Randbemerkungen
Ausführung von Dachrandkonstruktionen

Alles hört bekanntlich irgendwann einmal auf. Auch ein Flachdach. Leider zählt der Dachrand zu den eher ungeliebten „Kin­dern“ des Planers. Denn an dieser Nahtstelle greifen gleich eine Viel­­zahl unterschiedlicher Normen, Regeln und Hinweise. Wie ist nun dieser markante Übergang zwischen Dach und Fassade aus­zu­führen?

Bestens geregelt

Für Dächer und damit auch für Dachränder gelten neben der DIN 18531 „Dachabdichtun­gen – Abdichtungen für nicht genutzte Dächer“ auch noch die Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen, auch bekannt als „Flachdachrichtlinien“. Hinzu kommen noch die VOB Teil C ATV Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten DIN 18338, die VOB Teil C ATV Klempnerarbeiten DIN 18339 sowie die Richtlinien für die Ausführung von Klempnerarbeiten an Dach und Fassade – Klempnerfachregeln. Daneben sind auch noch Teile der DIN 18195 „Bauwerksabdichtung“ und die VOB Teil C ATV Abdichtungs­arbei­ten DIN 18336 zu berücksichtigen. Alles in allem ein sehr komp­lexes Regelwerk für ein zugegebener Maßen wichtiges Bau­teil.

Gleiches Bauteil, gleiche Anforderung

Dachränder gelten in den Normen und Regelwerken als Dach­de­tails. Sie müssen der Anwendungskategorie der Dachabdichtung ent­spre­chen, um Dauerhaftigkeit und Dichtigkeit des gesamten Da­ches zu ermöglichen. Für die Dichtigkeit des Dachrandes darf dieser nicht hinter- oder unterlaufen werden. Mit Blick auf die Dauerhaftigkeit muss sichergestellt sein, dass der Dachrand und auch der Anschluss an die Dachabdichtung durch Bewegungen aus dem Untergrund und thermisch bedingte Längenänderungen nicht in ihrer Funktion ein­ge­schränkt oder zerstört werden. Weitere zwingende Voraus­setzung für eine dauerhafte Funk­tio­na­lität ist die Verträglichkeit der verwendeten Materialien untereinander. Die abdichtenden Materialien beim Dach­rand­ab­schluss sollten dabei identisch sein wie in der Fläche.

Ausreichend hoch

Am Dachrand selbst ist die Abdichtung in Abhängigkeit von der Dachneigung entsprechend hoch über die Ab­dich­tungsebene zu führen. Bei Dächern mit Be­kie­sung, Begrünung o. ä. gilt jeweils die Oberkante der letzten Schicht als Ausgangsmaß. Den Abschluss bildet entweder eine Dach­­randabdeckung oder ein Dach­randprofil. Unterschieden werden die beiden Abschlussarten durch ihre Bauart. Während die Dachrandabdeckung sowohl den Dachrand bildet als auch die Attikakrone als Mauerabdeckung schützt, stellt dass Dach­randprofil den reinen Abschluss des Dachrandes dar. Das Dachrandprofil kann sowohl auf Dachrändern mit Aufkantung als auch bei Dachrändern ohne Aufkantung eingesetzt werden.

Mit Dachrandabdeckungen kann der Abschluss der Abdichtung an Dachrändern mit Aufkantung (Attika) unabhängig vom Werkstoff der Dachabdichtung (Kunststoff, Kaut-schuk, Bitumen) ausgebildet werden. Die Ansicht muss den oberen Rand von Putz bzw. Bekleidungen um ein Mindestmaß von 50 mm überdecken. Zugleich muss die Tropfkante einen Überstand von mind. 2 bis 4 cm zum Bauwerk aufweisen. Stöße sind regensicher auszubilden. Darüber hinaus müssen sich die einzelnen Teile bei Temperaturänderungen schadlos ausdehnen, zusammenziehen oder verschieben können. Abhängig von der jeweiligen Abwicklung und Befestigungsart ist die Materialdicke zu wählen. Abdeckun­gen, Halterungen und Befestigungen müssen den üblicherweise zu erwartenden Beanspruchungen aus der Windbelastung standhalten. Abhängig von der Gebäudehöhe ist der Halterabstand zu wählen. An Ecken und Enden sind vorgefertigte Formteile zu verwenden. Dachrandab­de­ckun­gen sollen zudem mit einem Gefälle zur Dachseite hin aus­ge­bildet werden. Damit Wasser, das unter die Dach­rand­ab­deckung gelangt, sicher abgeleitet wird, ist die Dachabdichtung bis zur Außenkante des Dachrandes zu füh­ren und ausreichend winddicht zu befestigen. Industriell vorgefertigte, passgenaue Formteile ermög­lichen eine einfache und schnelle Montage. In aller Regel werden die einbaufertigen Teile der Dachrandabdeckungen mit geschweißten Ecken, T-Stücken und Endkappen sowie Aufkantungen inklusive Haltern, Stoßverbindun­gen und Niveauplatten geliefert.

