ANERKENNUNG
Neues Eingangsgebäude Freilichtmuseum Hagen

Schnoklake Betz Dömer Architekten Part GmbB, Münster

Das LWL Freilichtmuseum Hagen liegt tief in einem langgezogenen Tal, das von starker Topografie geprägt ist. Dem Leitgedanken von Inklusion und Nachhaltigkeit folgend, ist das Museum durch eine Wegebahn auch barrierefrei zugänglich. Am Eintritt in das Tal gelegen, bildet das kleine Eingangsgebäude den neuen Start- und Haltepunkt, von dem aus das Museum wandernd oder per Wegebahn erkundet werden kann. Die Eingangssitua­tion markieren zwei ineinander verschränkte Volumen, die sich mit gegenläufigen Pultdächern zum Parkplatz und zur Natur hin öffnen. Die Grenzen zwischen innen und außen sind dabei fließend. Das Gebäude ist in Holztafelbauweise errichtet, bei der Konstruktion und Fügung der Bauteile wurde auf die Möglichkeit geschlossener Rohstoffkreisläufe ebenso geachtet wie auf minimalinvasive Eingriffe in den Naturraum. Die ausgeglichene Energie­bilanz erreichen die Architekt:innen und Planer:innen durch den Einsatz von Geothermie und Photovoltaik. In einem iterativen Planungsprozess arbeitete das Planerteam an der stetigen Optimierung des Entwurfs und entwickelte die Ganzheitlichkeit kontinuierlich weiter. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Gesamtauswirkungen, welche die Entwurfsentscheidungen hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und gestalterischer Kriterien nach sich zogen. Auf diese Weise konnten Funk-tion, Nachhaltigkeitsaspekte, Raum und Gestalt gleichberechtig zur Deckung gebracht werden. Zur weiteren Optimierung wurde eine fortlaufende Analyse des Bilanzierungsrahmens Konstruktion und Betrieb nach DGNB Version 2018 Neubau durchgeführt. Um die über den Lebenszyklus anfallenden Emissionen zu minimieren, wurde ein besonderer Fokus auf die energetische Optimierung der Gebäudehülle sowie die Integration der nicht fossilen Energieträgern gelegt. KR

Bauherr LWL Bau- und Liegenschaftsbetrieb

Architektur Schnoklake Betz Dömer Architekten Part GmbB, Münster

Tragwerksplanung ahw Ingenieure, Münster

Weitere Beteiligte Rücker Consult, Arnsberg; PTG Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH, Marl

Die historischen Gebäude des westfälischen Landesmuseums für Handwerk und Technik in Hagen wurden durch zwei ineinander verschränkte, eingeschossige Eingangsgebäude ergänzt. Gegenläufige Pultdächer lagern auf glänzenden metallischen bzw. gläsernen Sockeln. Der Entwurf überzeugt durch eine sehr gute interdisziplinäre Durcharbeitung und nachhaltige Bauweise. Die auf den Klimawandel reagierenden kreislauffähigen Konstruktionsformen sind integraler Bestandteil des Gebäudekonzepts. Es wurde Holz als nachwachsender Baustoff im Gebäudeinneren und im Dach verwendet, die Nutzung von Geothermie sowie Photovoltaik zur Energiegewinnung umgesetzt, Dachüberstände als effektive Möglichkeit des sommerlichen Wärmeschutzes vorgesehen, Ausbildung von Klimazonen innerhalb des Gebäudes zur Verringerung des Energiebedarfs konzipiert, Eingriffe in die Natur schonend gestaltet und das Regenwasser direkt dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt. Die Bearbeitung erfolgte mithilfe interdisziplinärer Optimierungsmethoden, wie beispielsweise dynamischen Energiesimulationen, Lebenszyklusberechnungen und Vergleichsberechnungen des CO2-Footprints für verschiedene Geometrien und Materialien. Die Entwurfsverfasser:innen konnten somit den Referenzwert des Global-Warming-Potenzials um 30 % unterschreiten und eine DGNB-Platin-Bewertung erreichen.
Die Jury würdigt den Neubau des Eingangsgebäudes auf Grund seiner überzeugenden baukulturellen und technischen Qualität als sichtbares Ergebnis einer bespielhaften Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, ganz im Sinne des Balthasar Neumann Preises.« ⇥Jury-Statement
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