Fassade mit Mehrwert Hauptverwaltung der Volksbank Karlsruhe eG

Als Symbol einer zukunftsorientierten Unternehmenskultur entwarfen Herrmann + Bosch Architekten das Hauptquartier der Volksbank Karlsruhe eG mit einer Syn­ergiefassade, die mit ihren Photovoltaikelementen den Strombedarf für die gesamte Heizperiode produziert.

Für ihre neue Hauptgeschäftsstelle definierten die Vorstandsmitglieder der Volksbank Karlsruhe eG zusammen mit der Karlsruher Vollack archiTec GmbH & Co.KG und den Architekten ein Zukunftskonzept, das auf den drei Säulen Arbeitsqualität, Transparenz und Nachhaltigkeit basierte. Der Entwurf von Herrmann + Bosch Architekten aus Stuttgart setzte die Vorgaben in ein ausdrucksstarkes Gebäude um, das mit seiner charakteristischen Südfassade zu einem Symbol für die gelungene Integration von Energiekonzept und Gestaltung geworden ist und das mit einer jährlichen Einsparung von 86 t CO2 punkten kann. Das als Stahlbetonbau konzipierte Gebäude bietet auf sechs oberirdischen Geschossen 7 400 m² für Foyer, Büro- und Tagungsräume. Die Arbeitsplätze der 250 Mitarbeiter sind entlang der ruhigeren Nordfassade und zum dahinter liegenden Grünzug hin orientiert. Über die gesamte Länge des Bauwerks öffnen sich drei Innenhöfe wie vertikale Foyers, in die die Obergeschosse hineinkragen. Sie lassen Sonnenlicht in die Büros, sind Teil des Belüftungssystems und sorgen als kommunikative Zonen für eine entspannte Arbeitsplatzqualität. Die Südfassade schirmt das Gebäude zur Straßenfront hin ab und wirkt wie ein Schutzschild gegen Lärm und Hitze.

Diese Aufteilung ist integraler Bestandteil des ganzheitlichen Architektur- und Energiekonzepts, das auf der passiven und aktiven Nutzung von Sonnenenergie und Geothermie beruht. Dazu gehören 75 Doppelrohrsonden, die unterhalb der Tiefgarage 35 m tief ins Erdreich eingebracht wurden und die natürliche Umweltenergie des Grundwassers nutzen. Sie sind über das Leitungsnetz an die Wärmepumpen im Untergeschoss angeschlossen, die die Temperatur auf ein nutzbares Niveau von 30 - 40 °C anheben. Von dort wird die Wärme an das Gebäude weitergeleitet, das ausschließlich über Betonkernaktivierung der Decken und kontrollierte Lüftung temperiert wird. Aufgrund der dafür benötigten niedrigen Systemtemperaturen werden die Kapazitäten der Wärmepumpe höchst effizient umgesetzt. Im Sommer dient das Sondenfeld dagegen als Wärmesenke, in dem die bei der Raumkühlung anfallende Abwärme in den Untergrund eingespeist wird. Durch die Integration der Rohrleitungen in die massiven Stahlbetondecken wird deren Speichervermögen für die Gebäudetemperierung aktiviert. Die Spitzenlastregulierung für Heizen und Kühlen und die Frischluftversorgung geschieht über eingebaute Randzonenelemente entlang der Nordfassade. Lediglich für Extremtemperaturen und die damit verbundenen Leistungsspitzen muss auf eine Gaskesselanlage und eine Spitzenlastkältemaschine zurückgegriffen werden.
Die nach Süden ausgerichteten Lichthöfe dienen ebenfalls zur passiven Nutzung solarer Energie, indem die dort erwärmte Luft im Winter über eine Wärmerückgewinnungsanlage zur Erwärmung der Zuluft wieder in das System eingespeist wird. Im Sommer fungieren die Lichthöfe als Abluftkamin und führen ein Zuviel an warmer Luft über RWA-Klappen im Dach an die Außenluft ab. Auffälligstes Element des Energiekonzepts ist die dunkelblau schimmernde Straßenfassade, deren asymmetrische Glasflächen nur von geschossübergreifenden Fensterelementen unterbrochen werden, die Ein- und Ausblicke für die Lichthöfe und Open Spaces des Bürogebäudes zulassen. In die nach Süden ausgerichtete Fassade wurden 100 großformatige Photovoltaik-Elemente integriert, in die Dachschrägen weitere 26. Dazu wurden aufmaßgefertigte Photovoltaikmodule mit den Maßen 2,7 x 1,35 m vom System Schüco ProSol verwendet, die als Glas-in-Glas-Module alle funktionalen Eigenschaf­ten eines Fassadenelements übernehmen.

Durch die Verwendung des Fassadensystems FW 50+.HI konnten die PV-Module mit Standard-Systemsteckern ohne aufwendige und zusätzliche Unterkonstruktionen direkt neben die konventionellen Glasfüllelemente der Fassade eingebaut werden. Auf einer Fläche von insgesamt 415 m² erzeugt die Solarstromanlage mit einer Spitzenleistung von 58 kW im Jahr insgesamt 60 000 kWh. Der durch die Sonnenenergie produzierte Strom wird vollständig in das Netz eingespeist. In der Heizperiode wird ungefähr gleichviel elektrische Energie aus dem öffentlichen Netz für den Betrieb der Wärmepumpe entnommen, die einen mittleren Leistungsbedarf von 50 kW hat. Somit kann das Gebäude der Volksbank Karlsruhe in der Gesamtjahresenergiebilanz zu Recht als Nullenergiehaus bezeichnet werden.

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2018-05

Preis für Masterarbeit im Baumanagement

Beim Wettbewerb der besten akademischen Arbeiten im Facility Management wurde Tim Bosch, Absolvent im Masterstudiengang Baumanagement an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, mit dem...

mehr

In delicto urbs

Diskussion über die Dezentralisierung der zentralisierten Stadt am 17. Juni 2009, Karlsruhe

Der Architekten- und Ingenieursverein und das Kunst- und Architekturmagazin archEtrans laden ein zu der Diskussionsveranstaltung „Berkeley beschaut Karlsruhe“ zum Thema „Dezentralisierung der...

mehr
Ausgabe 2013-01

Eine r(ot)unde Sache Volksbank, Gifhorn

In der Innenstadt von Gifhorn haben Stephan Braunfels Architekten, Berlin, einen Neubau für die Volksbank realisiert. Zwei im spitzen Winkel zueinander stehende Satteldach-Gebäude bilden das neue...

mehr
Ausgabe 2014-05

Eine runde Sache Erweiterung des Hauptsitz Europäische Südsternwarte, ESO, Garching

Die Hauptverwaltung der ESO befindet sich im Norden Münchens am südlichen Rand des Forschungszentrums Garching. Das freistehende Gebäude ist eine Komposition aus kreisrunden Gebäudesegmenten aus...

mehr
Ausgabe 2019-11

Dachboden einer Schule mit Seegras gedämmt

Die energetische Sanierung der obersten Geschossdecke des Schulgebäudes im Karlsruher Stadtteil Mühlburg wurde mit der Seegrasdämmung NeptuTherm ausgeführt. Da sich Karlsruhe per...

mehr