DAM Preis

Die Finalisten des DAM Preis 2024 stehen fest

Wie das Frankfurter Deutsche Architekturmuseum bekanntgab, stehen fünf Bauten in der letzten Runde zum DAM Preis 2024. Darunter auch das Gewinnnerprojekt des Deutschen Architekturpreises 2023

Seit 2007 werden mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2024 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum achten Mal in Zusammenarbeit mit derFirma JUNG als Kooperationspartner in einem gestaffelten Juryverfahren vergeben.


Der Architekturpreis des Deutschen Architekturmuseum DAM in Frankfurt a. M. zeichnet seit vielen Jahren Architekturen aus, die in Deutschland realisiert und für eine besondere Haltung, eine aktuelle Entwicklung stehen. Somit vollziehen Jury und Ausstellungshaus das nach, was im Augenblick dem aktuellen Diskurs folgt.

Noch ist der Preisträger, die Preisträgerin nicht gefunden, aus der Longlist wurde die Shortlist und nun stehten die fünf Finalistinnen fest. Sämtlich gute Bekannte, ein Projekt aus dieser Reihe ist bereits hochdekoriert durch den Deutschen Architekturpreis 2023.

Nun hat das DAM zur Finalistenliste nichts weiter geschrieben, die fünf ausgewählten werden über kurze Texte präsentiert. Wir präsentieren die Präsentation und sind gespannt, welches Projekt die Jury für stilbildend im umfassenden Sinne ausgewählt wird.

Die Finalisten des DAM Preis 2024 sind:

Finalist DAM Preis 2024
FLORIAN NAGLER ARCHITEKTEN
Dante II, München
Foto: Stefan Müller-Naumann

Finalist DAM Preis 2024
FLORIAN NAGLER ARCHITEKTEN
Dante II, München
Foto: Stefan Müller-Naumann

FLORIAN NAGLER ARCHITEKTEN
Dante II, München

Die Überbauung des Parkplatzes am Reinmarplatz – Dante II – ist das Nachfolgeprojekt der Parkplatzüberbauung am Dantebad von 2016. Mit dem Projekt sollte zügig weiterer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

Um so viele der vorhandenen Parkplätze wie möglich erhalten zu können, wurde zunächst eine Konstruktion aus Stahlbetonstützen und Unterzügen errichtet, worauf dann die eigentliche Wohnbebauung als Holzkonstruktion ruht. Das Haus berührt nur mit vier Treppenhäusern und den daran angelagerten Technik- und Abstellräumen den Grund. Geparkt wird sowohl im Hof als auch unter dem Haus. Die 144 Wohnungen werden von den Treppenhäusern über Laubengänge erschlossen. Vor jeweils drei Wohnungen ist der Laubengang zu einem kleinen Erker ausgeweitet, der als Treffpunkt und Freibereich für die Bewohner dient.

Außerdem gibt es eine großzügige Dachterrasse mit Spielflächen und Liegedecks. Die Stahlbeton-konstruktion wurde in einer Kombination aus Fertigteilen und Ortbeton hergestellt. Der Holzbau wurde mit hohem Vorfertigungsgrad errichtet, wobei Wand-, Decken- und Fassadenelemente bereits mit weitestgehend fertigen Oberflächen montiert wurden. Auch die vollständig installierten Bäder reduzierten die für die Montage des gesamten Gebäudes benötigte Zeit auf ein knappes Jahr. Die farbige Fassade ist so gegliedert, dass die Konstruktion und der Montageprozess noch ablesbar sind. Das Haus fügt sich so ganz selbstverständlich in die Umgebung mit ihren überwiegend farbigen Putzbauten.

Finalist DAM Preis 2024
GUSTAV DÜSING & MAX HACKE
Studierendenhaus der TU Braunschweig
Foto: Iwan Baan

Finalist DAM Preis 2024
GUSTAV DÜSING & MAX HACKE
Studierendenhaus der TU Braunschweig
Foto: Iwan Baan

GUSTAV DÜSING & MAX HACKE
Studierendenhaus der TU Braunschweig

Das Studierendenhaus der Technischen Universität Braunschweig ist ein innovatives, zweigeschossiges Campusgebäude, das für studentische Arbeitsplätze aller Fachrichtungen konzipiert wurde. Das Gebäude auf dem Zentralcampus ist direkt an der Oker gelegen und bildet einen neuen städtebaulichen Auftakt zur Hauptachse entlang von Audimax, Altgebäude und Forumsplatz und gliedert sich in die bestehenden Laufwege der Studierenden ein.

