Lockerungsübung

„Nicht, was die Bergstadt ist, wie sie aussieht oder wo sie steht, ist demnach entscheidend, sondern wofür sie steht“, schreibt der Architekt und Autor dieses Buches, Gunther Wawrik. Dafür allerdings beschreibt er die Bergstadt in dieser kleinen, einfachen wie handwerklich sehr gelungenen Publikation detailliert. Er zeigt Skizzen, Pläne, ein Modell, Modelldetails. Die Stadt als eine Insel, die gleichmäßig ansteigenden, sich zu einem gerundeten Kegel formenden Bergwände, die aus einem Wald herausragen.

Es geht um Architektur, Städtebau, es geht in dieser durchaus poetischen Geschichte um Bilder von Stadt, von einem Ort, den Wawrik ohne Beschränkungen außer einer einzigen denkt: Die Stadt muss ihren BewohnerInnen gut tun.

Man möchte dieses kleine, gedichtete Schreib- und Zeichenwerk als ein Resümee betrachten, als den Blick eines nun über 90-Jährigen, der zurückgeschaut hat und nach vorne und auf dieser Achse die Bergstadt montierte. Ganz im Sinne Le Corbusiers, dem die Stadt eine Quelle der Poesie war, die den Geist aktiviert. Und uns ist sie eine „gedankliche Lockerungsübung“ (Verlag), die willkommen und nötig ist zwischen all den Anforderungen/Beschränkungen, die die Bauwelt alltäglich und mit scharfem Blick auf Rendite von uns fordert. Be. K.

Gunther Wawrik.Die Bergstadt. Eine Fiktion. Hrsg. u. mit Nachwort von E. Guttmann, G. Kaiser, C. Mazanek. Park Books, Zürich 2020, 112 S., 46 Farb- u. 21 sw-Abb.29 €, ISBN 978-3-03860-206-4
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