Sinnlicher Genuss

Nun war das wunderbare Buch schon im letzten Jahr verfügbar, doch das Impressum beharrt auf der 2012. Damit startet dieses neue Jahr mit einer Publikation zu einem ganz besonderen Kapitel europäischer Architekturgeschichte. Und, ich wollte es nicht behaupten, hoffen aber, die Brüder Martin und Werner Feiersinger hatten sich meinen Wunsch zu Herzen genommen, mit welchem ich meine Rezension einer ersten kleinen wie vielbeachteten Publikation aus dem Jahre 2008 am Ende bedachte: „Ob es noch mehr solcher architektonischer Fundstücke im Zettelkasten gibt? Wenn ja: her damit!“ (zu: Feiersinger, Detour).

Hier sind sie also, die Ergebnis einer andauernden Recherche und jahrelangen Exkursionen des Architekten Martin und des Künstlers Werner (Fotos). Etwa 90 Bauten Nachkriegsarchitektur im oberitalienischen Raum, sämtlich sehr eigenwillig, meist von außen fotografiert, textlich knapp vorgestellt, mit eigens gezeichneten Grundrissen. Fremd, gänzlich aus der Zeit gefallen und vom kongenialen Text Otto Kapfingers um ein Weiteres ins scheinbar Abstrakte aber sehr Reale gehoben, blättert man, so begleitet und also mit größtem sinnlichen Genuss, ein längst vergessenes Kapitel italienischer Architekturgeschichte auf. „Mehr davon“ darf ich gar nicht schreiben, es hieße schlicht, unverschämt gierig zu sein. Be. K.

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