Harald Deilmann in Dortmund

Fünf Jahrzehnte Harald Deilmann: fünf Jahrzehnte Arbeit, die gut 1 700 Projekte hervorgebracht hat. Stefan Rethfeld, Kurator der hier besprochenen Ausstellung über den Architekten im Baukunstarchiv NRW in Dortmund, machte diese Projektemenge am Abend der Eröffnung noch einmal anschaulicher: An jedem 10. Tag aus dieser Schaffenszeit wurde seitens des Münsteraner Büros ein Projekt fertiggestellt. Hier von „Architekturproduktion“ zu sprechen, erscheint sinnfällig.

Im letzten Jahr wäre Harald Deilmann 100 Jahre alt geworden. Die Ausstellung (Design von sinken architekten, Köln) musste coronabedingt in diesen Spätsommer verschoben werden. Nach Ausstellungen zu Josef Paul Kleihues und insbesondere Stefan Polonyí – beide mit großen Nachlässen im Baukunstarchiv NRW – war Harald Deilmann einfach dran, so jedenfalls Wolfgang Sonne, TU Dortmund und wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchiv NRW auf der Pressekonferenz. Deilmann, den viele immer noch vor allem mit dem Theaterneubau in Münster verbinden oder seinen weiß beplankten Stadtraumskulpturen für die WestLB, hatte tatsächlich fast alles gebaut: Wohnhäuser, ganze Siedlungen, Schul- und Bürobauten, Theater, Museen, Kirchen, den Rheinturm in Düsseldorf und auch eine Spielbank (u. a. zusammen mit Polonyí).

Und so hat man das unübersehbare, in Teilen denkmalschützte, in Teilen schon abgerissene Werk nicht chronologisch ausgestellt, sondern themenbezogen: Gemeinwesen, Bildung, Stadt, Unternehmen … Den Themenblöcken sind kleine Skulpturen aus gebogenem Baustahl zugeordnet, deren Gestalt einem räumlichen Segment einer der hier dann gezeigten Arbeiten als umschreibende Linie folgt. Reproduktionen von zeitgenössischen Fotografien und Plänen, kurze, einordnende Texte und ein paar Volumenmodelle aus dem 3D-Drucker sollen die Weite des Werks anschaulich machen. Glaskästen auf den Fensterbrüstungen zum Zentralraum enthalten Briefe, Publikationen und weiteres Archivmaterial, das dem mittig präsentierten Werk eine biografisch authentische Note zufügen möchte.

Begleitet wird die Ausstellung, die durchaus Skizzencharakter hat, von einer Publikation, die das Gezeigte noch einmal kompletter vorstellt (Kettler Verlag, 42 €). Jetzt warten wir, die wir im Baukunstarchiv alles angeschaut haben, auf die Dissertation des Kurators, die uns den Architekten und Menschen Harald Deilmann und sein Werk (und das seines Teams) dann noch lebendiger werden lässt. Be. K.

Ausstellung

Harald Deilmann – Lebendige Architektur. Baukunstarchiv NRW, Ostwall 7, 44135 Dortmund. Noch bis zum 7.11.2021

www.baukunstarchiv.nrw
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