Geht das? Recycling von EPS/XPS-Dämmstoffen

Sie erinnern sich? Mit Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) waren zum 1.Oktober 2016 alle Polystyrol-Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel HBCD als „gefährlicher Abfall“ deklariert worden. Das führte dazu, dass plötzlich alle Dämmstoffabfälle nicht mehr von Müllverbrennungsanlagen angenommen wurden – unabhängig davon, ob sie HBCD-haltig waren oder nicht. Die Preise für die Entsorgung explodierten, der dadurch ausgelöste „Entsorgungsnotstand“ betraf letztlich sogar andere Dämmstoffe, die beim Rückbau von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) und Flachdachdämmungen anfielen. Die Ungewissheit bei Bauherren und Handwerkern über die Entsorgung(-skosten) der rückgebauten Dämmstoffe führte zu einem Sanierungsstau, bei der ohnehin kritischen Sanierungsquote ein Desaster. Übergangsweise wurde daraufhin die AVV-Änderung wieder ausgesetzt: Bis Ende 2017 dürfen nun alle Dämmstoffe wieder in normalen Müllheizkraftwerken thermisch verwertet werden. Bund, Länder und Industrie sollen bis zum Ende der Frist einheitliche Lösungen erarbeiten.

Neben der energetischen Verwertung der Dämmstoffabfälle steht das stoffliche Recyc-ling inzwischen zeitlich absehbar in den Startlöchern. Aus der Kooperation des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising und der CreaCycle GmbH in Grevenbroich ging das CreaSolv-Verfahren hervor, bei dem die Bestandteile extrahiert und Fremdmaterialien, wie HBCD- oder Polymer-FR-Additive, separiert werden. Die Flammschutzmittel werden aufbereitet und das enthaltene Brom zurückgewonnen. Aus den EPS/XPS-Anteilen wird ein qualitativ hochwertiges Styrol-Acrylat für die Produktion neuer Dämmplatten recycelt.

2015 wurde von einem Konsortium, in dem die gesamte EPS-Wertschöpfungskette vertreten ist, der Verein PolyStrene Loop gegründet mit dem Ziel, die erste Pilotanlage für das CreaSolv-Verfahren zu errichten. Der deutsche Fachverband WDVS sowie sein europäischer Dachverband EAE unterstützen das Projekt. Die Anlage wird Mitte 2018 betriebsbereit sein und eine Recycling-Kapazität von ungefähr 3 000  t/a aufweisen. Sobald erste praktische Erfahrun-gen vorliegen, können „praxiserprobte“ Angaben über Arbeitsabläufe und Kalkulationsgrundlagen für den WDVS- oder IDS-Rückbau gemacht werden. Darauf basierend sollen europaweit weitere Werke entstehen.

 Der IBP-Bericht BBHB 019/2014/281 prognostiziert mittel- bis langfristig zunehmende Rückbaumengen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Totalabbruch von Gebäuden, die über gedämmte Fassaden verfügen. Im Vorgriff darauf engagiert sich der Fachverband WDVS bereits seit vielen Jahren und mit verschiedenen Teilaspekten für den Lebenszyklusgedanken. Ziel ist es, frühzeitig für die verschiedenen WDVS-Varianten und in Abstimmung mit den Partnern entlang der Prozesskette geeignete Lösungen für das Ende des Lebenszyklus bereitzuhalten.

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