Ziel war es, einen für alle Studierenden zugänglichen multifunktionalen Raum zu schaffen, der als Ergänzung zu den bestehenden Campus-Typologien eine neue Art von zeitgemäßer Lernlandschaft bietet. Das Ergebnis ist ein offenes Raumkonzept, das vielfältige Aktivitäten unterstützt und eine flexible Umgebung für Gruppenarbeit, Seminare, Vorträge oder auch Entspannung bietet. Das Gebäude ist vollkommen hierarchiefrei gestaltet und fördert durch freie räumliche Organisation die zwischen-menschliche Kommunikation und interdisziplinäre Wissensgenerierung von Studierenden und Lehrenden gleichermaßen. Es versteht sich dabei als Gegenmodell zu Räumen der einseitigen Wissensvermittlung wie etwa Hörsälen.

Die innovative Stahl-Holzhybridkonstruktion ist komplett demontierbar und folgt dem Prinzip des »Design for Disassembly«. Das auf einem quadratischen (drei mal drei Meter) Achsmaß konzipierte Primärtragwerk, bestehend aus Trägern und Stützen, ist modular geplant und setzt sich aus dem immer gleichen zehn mal zehn Zentimetern Quadrathohlprofil zusammen.

Finalist DAM Preis 2024
INNAUER MATT ARCHITEKTEN
Kunstraum Kassel
Foto: Nicolas Wefers

Finalist DAM Preis 2024
INNAUER MATT ARCHITEKTEN
Kunstraum Kassel
Foto: Nicolas Wefers

INNAUER MATT ARCHITEKTEN
Kunstraum Kassel

Die neue Ausstellungshalle wurde in den Innenhof der denkmalgeschützten Kunsthochschule, ein Bau von Paul Friedrich Posenenske, gesetzt und greift damit auf einen Standort zurück, der bereits 1962 für eine mögliche Erweiterung vorgesehen war.

Die Halle mit rund 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll als studentisches »Ausstellungslabor« ebenso dienen wie zur Herstellung von großformatigen Kunstwerken. Sie kann zu allen Seiten gleichermaßen geöffnet werden, hat keine Rückseite und respektiert dadurch den Bestandsbau. Die dunkel gehaltene Fassadengestaltung setzt sich deutlich in Material und Farbe vom Gebäudebestand ab. Die überall sichtbare, vom Tragwerk klar gegliederte Gebäudestruktur ist hingegen ein deutlicher Bezug zum denkmalgeschützten Bestand. Der klare, stützenfreie Innenraum macht die gewünschten Nutzungsvarianten – von der ungeteilten Halle bis zum in zahlreiche einzelne Räume geteilten Arbeits- oder Ausstellungsbereich – möglich. Eine Besonderheit sind die im oberen Wandbereich angeordneten Lichtlinsen. Diese 864 eigens für das Projekt entwickelten gewölbten Glaselemente bringen umlaufend gleichmäßig diffuses Licht in den Innenraum.

Das Gebäude wurde als reiner Holzbau erstellt, der die heutigen energetischen und ökologischen Anforderungen insbesondere bezüglich Nachhaltigkeit erfüllt. Für die Stützen, Balken und Riegel kam Brettschichtholz zum Einsatz.

Finalist DAM Preis 2024
JUNE 14 & CHERMAYEFF
Baugruppe Kurfürstenstraße, Berlin
Foto: Laurian Ghinitoiu

Finalist DAM Preis 2024
JUNE 14 & CHERMAYEFF
Baugruppe Kurfürstenstraße, Berlin
Foto: Laurian Ghinitoiu

JUNE 14 & CHERMAYEFF
Baugruppe Kurfürstenstraße, Berlin

Die Struktur des Baugruppenhauses besteht aus sechs Türmen, die sich vertikal und horizontal überschneiden. Sie folgen jeweils versetzt den beiden nicht orthogonalen Straßenverläufen und verzahnen sich durch die entstehenden Vor- und Rücksprünge mit dem Stadtraum und dessen Akteuren. Jede Wohnung hat einen sehr hohen Raum und optional mehrere niedrigere Räume, die auch zwischen den Wohnungen gemeinsam genutzt werden können. Dieses einfache Prinzip ermöglicht unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten in Bezug auf Größe und räumliche Konfiguration.

