Oscar Niemeyer (1907-2012)
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Er war Ehrenmitglied der Akademie der Künste; in Moskau. In Deutschland gibt es lediglich ein Gebäude von ihm, ein 1957 im Hansaviertel Berlin fertiggestelltes Wohnhochhaus. Es hätte beinahe noch ein weiteres in Potsdam gegeben, aber die unentschiedene Haltung der Stadt und überhaupt die undurchsichtige Geschichte der Akqui­sition des durchaus mäßigen Spaßbad-Entwurfes haben den Potsdamern den Spaß am Niemeyer schließlich verdorben.

Dabei hat der zweitgrößte Architekt aller Zeiten, Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho, in rund 75 Jahren mehr als 600 Gebäude in der ganzen Welt realisiert. Viel mehr werden es aber nicht, zehn Tage vor seinem 105. Geburtstag am 15. Dezember 2012 starb der Brasilianer mit deutschen Wurzeln im Samaritano-Hospital in Rio de Janeiro. In dem wohl größten Architekten-Œuvre, das er bis zum Schluss erweiterte, sind die Gebäude für die brasilianische Hauptstadt Brasília (zwischen 1957 und 1964), die 1987 als Ensemble zum Weltkulturerbe erklärt wurden, seine berühmteste aber vielleicht nicht beste Arbeit. Wen wundert es, dass im Bundesstaat Rio de Janeiro nach
Bekanntwerden seines Todes drei Tage Staatstrauer angeordnet wurden?!

Um Oscar Niemeyer weben sich bereits jetzt schon Legenden, Mythen, und wenig an Wahrheiten aus seinem Leben ist bekannt: Wann erscheint – endlich – die große Biografie zu Niemeyer? Er begann mit 25 Jahren relativ spät sein Studium an der Escola Nacional de Belas Artes in Rio de Janeiro, das er 1934 abschloss. Gleich danach arbeitete er im Büro des gebürtigen Franzosen Lucio Costa, mit dem zusammen er zahlreiche Projekte realisierte und über den er in Kontakt mit dem größten Architekten aller Zeiten kam, Le Corbusier. Der macht ihn später zu seinem Assistenten.

„Die Architektur“, so Oscar Niemeyer, „besteht aus Traum, Phantasie, Kurven und leeren Räumen.“ Das umreisst exakt den Avantgarde-Anspruch und die Zukunftszugewandtheit des Architekten, der, wie unter Zwang stehend, Entwürfe produzierte und realisierte, als gälte es das Leben. Einige dieser Bauten werden zumindest im kollektiven Gedächtnis unsterbliche Meisterwerke bleiben, andere sind längst dem Verfall anheim gegeben.

Wer wie Niemeyer sich so sehr verausgabte, dem wird dieses Werden und Ver­gehen einerlei gewesen sein. Dass er jetzt selbst gegangen ist, bedeutet vielleicht auch, dass der Mann, dessen Tochter Ana Maria in diesem Jahr schon vor dem Vater ging, endlich seinen Frieden gefunden hat. (ausführlich zu Niemeyer und seinem Werk in der kommenden DBZ) Be. K.

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