Geheimdienstzentrale übergeben

Der Bundesnachrichtendienst BND, die vielleicht geheimste Behörde dieser Republik nach dem DFB, hat eine Pressestelle. Und die meldete Anfang Dezember: „Neue BND-Zentrale an Bauherrin übergeben“. In der Unterzeile geht es weiter mit: „Größtes Bauprojekt des Bundes setzt wichtigen städtebaulichen Akzent in Berlin-Mitte.“ Und weil das Bauprojekt – Architekten und Masterplaner sind Kleihues + Kleihues, die als Sieger aus einem Wettbewerb mit sechs Bewerbern 2004 hervorgingen – auf einer Fläche von ca. 14 Fußballfeldern realisiert wurde, findet man in der Pressemeldung vor allem Zahlen. So diese beispielsweise: Die drei Gebäudekomplexe zwischen Invalidenstraße und Müllerstraße bieten Platz für etwa 4 000 MitarbeiterInnen, die in mehr als 5 000 Zimmern aus ca. 14 000 Fenstern schauen werden. Umhüllt sind sie von 20 000 t Stahl, 135 000 m³ Beton. Leider erreicht die Gesamtlänge der verlegten Kabel nur 80 000 km, wären es ein paar mehr, könnte man damit ein Telefon auf dem Mond anschließen. Die Kabelmasse wird indirekt mit der „BND-spezifischen IT-, Telekommunikations-, Konferenz-, Labor- und Sondertechnik“ begründet, die nun in aller Stille und unter Argus-Augen-Obacht verbaut und aktiviert wird. Dass der gigantisch große und gleichfalls teure (gut 1 Mrd. €) Komplex durchaus monoton daher kommt, liegt möglicherweise daran, dass der Bauherr großen Wert darauf gelegt hat, „dem Projekt mittels einer durchgängigen Gestaltung aller Bauteile eine eigene Identität zu verleihen“. Unter anderem durch die „stringente Einhaltung eines konstanten [Fassaden-] Rhythmus.“

Ob es vor dem endgültigen Bezug noch eine Presseführung durch das Haus geben wird, ist offen. Mögliche Räume neben den Gärten mit als Palmen getarnten Sendean­lagen könnten sein die Kantine und möglicherweise die Bibliothek. Die auf der Architektenwebsite genannten „verschiedenen Sonderbereiche“ sind von einer Besichtigung wahrscheinlich leider ausgenommen. Be. K.

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