Optische Beschleunigung
Skylink, Flughafen Frankfurt am Main

Am Frankfurter Flughafen steht die erste parametrisch entwickelte Brücke der Welt, die auch realisiert wurde. Ihre besondere Form veranschaulicht Bewegung – das der Airportcity zugrundeliegende Ordnungsprinzip.

Über 56,4 Millionen Passagiere im Jahr, über 480 000 Flugbewegun­gen alle zwölf Monate und über 2,2 Millionen Tonnen Frachtaufkommen: All das will am Frankfurter Flughafen bewältigt werden. Man hat dazu eine ganze Stadt gebaut, die unter städtebaulichen Gesichts­punkten als ziemliches Chaos erscheint, in Wahrheit aber von einem Ordnungsprinzip geleitet wird: der Bewegung, oder besser der Lenkung von möglichst reibungslosen und kreuzungsfreien Verkehrs­strömen. Auch die Skylink genannte Brücke, die das Multifunktionsgebäude „The Squaire“ mit einem Parkhaus verbindet, ist diesem Ordnungsprinzip unterworfen. Es gelingt dem Skylink, diese Verbindung nicht nur funktionell zu bewältigen, sondern, und das macht ihn zu einem besonderen Bauwerk, die Dynamik der Bewegung ästhetisch zu überhöhen. Sie also zu veranschaulichen. Wegen der flirrenden Flachstahl-Diagonalen der fragilen Fachwerkkonstruktion erfährt die Bewegung sogar eine optische Beschleunigung.

Die gemeinsam von den Architekten des Büros Lengfeld & Wilisch und den Ingenieuren des Büros Bollinger & Grohmann entwickelte Brücke ist rund 300 m lang und hat dabei mehrere Autobahnzubringer und ein Drainagebecken zu überwinden. Der sanft geschwungene Skylink, der auf acht, im Grundriss dreieckigen Stützen ruht, weist dabei Spannweiten von maximal 90 m auf. Er bietet eine vollständig ebene Trasse (Abweichungstoleranz 1,5 cm) für eine Kabinenbahn namens MiniMetro, die maximal 1 640 Personen pro Stunde und Rich­tung transportiert. Die Breite der Trasse beträgt 5 m. Allein im mittleren Brückenfeld – dort, wo sich die beiden Fahrkabinen begegnen – weitet sich die Trasse auf 8 m. Bei den beiden Einstiegspunkten ist die Stahlstruktur mit Glasscheiben verkleidet, wobei die Haltestelle beim „Squaire“ über eine 10 m auskragende Konstruktion mit dem Gebäude verbunden ist.

Parametrische Entwicklung

Das Besondere am Skylink ist seine parametrische Entwicklung – und Realisierung. Zwar entstanden bereits an vielen Lehr­stüh­len am Computer Brücken in eher organischen Formen. Die in Frankfurt wurde aber auch gebaut. Auf der Fachwerk-Typo­logie aufbauend, wurde mit Hilfe des Computerscripts „GENTs“ die Länge, Position und Verteilung der Diagonalen zwischen den Ober- und Untergurten ermittelt. Als Ziele definier­ten die Ingenieure die Minimierung des Eigen­gewichts und die der Durchbiegung. In einem iterativen Prozess, bei dem Grundlagen der Evolutionstheorie wie zum Beispiel Selektion, Mutation und Rekombination mit herangezogen werden, fanden sie eine unregelmäßige, aber höchst effiziente Struktur. Allerdings, wegen der Ermüdungsbeanspruchung durch Kabinenbahn musste die einzelnen Knoten, an denen bis zu sieben Diagonalen ansetzen, in einem Finite-Elemente-Modell gemäß der Richtlinie IIW-Richtlinie „Fatigue design of welded joints and components“ berechnet werden. Insgesamt hat sich der Aufwand gelohnt: Der Skylink fügt dem an Rekorden reichen Frankfurter Flughafen einen weiteren wertvollen Baustein hinzu.

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