Gemeinsame Datenumgebung für BIM

Gemeinsame Datenumgebung in DIN SPEC 91391

Bei Bauprojekten mit BIM ist eine gemeinsame Datenumgebung das zentrale Element. Die DIN SPEC 91391 vereinheitlicht die Anforderungen an die Datenumgebung.

Wenn von Building Information Modeling (BIM) die Rede ist, hat nahezu jeder das 3D-Gebäudemodell vor seinem geistigen Auge. Was dagegen oft untergeht, ist ein zentrales Element, das BIM überhaupt erst ermöglicht – Informationsmanagement. Nur wenn die Prozesse zwischen den Projektteilnehmern genau definiert sind, kann die Methode effizient funktionieren. BIM ist ohne Informationslieferungen undenkbar: Um Aussagen über Kosten, Mengen und Materialien treffen zu können, müssen Architekten und Ingenieure vom gewünschten Endergebnis aus denken, das heißt vom fertigen Gebäude und dessen Anforderungen in der Nutzungsphase – Reverse Engineering. Auf dieser Basis lassen sich die dafür benötigten Informationen anfordern.

Für das Informationsmanagement ist eine gemeinsame Datenumgebung nötig, auch Common Data Environment (CDE) genannt. Diese internetbasierte Plattform wird für das Management von Prozessen und Informationen in allen Lebenszyklusphasen des Bauwerks verwendet. In eine CDE fließen sämtliche Informationen ein, die die Projektteilnehmer liefern – vom Architekten und den Fachplanern der Gewerke bis hin zum Nutzer des Gebäudes. Bei großen Projekten sind das unzählige Daten und zigtausende Dokumente. Im Unterschied zu Filehosting-Diensten wie Dropbox und Google Drive geht es bei der CDE aber nicht nur um Datenaustausch, sondern zusätzlich um Liefer-, Prüf- und Abnahmeprozesse. Eine CDE kann zudem der Integrationskern für Hunderte verschiedener Softwaretypen sein.

Konkret stellt eine Common Data Environment sicher, dass

– die Datenhoheit zwischen allen Projektpartnern gewährleistet ist,

– Lieferprozesse und Verantwortlichkeiten klar geregelt sind,

– Aktivitäten nachvollziehbar protokolliert werden,

– Redundanzen vermieden werden,

– die Aktualität und der Status von Informationen stets eindeutig sind.

Diese zentrale Verwaltung bringt viele Vorteile: Fürs Projektmanagement liefert eine CDE stets den Überblick über den aktuellen Status, Freigaben und Verantwortlichkeiten. Auch Prüf- und Abnahmeprozesse sind über die gemeinsame Datenumgebung möglich und in der Nutzungsphase des Gebäudes lässt sich etwa bei einem Defekt schnell per Mausklick im Browser ermitteln, welches Bauteil getauscht werden muss.

Anforderungen an Common Data Environment

Eine Common Data Environment ist also elementar für BIM – allerdings gab es in der Baubranche bisher kein einheitliches Verständnis darüber, welche Anforderungen eine solche Datenumgebung erfüllen muss. Das hat sich mit der DIN SPEC 91391 geändert. Eine DIN SPEC ist ideal, um Ideen schnell im Markt zu verbreiten und auf einfache Weise hilfreiche Standards zu setzen.

Die DIN SPEC 91391 legt erstmals Anforderungen an gemeinsame Datenumgebungen von BIM-Projekten fest. „Teil 1: Module und Funktionen einer Gemeinsamen Datenumgebung“ definiert die grundlegenden Komponenten und Aufgaben einer Common Data Environment. Insgesamt stellt Teil 1 rund 200 Anforderungen an die Common Data Environment und unterscheidet dabei zwischen Muss- und Kann-Kriterien. Durch diese Kriterienliste haben sowohl Auftraggeber als auch Projektpartner ein besseres Verständnis davon, welche Funktionen die gemeinsame Datenumgebung erfüllen sollte. Zudem werden einige typische BIM-Anwendungsfälle beschrieben, die sich in Form von Workflows in der Common Data Environment umsetzen lassen. „Teil 2: Offener Datenaustausch mit Gemeinsamen Datenumgebungen“ beschreibt ein Schnittstellenkonzept für den Datenaustausch in offenen BIM-Formaten („openCDE“). Bei solchen Open BIM-Projekten nutzen die beteiligten Akteure Plattformen verschiedener Hersteller.

Vorteile durch Common Data Environment

Wer am BIM-Prozess beteiligt ist, hat durch die DIN SPEC eine klare Vorgabe, woher er Informationen erhält, wohin er diese liefern soll und wie der zugehörige technische Vorgang aussehen soll. Ein BIM-Ablaufplan hält den Lieferprozess fest. Weitere Vorteile der Spezifikation: Common Data Environments verschiedener Anbieter lassen sich in Bezug auf ihre Funktionen vergleichen. Auftraggeber und Anwender können so bewerten, welche Datenumgebung die Anforderungen ihres Projekts am besten erfüllt. Teil 2 der DIN SPEC klärt zudem die Anforderungen an die Software-Schnittstelle einer Common Data Environment – vor dem Hintergrund, dass im BIM-Prozess oft parallel oder nacheinander Plattformen unterschiedlicher Hersteller eingesetzt werden. Externe Systeme müssen sich dennoch integrieren und Daten untereinander möglichst verlustfrei austauschen lassen. Architekten, Ingenieure und Fachplaner sollten deshalb darauf achten, dass die Programme, mit denen sie arbeiten, Plugins einer Common Data Environement integrieren können. Ist das der Fall, kann die eigene Software im BIM-Prozess praktischerweise weiterverwendet werden. Die Anwender können ihre Daten dann auf Knopfdruck in die Common Data Environment liefern lassen.

DIN SPEC 91391, API, Open BIM Collaboration

Die Resonanz auf die DIN SPEC 91391 ist bisher überwältigend, das Interesse sehr groß. Zahlreiche Anfragen haben das Team erreicht – unter anderem aus Singapur, wo man ähnliche Standardisierungsprojekte auf die Beine stellen möchte. Das zeigt den Bedarf und offenbart die bisherige Problematik, dass Anwender in ihren BIM-Projekten zwar Common Data Environments benutzen müssen, bislang aber kaum jemand über diese gemeinsamen Datenumgebungen Bescheid wusste. Mit der neuen Spezifikation ist das Vergangenheit. Das Team, das die DIN SPEC erarbeitet hat, plant bereits weitere Schritte: So sind analoge Spezifikationen auf CEN/ISO-Ebene angedacht und die Organisation buildingSMART International hat für ihr Open BIM Collaboration Format (BCF) das Thema API, also Programmierschnittstellen, auf der Agenda.

DIN SPEC 91391-1 und DIN SPEC 91391-2 jetzt auf www.beuth.de kostenlos runterladen.

Den Initiatoren von Oracle Deutschland und der planen-bauen 4.0 GmbH ist das gemeinsam mit sechs weiteren Partnern in nur zwölf Monaten gelungen die DIN SPEC zu erarbeiten. Durch die unterschiedlichen Teilnehmer wurden sämtliche BIM-Perspektiven abgedeckt, vom Planen übers Bauen bis zum Nutzen. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) wiederum hat den gesamten DIN SPEC-Prozess organisiert und sichergestellt, dass die Spezifikation nicht mit bestehenden Standards kollidiert.

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