Perspektivenöffner

Einmal nichts zur Architektur. Oder eben doch und ganz zentral: Es geht in dem gut und gerne und auf einer längeren Zugfahrt zu lesenden Buch um das Ganze. Und Architektur ist ein wesenlicher Teil dieses Ganzen, ein Zusammenhang, den uns der Autor auch über sämtliche, den aktuellen Klimadiskurs bestimmende Stichworte nachvollziehbar macht. Die Stichworte wären: Klima, Natur, Stadt, Land, Suburbia, Essen, Wohnen, Mobilität, Effizienz und Resilienz und nicht zum Schluss auch die Moral. Wobei der Autor einschränkt, dass Moral noch nie ein Massenphänomen war und darum der subjektivste Standpunkt ist, von dem aus wir die Lage betrachten können.

In dem Text geht es von vorne bis zum Schluss um das Zusammenbinden von Fäden, persönliche Erfahrungen (auch aus der Kindheit) wie auch die Interpretation aktueller Politik vor dem Erfahrungshorizont eines „Klima-ökologen“, wie der Autor selbst sich bezeichnet.

Wir werden im Lesen an Weichenstellungen der Politik aus den letzten Jahren erinnert, an Ereignisse, die bis heute Auswirkungen auf unser Konsumverhalten haben, auf unsere Essgewohnheiten und immer wieder: auch auf die nationale, internationale wie regionale Politik. Dabei schaut der Klimaökonom durchaus mit einem westeuropäischen Blick auf seine USA-Wahlheimat, auf Zustände in Indien oder China oder Südafrika. Er schließt seine Reise mit dem Kapitel „Vor Ort“, womit er unterstreichen will, dass wir die Wahl haben, ob wir nun in der Stadt oder auf dem Land leben, wir müssen es nur da wie dort entschlossen angehen. Das Buch liefert dazu Argumente und Perspektiven. Be. K.

Gernot Wagner, Stadt, Land, Klima. Warum wir nur mit einem urbanen Leben die Erde retten. Brandstätter, Wien 2021, 200 S.
22 €, ISBN 978-3-7106-0508-6
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