Nicht fündig geworden

Über die neue Altstadt in der Bankenstadt am Rhein wurde schon so viel geschrieben, positiv zugewandt oder negativ kritisch, es fehlt bis heute eine neutrale Dokumentation dieses Bauprojekts, das in winzigen Kleinigkeiten noch immer nicht abgeschlossen ist.

Und weil – wie in zunehmend weiteren Beispielen in Deutschland zu sehen ist – die Diskussion über Sinn und Zweck, über Verbot oder Gebot von Rekonstruktion (künstlerisch frei oder historisch kritisch oder am liebsten „scheinbar so“) noch immer kein abschließendes Urteil ermöglicht, liest man weiter. in diesem Buch zum Beispiel, in dem der Autor – Frankfurter und Redakteur beim Reiseteil der FAZ – ziemlich schnell gesteht, dass er die neue Altstadt mag. Moderne (der Autor meint zeitgenössische) Architektur ist ihm Experiment, das Alte dagegen „vergangene Lebensform“.

Damit ist es klar: Der am Anfang versprochene Rundgang durch die Kulissen, das Flanieren und einfache Schauen, daraus wird nichts. Der Mann lässt sich auf Geschichten ein, die einmal waren, ja er lässt sich gar einen Bart stehen, damit ihm dieser in einem auf älter getrimmten Laden rasiert werde.

Schaut man auf das Coverfoto, auf welchem der Hühnermarkt in spätem Abendlicht fotografiert steht, vermisst man die Menschen. Der Platz ist nur er selbst mit einem Brunnen und der auf alt getrimmten, Neubauten reflektieren Museumsstimmung. Wer einen solchen literarischen Zugang mag, sollte die gekonnt geschriebenen Texte lesen. Wer hier nach Argumenten  für oder wider gesucht hat, wird nicht fündig werden. Be. K.

Freddy Langer, Frankfurts neue Altstadt. Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2029, 175 S., zahlr. Farbabb.,10 €, ISBN 978-3-458-36461-0