Bundespräsidialamt geschlossen
Der höchste Repräsentant unseres Landes, derzeit noch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, musste sein (Bellevue)Schloss verlassen. Grund: grundlegende Sanierung. Geschätzte Dauer: acht Jahre. Kosten: laut Boulevard 1 Mrd. Euro, laut anderen Quellen 600 Mio. Euro. Mit dem historischen Schloss wird auch der Erweiterungsbau und eigentliche Arbeitssitz von 1998 (Arch.: Gruber + Kleine-Kraneburg) saniert.
Damit das Team um den Präsidenten nicht auf der Straße stehen muss, gab es einen Wettbewerb für eine Interimslösung. Den gewannen 2021 Sauerbruch Hutton, die schon im Jahr zuvor den Wettbewerb für die Büros Luisenblock Deutscher Bundestag für sich entschieden hatten. Ihren Entwurf am städtebaulichen Übergang zwischen Spreebogen und dem Berliner Stadtteil Moabit – in Steinwurfweite vom Hauptbahnhof, vice versa Kanzleramt – kennzeichnet die mehrgeschossige Holzmodulbauweise.
Der abknickende Riegel bildet zur Spreeseite hin einen Vorplatz aus. In den Regelgeschossen sind Büros und Besprechungsräume als Holzmodule ringförmig um eine Mittelzone organisiert. Das Dachgeschoss wird als Holz-Elementbau mit frei geformten raumbildenden Rahmen errichtet. Der Sockel wurde – auch aus Sicherheitsgründen – in Stahlbeton ausgeführt. Die bunt eloxierten Fassadenelemente kontrastieren wunderbar mit der Betonwüstenfassade („Berta Berlin“, Barkow Leibinger) gegenüber und schließen, wenn man die richtige Perspektive hat – einen frühen Sauerbruch Hutton horizontal an: die benachbarte Feuer- und Polizeiwache mit ihren bunten, allerdings gläsernen Schindeln. Der frisch daherkommende Repräsentativbau bietet dank seiner Konstruktionsweise flexibles Handling; nach der Fertigstellung des eigentlichen Amtssitzes irgendwann und Auszug des gerade Einziehenden soll der Bau anderen Bundesbehörden Büroraum schenken. Mit Blick auf das stete Wachstum der Bundesstellen ist hoffentlich auch eine Aufstockung möglich!? Be. K.
