Ein Bausystem für mehr Bauqualität
Sicher in Planung und Verarbeitung

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahn­hofs in Hamburg-Bergedorf entsteht zur Zeit ein neues Wohn- und Geschäftsviertel. Eingesetzt wird dabei ein neu entwickeltes großformatiges Bausystem. Es erleichtert durch ein höheres Maß an Einfachheit sowie in der Kombination mit gezielten Verarbeitungs- und Konstruktionsempfehlungen die sichere und schadensfreie Ausführung von Rohbauten. Komplettiert wird das System durch einen speziellen Dünn­bettmörtel, mit dem Lager- und Stoßfugen fixiert werden. Hinzu kommt noch ein besonderes Plus: Das System beinhaltet die Planung und baustellengerechte Lieferung des entsprechend vorkonfektionier­ten Element-Bausatzes.

Mitten im direkten Einzugsbereich der Ham­burger City liegt das Areal eines ehemaligen Güterbahnhofs, das einer neuen Nutzung zugeführt werden soll. Auf der ca. 5,3 ha großen Brache entstehen derzeit neben komfortablen Mietwohnungen, moderne und großzügige Eigentumswohnungen sowie familiengerechte Stadthäuser mit Dachterrassen. Eine Seniorenresidenz sowie ein Büro- und Geschäftshaus werden in die neue Wohnbebauung integriert. Bei der Gestaltung des Areals wurde Wert darauf gelegt, dass die Vergangenheit des Geländes für zukünftige Bewohner erkennbar erhalten bleibt. So wurden der ehemalige Lok­schuppen und eine alte Frachthalle restauriert. Sie beherbergen jetzt die Büros für Firmen ver­schiedener Branchen und ein kleines Restaurant. Das frühere Zollamt und die ursprüng­liche Gerätehalle bilden nunmehr das Eingangstor zum neuen Wohnquartier in Bergedorf. Insgesamt 200 neue Mietwohnungen, 130 Eigentumswohnungen und rund 30 Einfamilien­eigenheime sind hier geplant. Dabei richtet sich das Wohn-Angebot sowohl an Singles, Paare und Familien als auch an Wohngruppen und alternative Wohnprojekte. Moderne Stadthäuser bieten familiengerechte Grundrisse mit großen Garten- und Dachterrassen. Offen gestaltete Zwei- bis Vierzimmerwohnun­gen und Penthouses mit fließenden Übergän­gen zwischen Außen und Innen erfüllen alle Anforderungen an modernen Wohnkomfort.

Gehobene Ansprüche

Die Ausstattung mit Solarthermie und der Einsatz von mineralischem Kalksandstein, mit dem schlanke Wände von hoher Druckfestigkeit erstellt werden können und der somit ein Mehr an Wohnfläche schafft, sorgt für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen. Durch seine Massivität bildet der Baustoff den Grundstein für erhöhten Schallschutz. Gleichzeitig sorgt die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Kalksandstein für ein konstant gutes Wohnklima und hilft so, die Nebenkosten zu reduzieren - die Räume bleiben im Sommer angenehm kühl und speichern im Winter die aufgenommene Wärmeenergie aus der Raumluft. Dem gehobenen Anspruch entspricht auch die äußere architektonische Gestaltung der Gebäude. Die kubischen Grundformen werden von großen Fensterflächen gegliedert. Diese nehmen ebenso wie die hellen Putzflächen den langgestreckten Baukörpern ihre Wuchtigkeit. Der Wechsel von unterschiedlich hohen Elementen sowie das viele Grün in den Gartenanlagen verleihen der gesamten Bebauung eine hohe Transparenz.

Neues Bausystem/Sicherheitskonzept

Um auch durch die Bauausführung einen hohen Qualitätsstandard sicherzustellen, wurde das Mauerwerk der Außenwände sowie die tragenden Innenwände und die Wohnungstrennwände mit Kalksandstein ausgeführt. Zeit- und Kostengründe sprachen hier für Verarbeitung eines großformatigen Bausystems. Der Immobilienentwickler Bouwfonds Hamburg GmbH entschied sich dabei für den Einsatz eines neuen großformatigen Element­bausystems. „Die verarbeitungsbedingten und oftmals mangelhaften Ergebnisse im Hinblick auf die Rissbildung in großformatigen Kalksandstein-Wänden waren für uns ausschlaggebend, nach anderen Lösungen zu suchen und bei dieser Baumaßnahme dieses Bausystem einzusetzen,“ erläutert Sven Höltke, technischer Leiter der Bouwfonds Hamburg GmbH, seine Entscheidung.

Das neue Bausystem wurde als Alternative zu den großformatigen Elementreihen Quadro- und Rasterelement-System sowie dem Planelement-System entwickelt. Es besteht aus einem optimierten Elementprogramm und darauf abgestimmten Verarbeitungs- und Konstruktionsempfehlungen, mit denen die Ausführungsqualität ohne Mehraufwand gesteigert werden kann. Den Grund­stein des Bausystems bildet ein Regelelement von 1  m Länge. Es wird ergänzt durch darauf abgestimmte Passelemente, die in verschiedenen Wanddicken angeboten werden, und komplettiert durch den Einsatz eines Dünnbettmörtel zur Vermörtelung der Lager- und Stoßfugen. Das Bausystem besteht aus zwei Produktlinien: Silka XL Basic und Silka XL Plus. Dabei baut XL Plus auf der Basic-Version auf und bietet sämtliche Elemente inklusive aller Systemkomponenten aus den Quadro- und Rasterelement-Systemen sowie zusätzlich die Planung und Erstellung komplett zugeschnittener Wandbausätze.

