Schinkel-Wettbewerb 2027 ausgelobt

"Mythos Alexanderplatz": Berlins Mitte neu denken

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) hat den Schinkel-Wettbewerb 2027 ausgelobt. Unter dem Titel „Mythos Alexanderplatz“ rückt einer der bekanntesten und zugleich widersprüchlichsten Orte Berlins in den Mittelpunkt. Junge Planerinnen und Planer sind eingeladen, neue Perspektiven für den Alexanderplatz und sein Umfeld als lebendigen, vielfältigen und zukunftsfähigen Stadtraum im Herzen der Hauptstadt zu entwickeln. Anmeldeschluss ist der 25. Januar 2027.

Ab sofort können junge Planerinnen und Planer sich für den AIV-Schinkel-Wettbewerb 2027 bewerben.
Abb.: AIV

Ab sofort können junge Planerinnen und Planer sich für den AIV-Schinkel-Wettbewerb 2027 bewerben.
Abb.: AIV
Kaum ein anderer Ort steht laut AIV so sehr für die Brüche und Umbrüche Berlins wie der Alexanderplatz. Weltstadtplatz der 1920er-Jahre, sozialistisches Stadtzentrum, Schauplatz der Demonstration vom 4. November 1989, Verkehrsknotenpunkt, Einkaufsstandort und Tourismusmagnet: Unterschiedliche politische Systeme und Vorstellungen von Stadt haben hier ihre Spuren hinterlassen. Bis heute treffen auf engem Raum verschiedene städtebauliche Zeitschichten, Nutzungsinteressen und Zukunftsvorstellungen aufeinander.

Genau hier setzt der AIV-Schinkel-Wettbewerb 2027 an. Gesucht wird eine positive und integrative Vision für den Alexanderplatz und sein bislang in Teilen vernachlässigtes Umfeld. Verkehr und kommerzielle Nutzungen sollen dabei um öffentliche, kulturelle und soziale Angebote ergänzt werden. Ziel ist ein lebendiges und gerechtes Quartier, das dem besonderen Nimbus des Alexanderplatzes ebenso gerecht wird wie den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen, die hier wohnen, arbeiten, umsteigen oder zu Besuch sind.

Der Planungsbereich umfasst den Alexanderplatz und seine angrenzenden Stadträume einschließlich der Alexanderstraße, Otto-Braun-Straße und Karl-Liebknecht-Straße. Auch die Verbindungen zu den angrenzenden Quartieren spielen eine wichtige Rolle. Für einzelne Fachsparten rücken zudem das Haus der Elektroindustrie und die Waisenbrücke in den Mittelpunkt.

Die Aufgabenstellungen verteilen sich auf sechs Fachsparten:

  • Architektur: Für das Haus der Elektroindustrie und die vorgelagerte Freifläche wird ein intelligenter Nutzungsmix gesucht. Kommerzielle, öffentliche, kulturelle und soziale Angebote sowie innovative Wohn- und Arbeitsformen sollen zusammengedacht und das bauliche Erbe der Ostmoderne mit den angrenzenden Quartieren verbunden werden.
  • Städtebau: Gefragt ist ein Leitbild, das den Alexanderplatz stärker mit seinem Umfeld vernetzt, Verkehrsflächen neu ordnet und kommerzielle mit gemeinwohlorientierten Nutzungen verbindet. Auch die Frage, wie der „Mythos Alexanderplatz“ im 21. Jahrhundert neu interpretiert werden kann, steht im Zentrum.
  • Landschaftsarchitektur: Gesucht wird ein zukunftsgerichtetes Freiraumkonzept mit höherer Aufenthaltsqualität, mehr Grün, weniger Versiegelung, besserem Mikroklima, nachhaltigem Regenwassermanagement und mehr Biodiversität.
  • Konstruktiver Ingenieurbau: Die historische Waisenbrücke soll als neue Fuß- und Radverbindung über die Spree gedacht werden. Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Urban Mining sollen dabei ebenso berücksichtigt werden wie eine hohe gestalterische und technische Qualität.
  • Mobilität und Verkehrsplanung: Ausgehend von einer Reduzierung der Flächen für den motorisierten Individualverkehr um rund 50 Prozent sollen neue Konzepte für einen nachhaltigen, inklusiven Mobilitätsraum entstehen. Der dadurch gewonnene Stadtraum soll für Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und soziale Teilhabe genutzt werden.
  • Freie Kunst: Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, sich mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Alexanderplatzes auseinanderzusetzen und insbesondere die Rolle des öffentlichen Raums und des Gemeinwohls zu thematisieren.

Interdisziplinäre Kooperationen sind ausdrücklich erwünscht. Neben den sechs klassischen Fachsparten können dabei auch Disziplinen wie Umwelt- und Materialwissenschaften, Soziologie, Geisteswissenschaften, Design, Innenarchitektur oder Informatik einbezogen werden.

Nachwuchswettbewerb mit Tradition

Der AIV-Schinkel-Wettbewerb ist ein offener Ideen- und Förderwettbewerb für Studierende und Absolvierende. Teilnahmeberechtigt sind junge Talente aus Städtebau, Landschaftsarchitektur, Architektur, Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung und verwandten Fachrichtungen sowie Künstlerinnen und Künstler und Studierende der Freien Kunst. Zum Abgabetermin dürfen die Teilnehmenden nicht älter als 35 Jahre sein. Beiträge können von bis zu vier Verfasserinnen und Verfassern gemeinsam erarbeitet werden.

Für Preisgelder stehen voraussichtlich bis zu 30.000 Euro zur Verfügung. Pro Fachsparte kann ein Schinkelpreis in Höhe von 3.000 Euro vergeben werden; hinzu kommen zahlreiche Sonderpreise.

Die Anmeldung läuft bis zum 25. Januar 2027, 23.59 Uhr über wettbewerbe aktuell. Am 24. Oktober um 11 Uhr bietet der AIV eine geführte Ortsbesichtigung an; Treffpunkt ist die Weltzeituhr am Alexanderplatz. Das Rückfragenkolloquium findet am 13. November um 17 Uhr online statt.

Alle Termine im Überblick

Ortsbesichtigung: 24. Oktober 2026, 11 Uhr Abgabefrist für Rückfragen: 2. November 2026 Rückfragenkolloquium: 13. November 2026, 17 Uhr Anmeldeschluss: 25. Januar 2027, 23.59 Uhr Abgabe der Wettbewerbsarbeiten: 8. Februar 2027, 16 Uhr Ausstellungseröffnung, Schinkel-Fest, Preisverleihung: 13. März 2027

Weitere Informationen: AIV-Website