Fahrplan in die Zukunft

Automatisierte Bauplanung

Wie werden vorhandene Daten vernetzt und für zukünftige Projekte nutzbar gemacht? Diese Frage stellt sich für Brüninghoff derzeit. So ist Arbeiten nach der Methode Building Information Modeling für den Projektbauspezialisten in den meisten Fällen bereits zum Standard geworden – jetzt gilt es, aus den Daten vergangener Projekte eine Basis zu schaffen, die einen sehr genauen Forecast für zukünftige Projekte ermöglicht. So wird gemeinsam entschieden, welche Daten und welche Veränderungen im Zeitverlauf berücksichtigt werden müssen. In Workshops mit unterschiedlichen Teammitgliedern wird eine Vision der strategischen Unternehmensausrichtung sowie der digitalen Prozesse erarbeitet. Externe Datenanalysten unterstützen den Hybridbauspezialisten bei der technischen Gestaltung und Vernetzung der Daten.

Sieht man sich derzeit den Planungsprozess eines Bauprojekts an, wird deutlich, dass im frühen Projektstadium viele Schätzaussagen getroffen werden – zeitliche Angaben zum Beispiel werden zwar auf Basis vergangener Projekte ermittelt, hängen im Unternehmen jedoch stark vom persönlichen Erfahrungshintergrund des Einzelnen ab. Der „Faktor Mensch“ wird somit zur Unsicherheitskomponente. Dabei sind diese Informationen im Unternehmen vorhanden – sie liegen jedoch nicht in verdichteter Form vor. Dies gilt es zu ändern, um so Kapazitäten für kreative Prozesse und individuelle Besonderheiten beim jeweiligen Bauprojekt zu schaffen.

Die Planung eines Bauprojekts kann in nicht allzu ferner Zukunft so aussehen wie die Streckenplanung einer Autofahrt: Bei letzterer lassen sich Route und Ankunftszeit bereits bei Fahrtbeginn sehr genau voraussagen. Baustellen und Verkehrsaufkommen in der Vergangenheit werden eingerechnet, die geplante Startzeit und Umleitungen berücksichtigt. Es liegen umfangreiche Daten aus der Vergangenheit vor – zudem lernt das Navigationssystem im Verlauf weiter und wird so immer genauer. Dies lässt sich fast analog auf Bauprojekte übertragen: Mittels künstlicher Intelligenz könnte auch für den Baubereich die Prognosefähigkeit deutlich verbessert werden. Durch umfassende Datenanalysen lassen sich viele Fragen beantworten: beispielsweise, wie häufig ein Bauteil in der Vergangenheit eingesetzt wurde und wie es sich über eine bestimmte Laufzeit verändert hat; oder auch die Frage, wie oft das Bauteil projektindividuell angepasst wurde. Daraus wiederum lassen sich wichtige Erkenntnisse für kommende Projekte ableiten. Idealerweise entsteht ein System, in dem automatisch aktuelles Wissen einfließt und dieses bereits für das nächs­te Bauvorhaben genutzt wird.

Für Brüninghoff stellt sich derzeit die Aufgabe, wie vorhandene Daten – beispielsweise aus der Planung nach der Methode BIM – vernetzt und für zukünftige Projekte nutzbar gemacht werden können. In Zusammenarbeit mit externen Datenanalysten werden vorhandene Datenbestände gebündelt und ausgewertet. Es geht dabei für das Unternehmen um eine ganzheitliche Betrachtung der Digitalisierung mit strategischer Ausrichtung. Software und Tools sind dabei nur Mittel zum Zweck: Zunächst gilt es, einen roten Faden zu entwickeln – mit dem Ziel, Prozesse zu verbessern, die Rentabilität zu steigern und das Risiko zu minimieren. Hierzu bringt Brüninghoff unterschiedliche Teammitglieder aus dem Unternehmen in Workshops zusammen und entwickelt eine gemeinsame Vision zur Digitalisierung.

In der Zukunft werden der manuelle Aufwand bei der Planung eines Projekts und damit die Fehler­anfälligkeit sowie Ungenauigkeiten deutlich reduziert. Der erste Übersichtsplan eines Bauvorhabens wird automatisch erzeugt. Das heißt, dass beispielsweise Zeitplanung, Kapazitäten, Kosten und Logistik auf Basis von Erfahrungsdaten erstellt werden. Materialthemen und die Anfrage von Nachunternehmen werden dabei ebenfalls unkomplizierter – und das bereits in der Angebotsphase. Ähnlichkeiten zu bestehenden Bauwerksplanungen werden automatisch identifiziert und fließen bei der architektonischen Gestaltung, der Produktion sowie der Realisierung ein. Diese künstliche Intelligenz entlastet alle Beteiligten, da bereits erarbeitete Informationen erneut genutzt werden. Dabei ist es möglich, Algorithmen zu hinterlegen, die beispielsweise verschiedene Ausführungsvarianten auf Wirtschaftlichkeit oder Ressourceneffizienz prüfen. Da Brüninghoff nicht nur die Konzeption, Planung und Ausführung von Bauprojekten übernimmt, sondern auch selbst vorgefertigte Bauelemente aus Holz, Beton, Stahl und Aluminium produziert, sind Auslastung und Material weitere wichtige Komponenten. Ein genauerer Forecast erleichtert nicht nur die Beschaffung, sondern ermöglicht auch eine besonders effiziente Nutzung der Produktionsanlagen. Auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit – im Sinne einer gesamtheitlichen Betrachtung des Lebenszyklus eines Gebäudes – eröffnet die Datenanalyse neue Dimensionen der Effizienz. Denn nicht nur Planung und Bau können betrachtet werden, sondern es lassen sich leichter Aussagen zum Betrieb und Rückbau des Gebäudes treffen.

Die Automatisierung des Prozesses rund um die Erstellung eines Bauprojekts setzt somit Kapazitäten an anderer Stelle frei – Kapazitäten, die wir in Zeiten, in denen insbesondere Kreativität und Umdenken gefordert sind, dringend benötigen. Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist eine Herangehensweise, die in vielen Bereichen auf automatisierte Prozesse setzt, zukunftsträchtig.

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