Menschen

Das „Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ist keine kleine Sache, man (auch frau) muss schon etwas geleistet haben, das gesellschaftliche Relevanz hat. Ursprünglich für Menschen gedacht, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg vorbildlich um den Wiederaufbau Deutschlands eingesetzt haben, wird die Auszeichnung länger schon für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen. Ein paar Tausend jährlich gilt es hier seitens des Bundespräsidialamts zu verleihen. Auch an Architekt:innen und Ingenieur:innen. Aktuell an einen, der als Pionier bezeichnet wird und der diese Bezeichnung selbst nicht ablehnt:

Werner Sobek erhielt am 17. Mai 2022 die Auszeichnung aus den Händen der Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württembergs, Theresa Bauer: „Mit seinem Engagement für Nachhaltigkeit im Bauen und seinem Einsatz für die Verbesserung und Weiterentwicklung der Baukultur hat Werner Sobek entscheidende Impulse für eine Wende in der Architektur und im Bauingenieurwesen gesetzt“, so die Minis-terin.

Werner Sobek, 1953 in Aalen geboren, absolvierte an der Stuttgarter Universität ein Bauingenieur- und Architekturstudium und promovierte dort später auch. In Stuttgart arbeitete er im Inge­nieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner Stuttgart, bevor er 1992 das Büro Werner Sobek gründete. 1994 folgte er Frei Otto und wurde Direktor des Instituts für Leichte Flächentragwerke und des Zentrallabors des Konstruktiven Inge­nieurbaus. 2000 erfolgte die Gründung des Instituts für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren (ILEK). Vor ein paar Jahren zog sich Werner Sobek aus dem Alltagsgeschäft zurück. Jetzt schreibt er u. a. Bücher als eine Art von Nachlass. Der erste Teil seiner ersten Trilogie ist hier in der DBZ durchaus kritisch rezensiert (S. 22). Glückwünsche dem Pionier!

Ein weiterer Pionier des Bauens erhielt nun ebenfalls eine längst überfällige Auszeichnung. So wurde dem Münchner Architekten Florian Nagler seitens der Sächsischen Akademie der Künste der Semperpreis 2022 zugesprochen, der dem Architekten am 14. Oktober im Oktagon der Hochschule für Bildende Künste Dresden ausgehändigt wird. Mit der Verleihung des Preises verbindet die Sächsische Akademie der Künste – so deren Pressestelle – „die Aufgabe, auf zukunftsweisende Lösungen hinzuweisen, die den Zusammenhang von Baukunst und Umwelt in einer Synthese von Ästhetik, Ökologie und sozialer Verantwortung herausstellen.“ Als herausragendes und damit allgemein sichtbares Zeugnis dieser Arbeit sei das Bemühen Naglers (und seines Teams) in seinem Forschungs- und Bauprojekt „Einfach bauen“ zu sehen, über das wir an vielen Stellen in der DBZ berichtet haben.

Florian Nagler leitet seit 2001 zusammen mit Barbara Nagler das Büro Florian Nagler Architekten. Seit 2010 ist er Professor für Entwerfen und Konstruieren an der TU München. Auch ihm herzliche Glückwünsche aus der Redaktion!

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