheitsprämie in den Kauf von „höhenverstellbaren“ Schreibtischen zu investieren.

Projektleiter Alfons Konersmann erinnert sich an die Diskussion zum Thema „Beleuchtung“ auf dem Campusgelände bei Nacht. Soll das Unternehmensschild an der Autobahn angestrahlt werden oder nicht? Sympathisch bringt er das Ergebnis auf den Punkt: „Wir brauchen kein beleuchtetes Schild. Wir strahlen von innen.“ Susanne Kreykenbohm, Hannover

Baudaten

Objekt: Neubau Solarlux-Campus
Standort: Industriepark 1, 49324 Melle (Niedersachsen)

Typologie: Industriebau
Bauherr und Nutzer: Solarlux GmbH, Melle,

www.solarlux.de
Architekt / Generalplaner: DIA179 German Industry Architecture GmbH, Berlin, www. dia179.de
Mitarbeiter (Team): Dipl. Ing. Stefan Fehse (Projektleitung), Monique Mibs, Solveig Wendlandt, Maike Rahn, Dörte Fehse, Sebastian Häberle, Andreas Paul, Philipp Bungartz
Bauleitung: DIA179 GmbH, Berlin, Sonstiges: Einzelvergaben, kein GU
Bauzeit: Dezember 2014 – Mai 2016

Fachplaner

Tragwerksplaner: Statix GmbH, Leipheim, www.statix.de
TGA-Planer: INNIUS GTD GmbH, Berlin, www.innius.de
Fassadentechniker: DIA179 GmbH, Berlin, www. dia179.de
Lichtplaner: FAATZ Lichtberatung, Eckental, www.dielichtberater.de
Innenarchitekt: DIA179 GmbH in Zusammenarbeit mit GRAEF GmbH
Landschaftsarchitekt: Lützow 7 C.Müller J.Wehberg Garten- und Landschaftsarchitekten, Berlin, www.luetzow7.com
Energieplaner: INNIUS GTD GmbH, Berlin, www.innius.de
Brandschutzplaner: hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin, www.hhpberlin.de
Elektroplaner: Kaulich & Hofmann, Lappersdorf, www.kaulich-hofmann.de
Sprinklerplaner: Wissel / Mai GbR, Sarstedt, www.sprinklertechnik.de
Tiefbauplaner: Klier und Partner, Glauchau, www.klier-partner.de

Projektdaten

Grundstücksgröße: 127 327m²
Grundflächenzahl: 0,63
Geschossflächenzahl: 0,44
Nutzfläche gesamt: 54 980 m²
Nutzfläche: 51 250 m²
Technikfläche: 845 m²
Verkehrsfläche: 2 885 m²
Brutto-Grundfläche: 56 500 m²
Brutto-Rauminhalt: 525 000 m³

Baukosten

Gesamt netto: 60 Mio. €

Energiebedarf

Primärenergiebedarf: 148 kWh/m²a Endenergiebedarf: 62 kWh/m²a Jahresheizwärmebedarf: 84 kWh/m²a *
Energiekonzept
Dach: Stahlbeton / Trapezblech, Dampfsperre, 100 mm PIR, 1,5 mm PVC-Folie, teilweise begrünt
Außenwand: Stahlbeton-Sandwich
Fenster: Glas-Aluminium-Konstruktionen
Boden: Walzbeton, Industrieestrich, größtenteils mit Industrieflächenheizung

Gebäudehülle 

(bezogen auf Bauteil 1 / Foyer-Gebäude)
U-Wert Außenwand = 1,848 W/(m²K)
U-Wert Bodenplatte = 0,333 W/(m²K) U-Wert Dach = 0,262 W/(m²K) Uw-Wert Fenster = 1,16  W/(m²K)
Ug-Wert Verglasung = 1,16 W/(m²K)
Ug-total (mit Sonnenschutz) = 0,6 W/(m²K)
Luftwechselrate n = 0,65/h

Haustechnik
Geothermie und Gas

Hersteller

Dach: Sika Deutschland GmbH, www.deu.sika.com; Sita Bauelemente GmbH, www.sita-bauelemente.de
Dachbegrünung: Optigrün international AG, www.optigruen.de

Fenster: Solarlux GmbH, www.solarlux.de; Schüco International KG, www.schueco.com 

Fassade: Solarlux GmbH, www.solarlux.de; Schüco International KG, www.schueco.com; Hunter Douglas, www.hunterdouglas.com

Wand: Rekers Betonwerk GmbH & Co. KG, www.rekers-beton.de; Pflaum & Söhne Bausysteme GmbH, www.pflaum.at
Dämmung: Kingspan Insulation GmbH & Co KG, www.kingspan.com; Deutsche Rockwool Mineralwolle GmbH & Co. OHG, www.rockwool.de; SAINT-GOBAIN Rigips GmbH, www.rigips.de

Sonnenschutz: Flexalum Sonnenschutzsysteme, www.flexalum.de

Luftkissendach: CENO Membrane Technology GmbH, www.sattler-global.com

Industrieverglasung: Pilkington Bauglasindustrie GmbH, www.pilkington.com

Trockenbau: Apleona Group GmbH, www.apleona.com; Ecophon / Saint-Gobain Ecophon AB, www.ecophon.com/de
Bodenbelag: Deutsche Industrieboden GmbH, www.dis-boeden.de
Kautschuk: nora systems GmbH, www.nora.com

Brandschutztüren/-tore: Novoferm GmbH, www.novoferm.de; Stöbich Brandschutz GmbH, www.stoebich.de

RWA-Anlage: Essmann Gebäudetechnik GmbH, www.essmann.de

RLT-Anlage: Wildeboer Bauteile GmbH, www.wildeboer.de

Heizung: Uponor GmbH, www.uponor.de; Viessmann Werke GmbH & Co. KG, www.viessmann.de

Lüftung: Robatherm GmbH + Co. KG, www.robatherm.com; Trox GmbH, www.trox.de

Zutrittssysteme: FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG, www.fsb.de

Gebäudeautomation / Schaltschränke: GFR - Gesellschaft für Regelungstechnik und Energieeinsparung mbH, www.gfr.de

Aufzüge: OSMA Aufzüge Albert Schenk GmbH & Co. KG, www.osma-aufzuege.de

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