Textile Brandschutzlösungen

Bei Brandschutzkonzepten von großen Gebäuden wie Hotels ist der isolierende Brandschutz (Brandschutzziel EI) die wirksamste, aber auch anspruchsvollste Umsetzungsmöglichkeit. Textile Brandschutzlösungen erfüllen das Schutzziel EI. Bei geeignetem Aufbau kann eine Schutzdauer von EI60 erreicht werden.

Ein Brandfall in einem Hotel ist besonders heikel, da hier nicht nur Sachwerte in Gefahr sind, sondern in erster Linie eine große Anzahl von Menschenleben. Hinzu kommt, dass der Hotelbetrieb nicht unerhebliche Brandrisiken beinhaltet, z. B. durch Gefahren im Küchenablauf, aber auch durch den Hotelgast selbst. Viele mitgebrachte elektronische Kleingeräte, die in den Zimmern aufgeladen werden, erhöhen die Brandgefahr deutlich. Zudem ist es insbesondere für historische Häuser nicht einfach, geforderte Brandschutzkonzepte baulich angemessen umzusetzen.

Ein gut durchdachtes Brandschutzkonzept ist jedoch das A und O für die Sicherheit in Hotels. Dazu gehören sowohl bauliche als auch anlagentechnische und organisatorische Brandschutzmaßnahmen, die alle dem passiven Brandschutz zuzuordnen sind. Passiver Brandschutz hat vorbeugenden Charakter, während sich der aktive Brandschutz auf das Erkennen und Löschen eines Brands bezieht.

Zu den organisatorischen Maßnahmen zählen die Ausarbeitung von Brandschutzplänen, die Ausweisung von Rettungs- und Fluchtwegen, um den ortsunkundigen Gästen eine schnelle Orientierung zu ermöglichen, und auch die Unterweisung der MitarbeiterInnen. Unter anlagentechnischen Gesichtspunkten müssen geeignete funktionssichere Alarmsysteme, Heizungsanlagen usw. ausgewählt werden. Entscheidend ist darüber hinaus der bauliche Brandschutz (durch Verwendung feuerhemmender Baustoffe, bauliche Trennungen, Gestaltung von Feuerschutztüren), bei dem isolierende Brandschutzlösungen die Königs­­disziplin darstellen.

Brandschutzziele E, EW und EI

Es gibt drei zentrale Brandschutzziele, die sich wie folgt definieren: Das Schutzziel E bedeutet Raumabschluss, sodass ein Feuer nicht von Raum A auf Raum B übergreifen kann. Beim Schutzziel EW (Strahlungsminderung) darf auf die kalte Raum­seite nur eine bestimmte Strahlungsenergie ab­gegeben werden (15 kW/m² in 1 m Abstand). Beim Brandschutzziel EI geht es um Isolation, d. h. die Oberfläche der Kaltseite darf nur eine maximale Temperaturerhöhung von 140 K aufweisen. Die begleitende Zahl gibt an, nach Ablauf welcher Zeit die Vorgabe überschritten wurde, z. B. EI30 = 30 Minuten, EI60 = 60 Minuten, EI120 = 120 Minuten.

In großen Gebäuden ist es brandschutztechnisch geboten, durch verschiedene Maßnahmen bauliche Trennungen vorzunehmen, um so einzelne Sektoren im Brandfall voneinander abzugrenzen. Eine Möglichkeit zur Separierung in Hotels sind Feuer- und Rauchschutztüren. Um größere Einheiten, wie beispielsweise das Hotelfoyer, abzuschirmen, bieten sich auch textile Brandschutzvorhänge an.

