Richtfest: James Simon Galerie www.davidchipperfield.co.uk

„So nicht, Mr. Chipperfield!“ lautete vor Jahren ein Titel, ein Aufschrei geradezu in der FAZ. Und weiter gings dann mit: dass das – der Wettbewerbsentwurf Chipperfields für den Eingangsbau auf die Berliner Museumsinsel – niemand verdient habe. Also diese Strafe habe niemand verdient. Chipperfield hatte einen schlichten Baukörper hinter einer schlichten Fassade aus grüntürkis schimmerndem, satiniertem Glas zwischen schmalen Stahlprofilen vorgeschlagen. Der FAZ war dies ohne jede „Präsenz, jede Aura“, Die Tageszeitung unkte, der Museumsinsel drohe gar „ein Desaster“.

Immerhin war Chipperfields Entwurf von einer Jury so gewagt worden, aber das Wagnis endete schnell im Geschrei derjenigen, die davor schon auch gegen zeitgenössische Entwürfe für einen Schlossersatzbau verbal entgleist waren und das wenig später auch bei Chipperfields mehrfach ausgezeichnetem Neuen Museum. Unter „den Augen von Schinkel, Stüler, Messel, Ihne“ habe Chipperfield einen Kompromiss abgeliefert. Und den auch noch „in Glas gewickelt“! Und damit ist jetzt auch Schluss mit der FAZ – jedenfalls in diesem Text.

1999 kam der Entwurf, 2002 gab es einen Projektstopp wegen Kostensteigerungen an anderer Stelle auf der Museumsinsel, für welche die Galerie der zukünftige Haupteingang zu vieren der fünf Museen sein soll. Es wird ein Foyer geben für Eintrittskarten etc., ein großartiges Café mit Terrasse – mit schönem Blick auf Chipperfields Galeriehaus am Kupfergraben gegenüber –, Toiletten, einen Vortragsraum, den direkten Übergang ins Pergamonmuseum und natürlich den unverzichtbaren Shop. 2006 überarbeitete das Büro den ersten Entwurf, 2007 gab es nach weiterem Widerspruch einen letzten, leicht überarbeiteten, der nun realisiert wird. Und für dessen Gestalt Alexander Schwarz verantwortlich zeichnet, Partner bei Chipperfield Architects.

Zwei Jahre später als geplant wurde jetzt Richtfest gefeiert. Der schwierige Baugrund hatte große technische Probleme mit der Herstellung einer wasserundurchlässigen Wanne erzeugt, die Betonbaufirma meldete Konkurs an. Reparaturen sorgten für Zeit- und Geldverlust, aber nun soll die Galerie 2018 fertig sein. Möglicherweise ein Jahr vor der Fertigstellung des Pergamonmuseums. Das wird vielleicht 2019 wieder eröffnet, die Arbeiten insgesamt sollen bis 2025 abgeschlossen sein. Die Sanierung geschieht nach Plänen von Oswalt Mathias Ungers. Sie wird nach dessen Tod kommissarisch durch Walter Noebel und Jan Kleihues fortgeführt.

Das Besondere an dem letzten Neubau auf der ehemalig so genannten preußischen „Freistätte der Kunst und Wissenschaften“ wird die große Freitreppe werden und der lang gestreckte Platz zwischen der Galerie und dem Neuen Museum. Von diesem Platz aus gelangt man über die Kolonnaden in ein kleineres Foyer im Neubau. Von hier aus sind einerseits das unterhalb der Freitreppe eingefügte Auditorium erreichbar und andererseits der Sonderausstellungsbereich und der Übergang zur Archäologischen Promenade zum Neuen Museum und Pergamonmuseum. Damit wird das Neue Museum vom Platz aus nur indirekt zu erreichen sein, auch wenn der Mittelrisalit in der zweigeteilten Hoffassade einen Zutritt suggerieren mag.

Überhaupt die Zweiteilung: Auch die war – neben dem Haupttreppenhaus – ein Dorn in den Augen derjenigen, die hier komplette Rekonstruktion gefordert hatten. Chipperfield hatte damals, mit Julian Harrap, die Ergänzung des Museums in dezenter wie überaus geglückter Assimilierung von Formen, Farben und Materialien vorgenommen. Seine Neuinterpretation des Alten durch das Neue mag manchen an die Ostplattenbauweise erinnern, so schroff und auf die Materialität und Konstruktion beschränkt will sie einem scheinen. Doch wird sie noch auf viele vergleichbare Bauaufgaben nicht bloß in Deutschland wirken. Schade nur, dass mit dem Bau der Eingangsgalerie ein distanzierter Blick auf die komplette Westfassade nicht mehr möglich ist.

„So nicht, Mr. Chipperfield!“ Spätestens dann, wenn der Bau eröffnet ist, werden die Kritiker im Restaurant des Neubaus sitzen und sich neue Gegner suchen müssen. Auf der Museumsinsel werden sie die nicht mehr finden, ganz sicher! Be. K.

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