Mit Dachrandprofilen kann der Abschluss von Abdichtungen aus Kunststoff-, Elastomer- oder Bitumenbahnen sowohl an Dach-rändern mit oder ohne Aufkantung (Attika) ausgeführt werden. Die geforderten Überdeckungen und Detailausführungen entsprechen denen der Dachrandabdeckungen. Im Gegensatz zu den Dachrandabdeckungen bieten die Dachrandprofile selbst keine Abdeckung der Attikakrone. Darüber hinaus regelt die Flachdachrichtlinie den Ab­stand der Tropfkante und die Überdeckung des Dach­rand­ab­schlusses über die darunter liegende Fassade, die sogenannte Ansichtshöhe. Sie steht in direkter Ab­hän­gig­keit zur Gebäudehöhe.

Sicher befestigen

Um der erwähnten Dauerhaftigkeit Rechnung zu tragen, wird die Befestigung der Dachrand­profile sowie die möglicherweise verwendeten Randhölzer oder -bohlen klar definiert. Ins­be­son­de­re die Windsogsicherheit spielt dabei eine wichtige Rolle. Nä­here Information hierzu gibt Tabelle 9 „Befestigung Rand­höl­zer“ in den Flachdachrichtlinien. In direk­tem Zusammenhang mit der Dau­erhaftigkeit, der Funktionalität und Dichtigkeit besteht auch eine weitere Forderung an Dachrandabschlussprofile. Diese müssen so konstruiert und montiert sein, dass sich thermisch bedingte Län­genänderungen der Profile nicht negativ auf die Abdichtung aus­wirken. Aus gleichem Grund dürfen Dach­randabschluss-profile auch nicht direkt in die Dach­ab­dich­tung ein­ge­klebt werden. Um dauerhafte Dichtigkeit sicher zu stellen, müssen alle An- und Abschlüsse darüber hinaus bis zu ihrem oberen Ende wasserdicht sein!

Windsog berücksichtigen

Am Dachrand ist die Abdichtung dauerhaft gegen Windsog und zur Aufnahme horizontaler Kräfte zu sichern. Dies erfolgt me­cha­nisch entweder durch Linienbefestigung oder lineare Be­fes­ti­gung. Als Linienbefestigung kann das Dach­rand­­ab­schlussprofil dann genutzt werden, wenn die zuvor beschriebenen Anforderungen auch hierbei erfüllt werden. Pro Meter müssen min­des­tens drei Befestigungen in die tragende Unterkonstruktion er­fol­gen. Bei Dach­begrünungen ist der Randbereich von Bewuchs frei zu hal­­ten. Hierzu können z.B. Plattenbeläge oder ein Kiesstreifen an­ge­ord­net werden.

Zudem ist bei der Planung zu berücksich­tigen, dass es ge­rade bei Tragschalen aus Stahltrapezprofilen zu unterschiedlichen Be­we­gun­gen zwi­schen aufgehenden Bauteilen bzw. Dach­rand­kons­truk­tionen und den Dachflächen kommen kann. Deshalb sind zu­sätz­liche Auf­kantungen oder Auflager konstruktiv mit der Tra­pez­scha­le zu verbinden.

Thermische Dehnung

Bei der Montage von Dachrandabschlussprofilen ist darauf zu ach­ten, dass sich die einzelnen Teile schadlos ausdehnen, zu­sam­men­­­ziehen oder verschieben können.

Entsprechend der ver­wen­de­ten Profilmaterialien sind auch Stoßfugen zwischen den ein­zelnen Profilstäben anzuordnen. Die Breite der Fugen richtet sich nach der Tem­pe­ra­tur der Profile bei der Montage sowie nach dem Profilmaterial. Darüber hinaus sind gemäß DIN 18339  VOB Teil C ATV Klemp­nerarbeiten Metalle gegen schädigende Einflüsse angrenzender Stoffe wie z. B. Mörtel, Steine, Beton, Holzschutzmittel o. ä. durch eine geeignete Trennschicht zu schützen. So ist z. B. Aluminium nicht alkalienbeständig und sollte deshalb nicht mit frischem Zementmörtel, Beton oder Kalk in Berührung kommen.