Das Haus möchte neue Alternativen für unser Zusammenleben bieten und flexibel auf individuelle Bedürfnisse und Absprachen reagieren können, wobei die Architektur das Teilen nicht vorschreibt, sondern nur ermöglicht. Auch in den Wohnungen selbst sind die Bewohner herausgefordert, ihren Lebensstil selbst zu gestalten, da die Räume keine Nutzungen vorgeben und Privatheit auf differenzierte Weise angeboten wird. Das Haus verbindet sich nicht nur im Erdgeschoss mit der Stadt, die räumliche Verschränkung und Transparenz führen zu einer Auflösung und Verschmelzung von öffentlich und privat, von innen und außen, von Mitbewohner und Nachbar.

Die gemeinschaftlichen Gartenflächen im Hof und auf dem Dach wurden frei von den üblichen Infrastrukturen gehalten, um besonders qualitätsvolle Räume zu schaffen. Das Haus ist aus wenigen robusten Elementen gebaut, wobei besonders auf einen sparsamen Materialeinsatz und eine simple Konstruktion geachtet wurde.

Finalist DAM Preis 2024
NALBACH + NALBACH
Kantgaragenpalast, Berlin
Foto: Ken Schluchtmann

Finalist DAM Preis 2024
NALBACH + NALBACH
Kantgaragenpalast, Berlin
Foto: Ken Schluchtmann

NALBACH + NALBACH
Kantgaragenpalast, Berlin

Die Kantgarage gilt als Deutschlands bedeutendste Großgarage der Zwischenkriegsmoderne und als die älteste mit Doppelhelix in Europa. Das Treppenhaus im französischen Schloss Chambord war das Vorbild für die Doppelhelix-Betonwendelrampe, bei der sich der Gegenverkehr niemals begegnen konnte. Die Stellplatz-Boxen hatten abschließbare Falt-Drehtore der Firma Heinrichs.

Im Jahr 2013 drohte der Abriss der Hochgarage. Das denkmalpflegerische Grundkonzept für die Sanierung beruht auf dem möglichst umfangreichen Erhalt der Originalsubstanz. Auf den Rampen können heute als »Art Walk« wechselnde Ausstellungen präsentiert werden. Der Stahlbetonskelettbau mit einer Deckenstärke von nur elf Zentimetern ist mit Mauerwerk ausgefacht und im historischen Sinne konstruktiv ablesbar. Sämtliche tragende Elemente wurden mit zwei Zentimeter starkem Betonputz versehen. Die historische Befahrbarkeit aller Geschosse ist optisch durch die Glastürelemente am Ende der Rampen erlebbar. Das sanierte Gebäude ist von dem Gedanken durchwoben, die alten Funktionen ablesbar zu erhalten und dennoch neues Leben in einer neuen Funktion zu ermöglichen. Der alte Boden erinnert an die alte Fahrbahn, die gesamte Farbgebung innen und außen wurde gemäß dem Farbbefund wiederhergestellt.

Die Originalfassade an der Kantstraße wurde komplett ausgebaut, werkseitig restauriert und mit transluzentem historischen Drahtglas versehen. Das Filigrane der Profile der Einfachverglasung wurde vollkommen erhalten. Eine zweite gläserne Fassade im Inneren übernimmt dagegen die technischen Anforderungen aus der neuen Nutzung.

PREISVERLEIHUNG UND AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Die Finalisten werden mit der Veröffentlichung des Architekturführers Deutschland 2024 und mit allen nominierten Bauten in einer handlichen gedruckten Version vorgestellt. Das bei DOM publishers, Berlin, verlegte Buch ist nun erschienen.

Die Bekanntgabe des Preisträgers und Verleihung des DAM Preis 2024 sowie die Eröffnung der Ausstellung mit dem Preisträgerprojekt und allen Bauten der Shortlist finden am 26. Januar 2024 im Interimsquartier des Deutschen Architekturmuseums DAM OSTEND in Frankfurt am Main statt.

Zu diesem Anlass erscheint auch das Deutsche Architektur Jahrbuch 2024 mit ausführlichen Besprechungen der Bauten aus der Shortlist und des Preisträgers.


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