JAM Gent/BE
Das JAM Hotel im belgischen Gent wurde 2025 in der ehemaligen Leopold-Kaserne am Rande des Citadel-Parks eröffnet. Für das verantwortliche Design- und Innenarchitekturbüro Lionel Jadot entwickelte sich dieses Projekt nach eigener Aussage genauso wie die meisten ihrer Projekte: nicht geradlinig, sondern durch Begegnungen, Materialien und Intuition. Nichts wurde übermäßig gestaltet, überinszeniert oder auf Hochglanz poliert. Stattdessen ging das Designteam an das denkmalgeschützte Gebäude so heran, wie es an einen Workshop herangehen würde: zuerst zuhören, dann handeln.
Und so wurde das Gebäude selbst zum Materiallager, die Designerinnen und Designer sprechen von einem Materialsteinbruch: „Wir haben das, was wir beim Abriss gefunden haben, für Treppen, Bars und Tresen wiederverwendet.“
Rotor-Regale kamen hinzu und übernahmen neue Funktionen. Betten wurden so gebaut, dass sie eher wie sich weiterentwickelnde Baugerüste wirken als wie fertige Objekte. Zusammen mit dem belgischen Designer Pierre-Emmanuel Vandeputte wurden die Stühle dem Aussehen alter Schulmöbel nachempfunden. Wichtig war es dem Büro, die „Narben“ des denkmalgeschützten Gebäudes und damit dessen Historie sichtbar zu lassen, weil sie Teil der Zeitachse seien. „Sehr wenig Farbe. Sehr wenig Verschleierung. Ehrlichkeit steht an erster Stelle“, so die Maxime.
Die Häuser der kleinen Hotelkette JAM in Brüssel, Lissabon, Porto und eben Gent stehen allesamt für Improvisation, Lärm, Freiheit und die Freude daran, nicht alles kontrollieren zu müssen. Bereits im Jahr zuvor (2024) hatten die Designerinnen und Designer von Lionel Jadot im JAM Hotel Lissabon mit diesen Ideen gespielt. Das Haus in Gent setzt nun diese Haltung fort. Das Hotel ist sehr durchlässig gestaltet, offen für die Stadt und für alle, die es geprägt haben. Es gebe keine Trennung zwischen der Arbeit, dem Gebäude und den Menschen, so das Innenarchitekturteam.
Hohe Decken, aufragende Bögen, Schichten alter Farbe – auch die relativ günstig zu mietenden Zimmer im JAM Gent für zwei bis sechs Personen bewahren die Vergangenheit und schaffen etwas Neues daraus. Sie wurden so gestaltet, dass es sich wie in einer Künstlerwerkstatt anfühlt: roh, ausdrucksstark und perfekt unperfekt.
Nutze, was schon da ist. Arbeite mit den Menschen um dich herum zusammen. Bleib innerhalb deines Radius. Halte Materialien im Umlauf. Lass den Prozess zeigen, was er kann. Das ist das Credo des belgischen Design- und Innenarchitekturbüros. Bei Lionel Jadot nennen sie es „Realistic Circle“.
Echte Zusammenarbeit erzeugt einen Schneeballeffekt, ist die Erfahrung der Designer und Architekten. Genau so wurde JAM Gent gebaut. Mehr als 40 Designerinnen, Macher und Künstlerinnen im Umkreis von 50 km haben an diesem Projekt mitgearbeitet und es geprägt.
Geleitet wurde das Hotelprojekt in Gent von Juliette Geeraert, Louise Michiels und dem Bürogründer Lionel Jadot.
