Bauen für die Macht, Zürich/CH
Noch bis zum 29. November 2026 kann, wer von uns in diesem Sommer nach Italien durchreist oder dem schönen Zürich seine Referenz erweisen will, den Pavillon Le Corbusier am Zürichsee in der Höschgasse 8 aufsuchen und sich ganz dem Verhältnis Architektur und Autorität widmen. Die vom Direktor des Museums für Gestaltung, Christian Brändle, kuratierte und inszenierte Ausstellung „Bauen für die Macht“ möchte sichtbar machen, wie vielschichtig und zugleich ambivalent dieses besondere Verhältnis ist. Dabei ist der, der hier für die Macht baut, kein geringerer als der Meister, Le Corbusier. Dass Brändle auch dem Vorwurf entgegentreten möchte, der Meister sei ein Nazi gewesen – so wurde in Zürich verhindert, einen Platz nach ihm zu benennen – erschließt sich nachvollziehbar in der Kontextualisierung.
Dass LC schon länger unter Verdacht steht, nicht zimperlich gewesen zu sein im Abwägen von Interesse zu Moral, dass er immer auf der Suche nach der „starken Hand“ war, die seine Großprojekte durchsetzen sollte, belegen insbesondere seine Visionen von Stadt – sehr anschaulich sein Plan Voisin für Paris –, die für ein reibungsloses, zentral gesteuertes Funktionieren gedacht waren. Anhand von Plänen, Bildern und Modellen beleuchtet die Schau Le Corbusiers Entwürfe der Zwischenkriegszeit, verortet sie in ihren politischen Kontexten und lädt dazu ein, diese Verflechtungen neu zu befragen. So unter anderem in der Gegenüberstellung u. a. zu Projekten von Antonio Sant’Elia (Città Nuova), Étienne-Louis Boullée (Revolutionsarchitektur) oder Hugh Ferriss (Stadt von morgen). Erst am Schluss der kleinen, gut gemachten Begleitpublikation wagen die Ausstellungsmacher noch den Blick in die Jetztzeit. Welche Projekte hier von welchen Architekten eine mächtige Rolle spielen? Die der Corporate-Architektur internationaler Unternehmen, von denen es in der Schweiz nicht wenige gibt. Anschauungsmaterial ist also in der Nachbarschaft reichlich vorhanden. Be. K.
