Am Ende alles gut am Duisburger Hafen: die Küppersmühle von HdeM

Es hat ja nicht wenige Pressekonferenzen gegeben, zu denen der Architekt Jacques Herzog, Herzog & de Meuron, Basel, angekündigt war, dann aber kurzfristig abgesagt hatte. Ein prominentes Beispiel wäre die Pressekonferenz in Hamburg-Harburg 2007 gewesen, in welcher Herzog die Elbphilharmonie der Presse vorstellen sollte. Jacques Herzog kam nicht, Ascan Mergenthaler übernahm, das Projekt nahm seinen Lauf.

In Duisburg, am Erweiterungsbau des MKM Museum Küppersmühle, war der Basler ebenfalls für die Pressekonferenz angekündigt und bis zum Schluss war man nicht sicher, ob er kommt oder nicht. Er kam, ich traf ihn Minuten vor Konferenzbeginn draußen vor dem Neubau am Hafenbecken des Innenhafens, den Kopf im Nacken und mit sehr zufriedenem Gesichtsausdruck vor dem ­neuen Backsteinbau. Ja, er sei seit langem einmal wieder hier und absolut begeistert!

Zuletzt traf ich ihn hier 1999, da wurde der Umbau der Küppersmühle zum Sammlermuseum für die Grothe-Sammlung eingeweiht. Ein architektonisches Zeichen am Rande eines riesigen Planungsgebiets, für das Foster & Partners im Rahmen der IBA Emscher (1989 – 99) den Masterplan entwickelt hatten. Damals, Ende 1999, war die Küppersmühle ein Kulturbau der Extraklasse in einem Hafenareal ab der Schwanentorbrücke, das mit Häusern für das Wohnen, für Medien- und andere Dienstleisterunternehmen, mit Parks und Skulpturen einen – von heute aus gesehen - geglückten Neustart geschafft hatte. Ganz am Ende des Hafenbeckens, das von der hochgestellten Autobahn A59 abgeschnitten wird, steht das Museum am Südkai. Bereits nach sechs Jahren wurde über eine Erweiterung nachgedacht, die Sammlung war gewachsen. 2005 hatte das Ehepaar Ströher, selbst Sammler, das Kunstkonvolut Hans Grothes mit der eigenen Sammlung fusioniert.

Die neuen Eigentümer wandten sich an Herzog & de Meuron, die dem Haus eine spektakuläre – und wie man schreiben kann – für die Basler ungewöhnlich exaltierte Erweiterung planten: Hoch oben auf dem Bündel der ehemaligen Getreide-silos sollte der zweigeschossige Neubau thronen, eine Stahlrahmenkonstruktion in Quaderformat, deren kippelige Platzierung das ganze Projekt zum Einsturz brachte: Nicht von oben herab, die Fertigung des Stahlrahmenbaus passierte am Boden und stand bereit, auf die bereits mit Beton ertüchtigten Silos gehoben zu werden. Rund 1 400 Tonnen wog er, doch er war schlecht gemacht, fehlerhaft, ruinös. 2014 wurde er abgewrackt.

Doch das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher ließ nicht locker, 40 Mio. Euro für Nichts und wieder Nichts?! Wieder wandten sie sich, Anfang 2015, an das Basler Büro. Die interpretierten nun die Erweiterung als Fortsetzung und vorläufigen Abschluss des Mühlenbauensembles, als „eine integrierte und ergänzende Ar­chitektur“(HdeM), was so ganz das Gegenteil war von dem schwebenden, transluzenten Quader des ersten Erweiterungswurfs. In konsequenter Fortschreibung des Backsteinensembles – das natürlich damals schon keine Hinnahme des Vorgefundenen, sondern dessen subtile Bearbeitung war – schiebt sich das Museumsvolumen nun so nah an die Hochbahn, dass die gegebene Abstandszone so gerade eingehalten wurde. Aus dieser Vorgabe/Grenze hat sich auch die Schrägstellung der imposanten Wand ergeben, die wiederum auf die Grundrissgestaltung im Inneren zurückwirkt. Da die orthogonale Ausrichtung der Raumstrukturen des Altbaus auch für die Erweiterung gefordert war, ergab sich aus der Schrägstellung ein Zwickel, in den hinein kein Sammlerstück, dafür aber ein Treppenraum eingebracht wurde, der den Restraum in wunderbarer Weise füllt.

Der Treppenraum

Schon im Altbau von 1999 hatten die Architekten einen Treppenraum platziert, auf den sie immer wieder verwiesen und der in vielen Projektdarstellungen im Zentrum der Berichterstattung stand. Der neue Treppenraum – ebenfalls in terrakotta-farbenem Beton skulpturiert, mit gelben Leuchten matt erleuchtet – strebt wie sein Vorgänger aus dem ersten Bau von den kühlen, rationalen Ausstellungsräumen fort, man bewegt sich in einem ganz eigenen Raum in die Höhe, schaut durch schmale Fenster am Treppenabsatz nach draußen bevor man im folgenden Treppenlauf wieder zur Kunst im weißen Raum zurückkehrt.

Jacques Herzog sagt über den Treppenraum: „Das Treppenhaus ein Ort, an dem du dich wie neu programmierst. Das ist wie ein Zu-dir-selbst-kommen. Ja, ganz sicher, das Treppenhaus macht etwas mit den Menschen, dieser besondere Raum hat eine Wirkung.“ Und wirklich gerät man hier, wie auch in den Silos, die man jetzt vom Altbau aus durchschreitet, in einen kunstfreien Raum, der selbst Kunst ist. Die BesucherInnen können hier die inneren Bilder sacken lassen, um sich auf das Nächste, eine Ebene höher oder tiefer zu konzentrieren.

Ganz oben gibt es einen Tageslichtsaal, von dem aus man den Übergang zum Treppenhaus bewundern kann … wären nicht hier wie sonst auch an durchaus sensibleren Stellen Feuerlöscher, Brandmelder, Fluchtzeichen etc. auf die Wände geschraubt. Hier sollte doch die smarte Museumstechnik mittlerweile weiter sein!

Doch das ist vielleicht gar nicht entscheidend, die Kunst selbst hält diese störenden Zugaben locker aus, das Gebäude sowieso. Die Siloräume, der kleine Park (ohne Bänke!) mit seinen Platanen vor der gigantisch schönen Backsteinwand aus gebrochenen Steinen, die edel schimmernde, hier fast klein wirkende, allerdings leinwandriesige Anlieferungstür und endlich der Treppenraum zeigen, dass hier ein Haus so zuende gedacht und gemacht wurde, wie es anders nicht hätte gemacht werden dürfen. Hinfahren und wenigstens anschauen! Und wer weiß wann, aber irgendwann einmal sollen die Silos mit einer kleinen Aussichtsplattform bestückt sein. Von dort aus kann man auf die Stadt schauen und auf die Restflächen, auf denen man doch noch einmal erweitern könnte! Es bleibt spannend. Be. K.

www.museum-kueppersmuehle.de, www.herzogdemeuron.com
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