Mit Holz. Was sonst! Oder nicht nur?

Das DBZ-Thema des vergangenen Heftes „Nachhaltigkeit“ hat ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Von völliger Zustimmung bis Ratlosigkeit reicht das Spektrum der Rückmeldungen, vom Vorwurf der Einäugigkeit bis hin zum Vorwurf manipulativ zu sein die Kritiken.

In der Kritik steht natürlich jeder, der sich dezidiert zur Nachhaltigkeit äußert, denn außer, dass das Ziel klar scheint, die Welt als lebenswerte Welt erhalten zu wollen, gibt es kaum Konsens über den Weg dorthin. In den südlichen Bundesländern Bayern und Rheinland-Pfalz scheint allerdings die Antwort klar: Wir sollten mehr mit Holz bauen. Heimischem Holz wohlgemerkt. Die Rheinland-Pfälzer hatten dazu bereits einen Kommunalwettbewerb ausgelobt, über den die „Initiative HolzProKlima“ (Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), Gießen) die Kommunen auffordert, Projekte einzureichen, die das „vorbildliche kommunale Engagement durch einen verantwortungsvollen und effizienten Umgang mit dem Wald und dem wertvollen Roh-, Werk- und Baustoff Holz“ thematisieren.

In Bayern haben sich die beiden Staatsministerien des Innern, für Bau und Verkehr einerseits wie das für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten andererseits in einer Broschüre getroffen, die sie mit „Holz. Zeitlos schön“ titeln und mit welcher sie einen Baustoff promoten, der nicht nur „immer wieder nachwächst“, nein, er steht auch noch für den „Beitrag zur Baukultur“, auf jeden Fall in Bayern. Die 83 Seiten starke online-Broschüre zeigt aktuelle Holzbauprojekte aus dem Bundesland, das sich selbst als „Waldland“ bezeichnet und in welchem „fast eine Milliarde Kubikmeter Holz stehen“; offenbar reif für die Ernte und also auf Abruf bereit.

Die nett gemachte und aus Steuergeld finanzierte Broschüre erregt nachvollziehbar den Unmut derjenigen, die auch Steuern zahlen, aber nicht mit Holz bauen. So sieht die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) den fairen und freien Wettbewerb verletzt und hat den Bayerischen Obersten Rechnungshof angerufen. Der soll die staatliche bayerische „Holz-Werbung“ prüfen. Explizit wehrt sich der Verband dagegen, dass der Staat, der größter Wald- und damit Holzbesitzer ist, einseitig und wettbewerbsschädigend nur seinen Baustoff bewirbt, und das auch noch mit „falschen Tatsachenbehauptungen“. Nämlich der, Holz besäße eine „unschlagbare Ökobilanz“. Was nicht bewiesen sei, überhaupt gäbe es Studien, die beweisen würden ... etc.

Wie schrieb Eike Roswag in seinem Beitrag noch (DBZ 06 |2015, S. 70ff.): „Holz kommt im Moment zwar als nachhaltiger Baustoff in Mode, ist aber aufgrund des langjährigen Wachstums und schwindender Anbauflächen ein begrenzter Baustoff.“ Es werde, so Roswag anschließend, „zukünftig global darum gehen, neue schnellwachsende, natürliche Ersatzstoffe wie Bambusfasern und -produkte einzusetzen.“ Also doch nicht regional? Und ist das vorstellbar: Bambus in Bayern?! Die Diskussion um die nachhaltigste Nachhaltigkeit ist, man sieht es, immer noch interessengetrieben. Dabei wäre es doch so einfach, alle lokalen Baustoffe zu kombinieren. Nicht im Prozess des darwinistisch selektiven Verdrängens, sondern aus einer Haltung von Erfindung und Improvisation heraus, von weniger Aufwand und mehr Zeit für alles andere; freie Zeit zum Beispiel. Be. K.

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