Geht nicht, gibt‘s nicht
Passivhaus im Kleinstformat, Wassenberg

Bei Altbauten mit einer Wohnfläche von unter 100 m² war es bisher kaum möglich, ein gutes PassivhausNiveau zu erreichen. Mit seinem Mini-Wohnhaus zeigt das Wassenberger Büro Rongen Architekten, dass selbst kleinste Gebäude auf Passivhausstandard umgerüstet werden können.

Kompaktheit ist das Zauberwort für Passivhausplaner. Denn der Wärmeverlust eines Gebäudes ist direkt von dem Verhältnis Oberfläche zu Volumen (A/V) abhängig. Je größer die Fläche der Außenwände, desto größer ist auch der Wärmeverlust. Auf der anderen Seite gilt: Je kleiner die Grundfläche des Gebäudes, umso schwieriger ist der angestrebte Passivhaus-Wert von 15 kWh/m²a für den Jahresheizwärmebedarf zu erreichen. Da kleine Häuser mit ihrer geringen Wohnfläche über eine vergleichsweise große Außenwandoberfläche verfügen, ist hier der Wärmeverlust unverhältnismäßig hoch. Für kleine Häuser ist daher die Leistungsfähigkeit des Wärmedämmstoffs wie auch ein kluger Umgang mit der Haustechnik von besonderer Bedeutung. Prof. Ludwig Rongen nahm diese Herausforderung an. In einer Bauzeit von 5 Monaten wurde aus einem ­alten Abrisshaus an der historischen Stadtmauer von Wassenberg mit einer Grundfläche von nur 74 m² ein modernes Energieeffizienzhaus mit einem Verbrauchswert für Heizenergie, der sogar unter den vorgeschriebenen 1,5 Litern für Passivhäuser liegt. Zur optimalen Ausnutzung der passiven Sonnenenergie bekamen die Süd- und Westseite große Fensterflächen mit Dreifach-Verglasung, die in eine spezielle Holz-Fiberglas-Konstruktion mit besonders guter Wärmedämmung eingebaut wurden. Eine hocheffiziente Lüftungs­anlage gewährleistet, dass 92 % der Wärmeenergie dem Haus nicht wieder verloren gehen. Die kontrollierte Lüftung sorgt selbst bei geschlossenen Fenstern für permanente Frischluftzufuhr. Für den Restwärmebedarf wurde ein CO2-neutraler Holzpelletofen eingebaut. Eine zusätzlich aufgebrachte Bodendämmung verhindert Wärmeverluste in Richtung Erdreich. Den entscheidenden Beitrag leistete jedoch die Fassadendämmung. Ausschlaggebend für deren Einsatz waren die leistungsstarken Eigen­schaften der aus Resol-Hartschaum bestehenden Dämm­platten des Wärmedämmverbundsystems. Mit einem Wärmeleitwert von nur 0,022 W/mK ermöglichen sie die erforderliche Dämmleistung bei minimaler Plattendicke. So konnte das Wohnhaus dank des Hochleistungsdämmstoffs optimal gedämmt werden. Statt herkömmlicher 44 cm Dämmdicke war nur eine Dämmstoffschicht von 24  cm notwendig. An der Stadtmauer, an die sich das Gebäude mit einer Wand­seite anlehnt, bekam das massive Ziegelmauerwerk eine zusätzliche, innen liegende Dämmschicht, bei den anderen Wänden kam verputz­tes Porenbetonmauerwerk mit zusätzlicher Wärmedämmung zum Einsatz. Neben der fast doppelt so hohen Wärmedämmleistung bietet Resol-Hartschaum einen hervorragenden Brandschutz (bei Brandschutzklasse B1), daher war ein Dämmstoffwechsel im Sturzbereich nicht notwendig. Außerdem ist das Material gesundheitlich unbedenklich und zu 100 % FCKW- und HFCKW-frei. Der Dämmstoff wurde in zwei Schichten von jeweils 12 cm aufgetragen. Auf diese Weise wurden Fugen und damit Wärmebrücken einfach und sicher verhindert. Trotz der zwei Schichten ist die Fassade schlank geblieben. Für den Architekten nicht nur aus gestalterischen Gründen ein wichtiger Aspekt: „Gerade bei einem so kleinen Objekt hätte eine dicke Dämmschicht die Gebäudecharakteristik massiv beeinträchtig. Durch die Verwendung des Resol-Hartschaum-Systems sind die Türen- und Fensterlaibungen schlank geblieben und es wird ein ausreichender Lichteinfall gewährleistet,“ so Prof. Ludwig Rongen. Die Luftdichtigkeit der Konstruktion wurde mit einem anschließend ausgeführten Blower-Door-Test unter Beweis gestellt. Für die Gestaltung der Fassade wurde ein mineralischer Leichtputz verwendet, der durch seine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit ein gesundes Wohnklima schafft. –in-

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