Reanimatoren in Dortmund
Das „Dortmunder U“ kann die Ruhrstadt erwecken helfen

Architektonisch ist in Dortmund nicht viel los, denkt man. Immerhin aber hat die Stadt im Pott ein paar Kirchen aus dem 13. Jahrhundert vorzuweisen. Da Dortmund als Industriestadt und einer strammen nationalsozialistischen Ausrichtung Bomberziel der Alliierten war, findet sich manches Highlight erst in den letzten Jahrzehnten der Baugeschichte, so die Stadt- und Landesbibliothek von Mario Botta, das Konzerthaus von Schröder Schulte-Ladbeck, der RWE Tower von Gerber oder das immer noch überzeugende Harenberg City Center vom gleichen Büro.

Im Gegensatz zu seinen bekannten Kollegen ist Gerber mit Dortmund fest verwurzelt, er kennt hier Weg und Steg und beinahe jede Anekdote. Umso mehr wird es ihn gefreut haben, den 2006 ausgelobten Wettbewerb zum Umbau und Umnutzung des fest zum Stadtmobiliar gehörigen „Dortmunder U“ gewonnen zu haben. Der ehemalige Gär- und Lagerkeller, der zwischen 1926 und 1927 nach den Plänen des Ingenieurs Emil Moog für die „Union Brauerei“ erstes Hochhaus der Ruhrstadt wurde, steht seit bald zwanzig Jahren funktionslos und zugleich sehr präsent zwischen Bahnhof und Innenstadt.

Teils schon von zahlreichen Anbauten der Folgejahrzehnte befreit, bietet er vom gegenüberliegenden Harenberg Center aus einen angegriffenen, trotzig geheimnisvollen Anblick; Gerber wird ihn schon lange im Auge gehabt haben. Geht es nach dem Architekten, wird der Stahlbetonbau mit seinem zweistufigen, gitterförmigen Aufbau und dem vierfachen, 9 m hohen, beleuchteten goldenen „U“ (ein Entwurf Neuferts von 1968) zur „Kunstvertikale“: Die FH Dortmund wird das erste OG beziehen, während das zweite und dritte zu so genannten „Kreativetagen“ werden. Die beiden folgenden Geschosse sind für Exponate des Museums am Ostwall, das sechste OG wird teilbar ausgeführt und bleibt Sonder- und Wechselausstellungen vorbehalten; hierzu wird es im Bereich des Annex mit einem neuen „Lichtdach“ ausgestattet, das die Ausstellungsräume mit blendfreiem Tages­licht versorgt. Im obersten Geschoss, dem „Kathedralenraum“ direkt unter dem leuchtenden U, entsteht ein flexibel nutzbarer Veranstaltungsbereich, eine Cafélounge sowie Räume für den „Channel 2010“.

Seit März 2008 wurde mit der Grundsanie-rung begonnen, insgesamt sollen ca. 46 Mio. € ausgegeben werden. Eine stattliche Summe, die jedoch nur Teil des größeren Projektes „Park der Ideen“ ist. Der umfasst eine Planungsfläche von gut 5 ha, folgt einer Masterplanung von Richard Rogers und soll – nach den Worten des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers – mit Architektur realisiert werden, „die sich im Weltmaßstab sehen lassen kann.“ Das „Dortmunder U“ wird das nicht müssen, es reicht vollkommen, wenn es Dreh- und Angelpunkt sein wird, zweiter Reanimator dem HCC gegenüber, das sein Architekt schon 1994 weitsichtig wirkungsvoll in eine städtebauliche Öde stellte. Be. K.

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