Energieeffizienz-Index bricht ein

Einmal ganz davon abgesehen, dass die Betrachtung des Energieverbrauchs über den Aspekt der Energieeffizienz von vornherein in die falsche Richtung lenkte, weil er viel zu monokausal arbeitet, könnte man die Forschungsarbeiten zum Thema der Energie­effizienz als abgeschlossen erklären.

Nicht jedoch die Aufklärungsarbeiten, denn aktuell meldet das Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart, dass der Energieeffizienz-Index EEI zum Jahreswechsel 2017/18 auf den tiefsten Stand seit Beginn seiner Erhebung gesunken sei. Der wichtigste Grund, so das Institut: Unternehmen investieren weniger in Energieeffizienz und steigern die Energieproduktivität kaum noch, obwohl für sie die Bedeutung der Energieeffizienz nicht gesunken ist. Die Stuttgarter erheben seit 2013 halbjährlich aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zur Energieeffizienz. Der EEI wird unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraunhofer IPA und dem TÜV Rheinland erstellt.

Die Einschätzung der Bedeutung von Energieeffizienz in den knapp 500 befragten Unternehmen bleibt stabil. Auf den halben Wert im Vergleich zur letzten Erhebung sank der Investitionsindex, also der Anteil von Energieeffizienz-Maßnahmen an den gesamten Investitionen, die Unternehmen im kommenden Jahr tätigen wollen. Am extremsten zeigt die Kurve nach unten, welche die erwartete Steigerung der Energieproduktivität beschreibt:
Innerhalb eines halben Jahres sank dieser Wert von 1,74 auf 0,2 ab.

„Obwohl Unternehmen die Bedeutung der Energieeffizienz konstant hoch einschätzen, setzen sie deutlich weniger Energieeffizienz-Maßnahmen um. Der Grund könnte sein, dass einfache Maßnahmen häufig bereits umgesetzt sind und für die schnelle Umsetzung komplexerer Maßnahmen die Ressourcen fehlen. Die aktuelle Hochkonjunktur sowie die politische Unsicherheit im Wahljahr haben diese Effekte noch verstärkt“, so Prof. Alexander Sauer, der Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion EEP in Stuttgart.

Zeit also, endlich einmal auf die Effektivität des Handelns zu schauen. Denn die größte Effizienzsteigerung hat physikalische Grenzen und endet spätestens dort, wo die hocheffizient arbeitenden Energieverbraucher immer mehr werden. Mit dem Effekt, dass kaum weniger Energie insgesamt gespart wird. Denn bezöge man den immer noch vernachlässigten Effekt „graue Energie“ einmal konsequent ein, dann gäbe es gar kein Energiesparen. Neben der Automobilindustrie steht hier leider auch das Bauwesen noch ziemlich weit hinten an. Be. K.

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