Aluminium – idealer Werkstoff

Dennoch eignet sich Aluminium wie kaum ein anderer Werkstoff geradezu ideal für die Nutzung als Dachrandabschlussprofil. Alu­mi­nium verfügt über ein geringes Eigengewicht, ca. 1/3 des Ge­wichtes von Stahl. und ist bis zu 100 Jahre korrosionsbeständig. Zu­dem lassen sich die gewünschten Eigenschaften wie Festigkeit, Här­te, Meerwasserbeständigkeit, etc. durch entsprechende Le­gie­rungen einstellen. Aluminium ist vielfältig zu bearbei­ten. Man kann es strangpressen, rollenverformen, kanten, schneiden, boh­ren, schweißen und kleben. Ebenso variabel sind die Möglichkeiten der Ober­flä­chen­behandlung: z. B. Kunststoff­be­schich­tung, anodische Oxydation. Da Aluminium elektrisch leitfähig, ist, kann es auch im Rahmen eines Blitzschutzsystems eingesetzt werden. Einer der Grün­de für den Einsatz von Aluminium ist dessen unbegrenzte Recyc­ling­fä­higkeit.

Mehrteilige Profile

Je nach Ausführung bestehen Alu-Dachrandprofile aus zwei oder mehr Teilen. Ein wichtiger Aspekt ist die span­nungs­freie Einbindung der Dachabdichtung in das Profil. Einer der führenden Hersteller von Dachrandprofilen arbeitet bereits seit über 45 Jahren mit der Trennung von Abschluss- und Deck­profil. Zwischen diese beiden Profile wird die Anschlussbahn gleitend gelagert, jedoch nicht verklemmt. Dadurch können sich Profil­teile und Anschlussbahn bei temperaturbedingten Län­gen­än­de­rungen schadlos ausdehnen, zusammenziehen oder ver­schie­ben. Durch die profilbedingte S-förmige Ausformung der eingelegten Anschlussbahn und den mehr als 50 mm bzw. 100 mm hohen Überstand über der Abdichtungsebene bietet das Profilsystem zudem hohe Überlaufsicherheit.

Unter Beibehaltung diese Grundprinzips werden weitere Pro­fil­sys­teme angeboten, die noch mehr Komfort für die fachgerechte Befestigung mittels patentierten, vierdimensional einstellbaren Haltern bieten. Einen weiteren Vorteil bietet die An­schluss­brü­cke, die für eine winddichte Linienbefestigung der Flä­chen­­ab­dichtung am Dachrand sorgt.

Passende Lösungen

Mit den am Markt angebotenen Dachrandprofilsystemen lassen sich die meisten Dachränder fachgerecht und gestalterisch an­spruchs­voll ausführen. Zugleich bieten die bewährten Systeme dank des technischen Supports auch die notwendige Über­ein­stim­mung mit den geltenden Normen, Regeln und Hinweisen. Darü­ber hinaus lassen sich Dachrandprofilsysteme auch indi­vi­du­ell gestalten - angefangen von der Farbgebung bis hin zu ob­jekt­be­zo­genen Kantungen.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2013-01

Span­nungs­freie Einbindung

Mit der BAU 2013 startet für die Alwitra GmbH aus Trier ein besonderes Jahr. Denn neben den Dach- und Dichtungsbahnsystemen EVALON® und EVALASTIC® bietet der Hersteller auch Dachrand- und...

mehr

Feuchteschutz von Holzdachkonstruktionen

Am 16. November 2017 findet in Hannover die bauschaden-Fachtagung statt

Die meisten Dächer haben eine Unterkonstruktion aus Holz. Das macht sie besonders anfällig für Feuchteeinträge aller Art. Diese können durch klassische Leckagen in der Dachhaut entstehen. Bei...

mehr
Ausgabe 2014-09

Keine Chance für Unwetter

Das Dachflächen-Abdichtungssystem Triflex ProTect auf Basis von Polymethylmethacry­lat­harz (PMMA) schützt Dächer dauerhaft vor extremen Witterungseinflüssen. Dank des vollflächigen...

mehr
Ausgabe 2018-10

Modulunabhängige Unterkonstruktion

Mit den Systemen BauderSOLAR UK Flachdach und BauderSOLAR UK Gründach bietet Bauder durchdringungsfreie Unterkonstruktio-nen. BauderSOLAR UK Flachdach wiegt ca. 12?kg/m2 und ist auch für Dächer mit...

mehr
Ausgabe 2019-09

Terrassenschwelle mit Entwässerung

Für barrierefreie Übergänge bestehen planerische Vorgaben, sowohl seitens der DIN 18531/18533 als auch der Flachdachrichtlinie. Die Umsetzung stellt den Planer vor viele Herausforderungen...

mehr