Brandschutzvorhänge

Ein Brandschutzvorhang, der den Empfehlungen von Frenzelit, einem Spezialisten für Dichtungen, Technische Textilien und hochtemperaturbeständige Isolationen entspricht, ist ein Mehrlagenaufbau aus einer Kombination spezieller Gewebe, Beschichtungen und Nadelvliese. Hierbei wird von einem Deckmodul, das größtenteils der Optik dient, und dem Funktionsmodul, das maßgebend für die Isolationseigenschaften ist, gesprochen. Bei dem symmetrischen Aufbau befinden sich außen je ein Deckmodul und in der Mitte zwei Funktionsmodule. Die Deckmodule sind Gewebe­lagen, die einseitig mit einer Alufolie kaschiert werden. Das Herzstück ist das Funktionsmodul. Es besteht aus einem Verbund von einem einseitig beschichteten und stahlverstärkten Gewebe, das zusätzlich mit einer Al-Folie kaschiert wird, und einem speziell entwickelten Nadelvlies. Dieses Gewebe ist mit einer intumeszierenden Beschichtung versehen, die auf Blähgraphit aufgebaut ist. Bei einer Umgebungstemperatur von mehr als 160°C beginnt die Beschichtung des Funktionsmoduls sich aufzublähen, von einer ursprünglichen Dicke von ca. 1,6 mm auf ca. 40 mm. Frenzelit setzt auf ein relativ dünnes, textiles Material, das sich auf einer Wickelwelle platzsparend aufwickeln lässt und sich im Brandfall dann aufbläht und so die Abschirmung ermöglicht. Die Dicke des Gesamtaufbaus des Vorhangs beträgt ca. 2 cm und die aufgeblähte Version im Brandfall insgesamt 10 bis 10,5 cm.

„Bei der Entwicklung dieser Blähgraphitschicht haben wir großen Wert darauf gelegt, dass ein kompakter, stabiler Schaum entsteht, sodass keine einzelnen Graphitpartikel herumschweben können, die eigentlich bei Erwärmung den Halt zueinander verlieren. Die Bildung eines Schaums verhindert dies“, erläutert Peter Jahn, Entwicklungsingenieur bei Frenzelit. „Zudem mussten wir eine gewisse Blähhöhe erreichen, um die nötige Isolationswirkung zu gewährleisten.“ Der Kunde erhält den Gewebeverbund isoGLAS® FTI als Rollenware. Konfektionierung und Herstellung des eigentlichen Feuerschutzvorhangs inklusive dem passenden Aufbau liegen dabei in seiner Hand.

Brandschutzkonzepte mit einem Schutzziel EI für isolierenden Brandschutz werden immer gefragter. So kann z. B. auch der Platz direkt vor dem textilen Rolltor genutzt werden. Bei Brandschutzkonzepten, die nicht das Schutzziel EI haben, sind brandlastfreie Zonen vorgeschrieben, da diese keine isolierende Wirkung besitzen und es dadurch zu einer Selbstentzündung von brennbaren Gegenständen auf der Kaltseite kommen kann. Jedoch ist ungenutzter Raum teuer.

Ästhetik erhalten

Textile Feuerschutzvorhänge eignen sich sehr gut für den Einsatz in Hotels, um größere Bereiche, einzelne Trakte, den Speisesaal oder Eingangsbereich im Brandfall abzuschirmen. Das Material ist extrem dünn und leicht, dadurch sehr flexibel und nimmt nur geringen Platz ein. Es lässt sich als dezente Textillösung in Rolltechnik realisieren, z. B. als fast unsichtbare Installation in abgehängten Decken. So stört der vorgeschriebene Brandschutz nicht die visuelle Raumwirkung, im Gegensatz zu sperrigen Metalltorvarianten. Die textile Variante eignet sich zudem auch für Aufzugbereiche, die so isoliert werden können, dass das Feuer sich nicht ungehindert durch den Aufzugschacht ausbreiten kann.

Nachrüstung im Bestand

Textile Brandschutzvarianten bieten sich für Nachrüstungen in Bestandsgebäuden an, wenn Brandschutzkonzepte nachträglich angepasst werden müssen, was z. B. bei historischen Hotelgebäuden häufiger der Fall ist. Platzsparende, flexible Textil-lösungen lassen sich nachträglich einfacher realisieren als z. B. schwere, sperrige Stahlvarianten.

Weitere Funktionsweisen

Eine ergänzende Funktionsmöglichkeit des Brandschutzmaterials ist beispielsweise der Schutz von elektrischen Kabeln in größeren Gebäuden, die normalerweise in Halterungen an Wänden und Decken angebracht sind. Geschützt mit dem Brandschutzmaterial könnte Kabeln eine längere Funktionszeit ermöglicht werden, bis ein Brand gelöscht wird – z. B. um Lüftungsanlagen entsprechend länger zu betreiben.

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