„Intensiver über passive Optimierung nachdenken“

Benedikt Gondolf zum Thema „Solares Bauen“

Solares Bauen heißt nicht nur, die Sonne als Energiequelle am, auf und für ein Gebäude zu nutzen, es bedeutet auch, das Gebäude optimal nach dem Stand der Sonne auszurichten, so dass man den Einsatz von Gebäudetechnik und damit den Energieverbrauch minimieren kann. Benedikt Gondolf entwarf in seiner Diplomarbeit „eLoop“ ein Gebäude, das diese beiden Konzepte in sich vereint.

Sie haben ein Ausbildungszentrum für Firmen aus dem „Green ­Energy“-Bereich entworfen. Erläutern Sie uns bitte Ihren Entwurf.

Das Gebäude ist nicht nur ein Ausbildungszentrum, sondern ein Schu­lungsobjekt. Es zeigt nach außen deutlich, dass es anders ist. Alle ­energetisch relevanten Maßnahmen sind am Gebäude ablesbar. Vielleicht nicht immer auf den ersten Blick, aber es regt zum Nachdenken an. Je mehr man sich mit dem Gebäude beschäftigt, umso mehr versteht man die zugrunde liegenden Konzepte und lernt energieeffi­zientes Bauen verstehen.

Mein Entwurf und das speziell für dieses Gebäude entwickelte Energiekonzept sollen zusammenwirken, aufeinander aufbauen und zueinander in Wechselwirkung stehen. Das Energiekonzept und der Standort hatten genau so viel Einfluss auf den Entwurf wie auch das Design und die Nutzung auf das Energiekonzept.

 

Das Gebäude soll selbst ein Inbegriff von Energieeffizienz darstellen. Wie sieht das Energiekonzept von eLoop aus?

Gute nachhaltige Architektur heißt in meinen Augen nicht einfach ein beliebiges Gebäudevolumen in Dämmung einzupacken und mit der aktuellen Gebäudetechnik auszustatten. Es ist wichtig gerade in diesem Bereich integral zu denken und zu planen. Es war mein persönliches Ziel bei meinem Entwurf mit möglichst wenig Technik auszukommen. Dabei kommt es ganz besonders darauf an, dass sich das Gebäude in seiner Art und mit seinem Energiekonzept an die Gegebenheiten vor Ort anpasst und aus den Problemen, die es zu lösen gilt, Profit schlägt.

In dem warmen Klima Kaliforniens ist Kühlung und der Schutz vor Überhitzung sehr viel wichtiger als bei uns. Gleichzeitig bietet die hohe Intensität der Solarstrahlung ein unglaubliches Potential zur Energieerzeugung. Es erscheint mir also nur logisch, gerade die-ses Potential besonders zu nutzen.

Ich unterscheide bei meinem Entwurf zwischen passiven Energie­sparmaßnamen und aktiver Nutzung der vorhandenen Energiequellen. Zu den passiven Maßnahmen gehören das Lüftungskonzept sowie das Design mit seinen vielen Auskragungen. Diese sind so an die Sonnenverlaufsbahnen in L.A. angepasst, dass in den unteren beiden Geschossen komplett auf einen außenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden kann, da sich das Gebäude in den kritischen Jahreszeiten selber verschattet.

Das Lüftungskonzept basiert auf einer Nachtlüftung. Eine Querlüftung ist durch die geringe Gebäudetiefe nahezu an jeder Stelle im Gebäude möglich. Deckensegel in den Räumen lenken den Luftstrom an die Betondecken, die sich so über Nacht abkühlen und am Tage die Kühle wieder an den Raum abgeben.

Sollten diese passiven Maßnahmen zur Klimatisierung im Sommer nicht ausreichen, kann das Gebäude auch aktiv über Kühldecken und einer Adsorptionskältemaschine, die als Antriebsenergie Wärme aus Solarkollektoren nutzt, gekühlt werden.

Im Winter wird der geringe Heizbedarf über solare Gewinne und eine Solarheizung gedeckt. Sollte die Temperatur im Solarspeicher dazu nicht ausreichen, wird die Temperatur mit Hilfe einer Wärmepumpe auf ein höheres Niveau angehoben.

Die einzige Energie, die das Gebäude braucht, ist Elektrizität um Pumpen und andere Technik zu betreiben und zur allgemeinen Nutzung als Schulungsgebäude. Über PV-Elemente in der Fassade wird Strom erzeugt. Diese PV-Paneele sind ebenfalls den Sonnenbahnen angepasst angeordnet und können den gesamten Strombedarf des Gebäudes decken. Durch einen Solarwald vor dem Gebäude wird sogar noch ein Überschuss erreicht.

 

eLoop haben Sie entworfen für den Standort Kalifornien, was lässt sich davon auf Deutschland übertragen?

Jedes Energiekonzept muss speziell an den jeweiligen Standort angepasst werden. Die Ansätze, die ich in meinem Entwurf verfolgt habe, sind daher nicht direkt auf Deutschland übertragbar. Ich bin aber davon überzeugt, dass auch hier jeder Standort genug Potential bietet um effiziente und intelligente Architektur zu entwickeln.

Für wie nachhaltig halten Sie Neubauten in Deutschland? Wird der Stand der Technik ausgenutzt?

Ich glaube gerade in Deutschland sind wir auf einem sehr guten Weg. Es ist in den letzten Jahren immer mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt was Energiesparen und energieeffizientes Bauen bedeutet. Es ist auf jeden Fall positiv, dass hier inzwischen sehr viel Wert auf nachhaltiges Bauen gelegt wird. Ich glaube auch, dass der Stand der Technik bei uns schon sehr ausgereift ist und auch viel und sinnvoll zum Einsatz kommt. Aber ich würde mir manchmal wünschen, dass noch intensiver über passive Optimierung nachgedacht wird. Hier kann noch Einiges passieren. Sei es um Energie direkt zu sparen oder aber auch einfach um an der Technik zu sparen. Viel Haustechnik kostet viel Geld und oft ist nicht all diese Technik notwendig um eine gute Energiebilanz und ein gutes Raumklima zu schaffen.

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