Liebe Leserinnen und Leser,

einfach bauen – unkompliziert, zügig und gut. Dazu klimaneutral und nachhaltig. Wie das gelingen kann? Auf diese so einfache und doch komplexe Frage möchten wir mit den verschiedenen Beiträgen in dieser Ausgabe der DBZ antworten. Gestellt haben wir sie auch unserer Heftpartnerin Dr. Elisabeth Endres. Ihren Standpunkt können Sie zum Einstieg ins Thema auf Seite 22 nachlesen. Für uns hat sich vor allem gezeigt: Vieles ist eine Frage der Angemessenheit – an die Bauaufgabe, die Umgebung, den finanziellen Rahmen. Ein pauschales „less is more“ wird den komplexen Anforderungen heute nicht mehr gerecht. Vielmehr ist ein stetiges Abwägen des „so viel wie nötig“ und „so wenig wie möglich“ erforderlich. Wie das im konkreten Fall aussehen kann, zeigen wir Ihnen mit der Auswahl der Projekte in unserem Architekturteil. Bei der Isarphilharmonie (Seite 24ff.) bot das Temporäre der Bauaufgabe den Einstieg für eine niederschwellige Architektur, bei der der Einsatz industrieller Halbzeuge und einfacher Konstruktionen auch zu einfachen Abläufen im Bauprozess führte. Dass dies gelingen konnte, ist vor allem der engagierten und interdisziplinären Zusammenarbeit der beteiligten Büros gmp, sbp und IB Hausladen zu verdanken, die sich immer wieder die Frage stellten, ob es nicht doch noch einfacher ginge. Im Wohnungsbau von Fink + Jocher (Seite 30ff.) in Neu-Ulm spielte hingegen die Vorfertigung eine große Rolle, um kostengünstig und dennoch qualitätsvoll zu bauen. Clevere Grundrisse und eine systemoffene Ausschreibung, die auch auf die Langlebigkeit der Baustoffe abzielte, brachten hier das gewünschte Ergebnis. Beim Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (Seite 36ff.) von Andy Senn stand das Thema Low-tech im Mittelpunkt. Ein interessanter Aspekt ist hierbei nicht nur die Bereitschaft des Bauherrn, diesen Ansatz mitzugehen, sondern auch die NutzerInnen mit in die Verantwortung zu nehmen. Das kleine Projekt der Biometzgerei im oberbayrischen Stephanskirchen (Seite 42ff.) von Finsterwalderarchitekten schließlich ist ein Appell für die Weiterverwendung des Vorhandenen, das Bündeln von Funk­tionen, regionale Materialien und handwerkliches Know-how.

Dass es für ein und dieselbe Bauaufgabe auch unterschiedliche Ansätze geben kann, zeigen die Forschungshäuser in Bad Aibling von Florian Nagler, die in einem Heft zu „Einfach bauen“ selbstverständlich nicht fehlen dürfen. Die projektbezogene Dokumentation ist kürzlich erschienen – auf Seite 48 ff. erhalten Sie einen Einstieg in den spannenden Vergleich der verschiedenen Baumaterialien, Fensterformen und Wandaufbauten.

Ein adäquates Mittel für zügiges und qualitativ hochwertiges Bauen kann auch der Modulbau sein. Hier hat sich in den letzten Monaten einiges getan und es liegt vor allem an Ihnen, den ArchitektInnen, sich dieser Bauweise gegenüber zu öffnen, um die Gestaltungsqualität weiter zu erhöhen. Nur so lassen sich die Chancen nachhaltig nutzen, die Ihnen das Bauen mit Raummodulen heute bietet. Wissenswertes und Inspirierendes dazu finden Sie in unserem umfangreichen Sonderteil ab Seite 81.

Wägen Sie ab und legen los – einfach mal einfach bauen!

Dafür viel Erfolg wünscht Ihnen

Katja Reich

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