Gerhard-Schanz-Sportzentrum, Althengstett

Das in den 1970er-Jahren als Fertigteilhalle erstellte Sportzentrum mit dreiteilbarer Sporthalle, Schwimmhalle, Sauna und einer zugeordneten Gaststätte war in die Jahre gekommen. Das komplette Sportzentrum wurde damals über einem nicht ausgebauten, katakombengleichen Kellergeschoss erstellt. Die Schwimmhalle wurde vor einigen Jahren bereits saniert. Bei der Sporthalle war eine funktionale und energetische Ertüchtigung jedoch unwirtschaftlich. Die Gemeinde hat daraufhin 2014 ein europaweites Ausschreibungsverfahren durchgeführt, bei dem das Büro DREI ARCHITEKTEN den Auftrag erhalten hat.

Das neue Raumprogramm umfasste neben der neu zu erstellenden Dreifachsporthalle und den dazugehörigen Nebenräumen, einen Mehrzweckraum, eine Schülermensa sowie eine Schul‐ und Gemeindebibliothek mit neuen Lehrerarbeitsräume. Das bereits sanierte Hallenbad wurde um neue Umkleidebereiche erweitert. Das bestehende Dachtragwerk konnte aus statischen Gründen nicht erhalten werden, so dass bis auf das Hallenbad und die Geschossdecke über dem Kellergeschoss alles weitere abgebrochen werden musste.

Der Eingang mit Foyer, Umkleidebereiche und die Sporthalle wurden am gleichen Ort wiederaufgebaut. Wo zuvor die Gaststätte war, befindet sich heute die Mensa, anstelle der Saune gibt es heute den Mehrzweckraum, die Bibliothek und den Lehrerbereich. Das neue Foyer mit einem verglasten Aufenthaltsraum öffnet sich mit seiner raumhohen Verglasung und seinem weit auskragenden Vordach zum Vorplatz hin. Von hier werden die Sporthalle, das Hallenbad und die Mensa zentral erschlossen. Die neue Bibliothek und der zweigeschossige Mehrzweckraum liegen im Westen und sind über den ein Geschoss tiefer liegenden Schulhof erreichbar. Die beiden neuen Eingänge verknüpfen somit den Vorplatz mit dem tiefergelegenen Hof der Schule. Aufgrund der vorhandenen Unterkellerung konnte die Sporthalle mit einfachen Mitteln auf das Niveau des Schulhofs eingegraben werden, wodurch nun die Zuschauertribüne ebenen-gleich direkt über das Foyer erreicht wird. Die Besucher haben somit vom Foyer aus Einblick in die dreiseitig verglaste, helle Sporthalle. Das große, aus weiß lasiertem Holz konstruierte Pultdach der Sporthalle öffnet sich über den Nebenraumtrakt nach Süden und versorgt die Halle mit Tageslicht.

Der Mehrzweckraum ist so konzipiert, dass er neben der Sportnutzung durch Schule und Vereine auch für kulturelle Veranstaltungen der Schule genutzt werden kann. Die neue Schulmensa mit eigenem Küchenbereich und Nebenraum bietet Platz für 162 Schüler und Schülerinnen. Hier wurde mit einer weiß lasierten Holz‐Akustikdecke und den Holz‐Akustikwänden auf die hohen Anforderungen der Raumakustik reagiert. Die autarke Bibliothek mit eigenem Eingang wird über ihre raumhohen Fenster mit dem benachbarten Mehrzweckraum zusammengebunden. Die neue Kinder‐Lesenische wurde mit einem farbigen Einbauregal besonders gestaltet. Auch die Umkleidebereiche des Hallenbads konnten neu konzipiert werden, wodurch die dringend benötigte neue Lagerfläche für die Schwimmutensilien geschaffen wurde.

Die hochgedämmten Fassaden wurde mit einem bronzefarbenen Alu‐Trapezblech verkleidet. Die Farbe des Blechs ändert sich je nach Lichteinfall, von golden bis hin zu nahezu dunkelbraun, wodurch sich die ablesbaren Baukörper noch stärker differenzieren. Der verputze Baukörper des Bibliothekbaus mit seiner durchlaufenden, raumhohen Verglasung im Sockelbereich und den Bandfenstern des Lehrerbereichs lehnt sich in seiner Gestaltung an die bestehende, verputzte Westfassade des Hallenbads an Die kräftigen Farben der Bodenbeläge sind von einer Blumenwiese inspiriert. Das leuchtende Gün wird den Sportflächen zugeordnet, das markante Pink bleibt der Mensa vorbehalten. Beide Farben geben dem neuen Sportzentrum eine eigene, gewollte und unverwechselbare Identität.

Projektdaten

Bauvorhaben: Rückbau, Sanierung und Neubau des Gerhard‐Schanz‐Sportzentrum Althengstett

Bauherr: Gemeinde Althengstett

Architekten: DREI ARCHITEKTEN, Stuttgart, www.drei‐architekten.de

Projektleitung: Dipl. Ing. Harald Konsek

Mitarbeit: Zsuzsa Demeter, Andre Peric, Johannes Brückner

Bauleitung: reichert schulze architekten PartGmbB, Stuttgart, www.reichert-schulze.de

Freianlagen: g2‐Landschaftsarchitekten Gauder + Gehring PartGmbB, Stuttgart,

www.g2-landschaftsarchitekten.de

Tragwerksplanung: Bugenings Eisenbeis Ingenieure Gesellschaft Beratender Ingenieure mbH, Calw, www.bugenings.de

HLS‐ Planung/Elektroplanung: Schnepf Planungsgruppe Energietechnik GmbH & Co. KG, Nagold, www.pg-schnepf.de

Bauphysik: Ingenieurbüro für Bauphysik Horstmann & Berger Beratende Ingenieure PartGmbB, Altensteig, www.hb-bauphysik.de

Brandschutz: Sinfiro GmbH & Co. KG, Balingen, www.sinfiro.de

Bodengrundgutachter: BGU Büro für Geologie und Umweltfragen, Deckenpfronn, www.b-g-u.de

 

Planungsbeginn: Juni 2014

Bauantrag: Juni 2015

Abbrucharbeiten: ab Januar 2016

Baubeginn: April 2016

Fertigstellung: November 2017

Einweihung: 5. Mai 2018

 

Gebäudedaten

Bruttogeschossfläche: 3924 m²

Bruttorauminhalt: 23863 m³

Neugestaltung: Freiflächen 7500 m²

Nutzung: Sportzentrum mit Dreifeldsporthalle und Zuschauertribüne für 300 Personen, Umkleide‐ und Sanitärräume, Mensa für 160 Schüler, Gymnastikraum, Aufenthaltsraum Sportler, Mehrzweckraum, Lehrerarbeitsräume, Schul‐ und Gemeindebibliothek, neue Umkleide‐ und Sanitärräume für angegliederte Schwimmhalle (Bestand)

Besonderheiten: Teilrückbau bestehendes Sportzentrum unter Erhalt des sanierten Hallenbades und Teilen der Geschossdecke über dem Keller

Energiekonzept: Hochgedämmte Fassade, 3‐fach Isolierverglasung, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Fernwärmenutzung (Holzhackschnitzel), Dachschale aus vorgefertigten Holzkastenelementen mit integrierter Mineralfaser‐Wärmedämmung

Gesamtkosten: ca. 11,1 Mio. Euro inkl. Freianlagen und Parkplatz

Fördermittel: Schulbauförderung Land BW 1,45 Mio. Euro

Sportförderung: Land BW 600 000 Euro

Städtebauförderung (Freianlage): 600 000 Euro

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