Comeback der Schalen in Linz/A
Beim DAM Preis 2026 wurde es auf der Shortlist (Auslandsbauten) geführt: Das sympathisch angestaubte, „Domcenter“ genannte Projekt von Peter Haimerl . Architektur (Pavillon) mit Studio Clemens Bauder (Ausstellung). Das ist ein Annex zum Linzer Mariendom, der die große Kirche im neogotischen Stil für Besucherinnen attraktiver machen soll, über eine starke Willkommensgeste und natürlich über einen guten Kaffee.
Die Architektur des vor der Ostseite platzierten Domcenters spielt mit historischen Baubezügen (umgekehrte Kuppel) und textiler Anmutung: Die drei scheinbar vom Strebewerk abgehängten, bauchig durchhängenden Betontücher, die sich zum Kirchplatz hin auf sehr schmale Betonstäbe zu stützen scheinen, sind material- und baukonstruktiv gesehen Hightec-Objekte. Aus mehreren vorproduzierten Betonschalenelementen mit zwischenliegender Dämmung gefügt balancieren die drei von Glasfugen getrennten Komposite auf je einer im Inneren dezent verpackten Betonstütze; die elegant schmalen Außenstützen sind – für den Fall der Fälle – nur auf Zugbelastung gerechnet. Das hinter einer Glasfassade untergebrachte Café verbindet Domcenter und Kirchenraum über ein neugeschaffenes Untergeschoss, das u. a. Technik, WC und Lagerräume aufnimmt.
Ursprünglich hatten Peter Haimerl . Architektur das Center noch in Holzbauweise oder als ein robotisch gewebtes Geflecht aus Hanfseilen gedacht, das Bundesdenkmalamt aber wünschte sich eine dem Dombau entsprechende hochwertige Architekturqualität, „die nachhaltig ist und über Jahrhunderte hält.“ Das muss der Zubau nicht unbedingt nur am Kirchplatz in Linz können, er ist demontierbar, Anbauspuren würden sich nur im Boden finden. Vielleicht kann er, wenn seine Reanimationskraft gewirkt hat, an anderen Bauten angekoppelt werden, vorausgesetzt, sein Partnerbau hat das nötige Selbstbewusstsein.
⇥Be. K.