Hohe Ausführungsqualität

Neu beim Einsatz des Bausystems ist vor allem, dass das Mauerwerk aus den Regel- und Passelementen mit dem neuen Sicherheitsmörtel errichtet wird. Entsprechend einer neuen Verarbeitungs- und Konstruktionsempfehlung werden dabei nicht nur die Lagerfugen, sondern im gleichen Arbeitsgang auch die Stoßfugen vermörtelt. Durch die abgestimmte Rezeptur sorgt der Dünnbettmörtel für eine geschlossene Wandoberfläche. Der Dünnbettmörtel bietet vor allem durch seine besonderen Materialeigenschaften Vorteile: Die hohe Stützfunktion des Materials er­möglicht ein leichtes lot- und waagerechtes ­Ausrichten der Elemente bei Einhaltung der Lagerfugensolldicke von 2 mm. Da das Verbundverhalten des Mörtels gegenüber herkömmlichen Stützkornmörteln verbessert wurde, wird ein höherer Mauerwerksverbund gewährleistet. Dies steigert die Ausführungsqualität und die Sicherheit vor späteren Rissbildungen.

Mit Mörtelschlitten und angepassten Stoßfugenkellen wird dabei der Mörtel ohne großen Mehraufwand auf die Elemente aufgetragen und vermindert so die Rissanfälligkeit in den Fugen. Darauf zugeschnitten sind auch die neuen systemspezifischen Konstruktionsempfehlungen. Sie sehen neben der konsequenten Stoßfugenvermörtelung unter anderem bei größeren Wand­längen und im Übergang von hochbelasteten zu weniger belasteten Wandabschnitten die Einplanung und Einarbeitung von Dehnungsfugen in Abständen von ca. 6 - 8 m vor.

Dass dies ohne zeitlichen Mehraufwand einhergeht, ergab jetzt eine Untersuchung, die das Institut für Zeitwirtschaft und Betriebsberatung (izb) im Auftrag des Herstellers durchgeführt hat. Dabei wurden abgestimmte Ablaufuntersuchungen und Zeitmessungen in verschiedenen Intervallen unter Baustellenbedingungen vorgenommen. Alle vom izb durchgeführten Messungen zeigten, dass es bei zweckmäßiger Baustellenorganisation und abgestimmter Arbeitsausführung zu keiner nennenswerten Erhöhung der Zeitwerte kommt. Die Erhebungen basieren auf einer Soll-Arbeitsgruppe von zwei Mitarbeitern. Damit konnte nachgewiesen werden, dass der Einsatz des Kalksandstein-Bausystems tatsächlich mehr Ausführungssicherheit ohne Mehraufwand bietet.

Zusätzliche technische Service-Leistungen

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Bouwfonds Hamburg GmbH, bei der Realisierung des neuen Wohn- und Geschäftsviertels das neue Bausystem einzusetzen, waren auch die damit verbundenen zusätzlichen technischen Serviceleistungen des Baustoff-Herstellers. In enger Abstimmung mit dem Bauunternehmer wurden im vorliegenden Fall die Architekten- und Positionspläne umgesetzt und um Konstruktionsempfehlungen in der Wandplanung ergänzt. Von Vorteil war dabei, dass das 1-m-Element flexibel an alle individuellen Baustellensituation angepasst werden kann. Zusätzliche Unterstützung bot der technische Service bei der Lösung von besonderen Anforderungen an Brand- und Schallschutz, an Tragfähigkeit und Wärmeschutz sowie bei der Einarbeitung von Dehnungs- und Gebäudefugen.

Das Bausystem wurde als vorkonfektionierter Wandbausatz inklusive optimierter objektbezogener Verlegepläne just-in-time auf die Baustelle geliefert. Der Abruf der vorkonfektionierten Elementbausätze durch die Baustelle erfolgte in Abstimmung mit dem Liefer­werkjeweils wandbezogen sowie bauteil- und geschossweise. Eine passgenaue Lieferung aller Elemente sparte das Zuschneiden von Pass-Steinen auf der Baustelle und ermöglichte das einfache Versetzen nach leicht verständlichen Verlegeplänen. Damit konnte eine hohe Ausführungssicherheit zusätzlich gewährleistet werden. Über die erstellten Material- und Stücklisten ermöglichte das System auch Vorteile bei der Abrechnung durch eine objektbezogene Material-Preiskalkulation. Dabei erfolgte die Abrechnung der Maurerarbeiten mittels der Wandflächen gemäß Verlegeplan. Die geringen Materialmehrkosten für den Dünnbettmörtel im Rahmen der Realisierung von Projekten rechnen sich am Ende, da eine sicherere Ausführung zu keinen Reklamationen hinsichtlich von Rissen im Mauerwerk führt. „Wir gehen davon aus, dass das Thema Reklamationen Geschichte sein wird,“ äußerte sich Höltke optimistisch.

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