Sorgfältig, professionell

„Team 10 online. Forever under construction“ so kann man auf einer Homepage im Internet lesen. „Forever under construction“, was auf der einen Seite der Horror jedes Website-Providers und jedes Internetseglers ist, der auf fundierte, als richtig und damit abgeschlossen erklärte Inhalte hofft, ist auf der anderen Seite die schlichte Ansage, an dieser Stelle immer weiterzuarbeiten, weil es immer etwas zu (über)arbeiten gibt. Eher Traum also denn Horror.

„Team 10“ oder „Team ten“ oder am vieldeutigst geheimnisvollsten „Team X“ war und ist der Denkname einer jungen Architektenavantgarde, die in den späten fünfziger Jahren das CIAM-Erbe übernahm. Ob – wie bis heute vielfach verklärend – in einer Art von Hausrevolte oder, wie man jetzt besser weiß, als Erledigung einer von den Altvorderen gestellten Hausaufgabe, in jedem Falle haben die ArchitektInnen des „Team 10“ insbesondere den internationalen Städtebau bis heute geprägt; nachhaltiger vielleicht gar, als die in der CIAM versammelten Architekten- und Theoretikergrößen.

Zum Team, die den 10. und offiziell letzten CIAM-Kongress im niederländischen Otterlo vorzubereiten hatten, gehörten mit anderen die Smithsons, Aldo van Eyck, Jaap Bakema, Giancarlo de Carlo, Georges Candilis und Shadrach Woods als so genannter harter Kern, irgendwann in den Sechzigern stieß auch Oswalt Mathias Ungers dazu; lange war er nicht dabei.

Geschichte, Einzelpersönlichkeiten, aber vor allem auch gebaute wie geplante Architektur stehen im Zentrum der aktuell vorliegenden Monografie, deren Untertitel den damaligen Zeitgeist zu fassen versucht, der allerdings wenig über Vorstellungen des Utopischen heute verbreitet. In der sorgfältig und höchst professionell gemachten querformatigen Publikation werden die unterschiedlichsten Treffen der Gruppe dokumentiert, werden Projekte in ihrer extrem grafischen Darstellungs- und Rezeptionsweise auf großflächigen Ausklappern gezeigt, gehen verschiedenste AutorInnen verschiedensten inhaltlichen, persönlichen, editorischen oder anderen relevanten Aspekten in knapp formu­lierten Texten nach, jeder für sich eine lohnende Lesezeit.

Wunderbar auch die Interviews mit den Protagonisten, die naturgemäß schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben; von den oben genannten lebt keiner mehr. Sehr hilfreich das gut gefüllte Literaturverzeichnis, das dankenswerterweise die Titel listet, welche auf das Konto der Team 10-Mitglieder gehen. Ein Register schließt den texttiefen wie abbildreichen Band ab, der mit dem im gleichen Verlag 2007 erschienenen Band zu Cornelis van Eesteren und CIAM die lange offen stehende Lücke zu diesem zentralen Architekturmotiv der Moderne schließen hilft.


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