Totgesagt lebt länger

Längst sind sie totgesagt, doch der Grund für ihr Verscheiden möglicherweise ist zugleich auch der ihres tatsächlichen Fortbestehens: Die Digitalisierung schien die Technik der Veranschaulichung von Gebau­tem oder noch zu Bauendem bis ins Letzte ausgreizt zu haben. Reale Modelle wirkten hier hinterwäldlerisch, unzulänglich in jedem Falle. Doch das Verschwinden des Haptischen, der kleinen, meist kunstvoll gefertigten wie zugleich unschuldig erscheinenden Gebilde aus Gips, Holz, Kunststoff oder anderen Materialien führte schnell zur Sehnsucht nach dem Greifbaren, der Manifestation eines Ausdrucks, einer Idee.

Zeit also, sich ihrer einmal im Überblick anzunehmen. Der der großen Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt a. M. zur Seite gestellte Katalog macht das und geht beispielsweise zweifelhaften Provenienzen (Einsteinturm, aus der Sgl. des DAM) nach; thematisiert Maßstab und Macht oder Möglichkeiten einer angemessenen Präsentation. Im anschließenden Modellverzeichnis werden rund 100 Architekturmodelle aus dem 20. und 21. Jahrhundert ausführlich kommentiert und in ihrer Zeit verortet.

Die sowohl zeitlich wie thematisch breit gestreute Auswahl der Arbeiten ergibt einen brauchbaren Überblick über ein Medium in der Architektur, dem die Architekten noch immer höchste Aufmerksamkeit widmen, dessen kultureller Bedeutung bis zu dieser Arbeit allerdings noch kaum hinreichend Beachtung geschenkt wurde.

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