Könnte eine Briefmarke zieren
Ron Arad’s Holon Designmuseum, Tel Aviv

Es ist das erste Designmuseum Israels, das jetzt in Holon, einem Vorort Tel Avivs seine Tore öffnet, und es soll die von Industrie geprägte Vorstadt ins 21. Jahrhundert führen. Der Auftrag für einen Bilbao-Effekt ging 2004 an Ron Arad. Der ist mehr Designer als Architekt und gebürtiger Tel Aviver. Zusammen mit dem Projektarchitekten Asa Bruno entwarf er zwei von rostroten Stahlbändern umspielte Ausstellungsbauten, die in einem spitzen Winkel zueinanderstehen. Die durch eine geschwungene Treppe verbundene obere und untere Galerie bietet insgesamt 3 700 m² Ausstellungsfläche, Platz für Dauer- und Wechselausstellungen. Doch das Spektakuläre ist nicht sein Inhalt, tatsächlich hat der Designer Arad es geschafft, seinen Bookworm in einer an Richard Serra erinnernden Manier um seine ansich schlichten Betonkörper so zu winden, dass die aus unterschiedlich patiniertem Corten-Stahl bestehende Großskulptur sich selbst zum Thema macht. Insbesondere die den nach Süden offenen Innenhof verschattenden, sich hoch in die Luft wie Schleifen aufbäumenden Corten-Bänder machen aus dem Museum das Designobjekt, das sich der Bürgermeister und Initiator Motti Sasson gewünscht hat. Kunst – hier der Kunstbau – soll die Stadt im Innersten versöhnen.

Das zweite architektonische Werk Arads (nach der Passage in Lüttich) wird am 4. März mit der Ausstellung „The State of Things – Design and the 21st Century“ eröffnet, spätestens dann wird sich zeigen, ob der Neubau mehr ist als eine Ikone, die auch „eine Briefmarke zieren könnte“ (Sasson). Be. K.


Weitere Informationen unter www.ronarad.com/architecture/holon/holon.htm und www.dmh.org.il/default.aspx

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