Sanierung von Bodenflächen
Auf die Unterkonstruktion kommt es an

Bei der Sanierung von Gebäuden kommt dem Boden eine wichtige Rolle zu. Er bildet die Basis für die weiteren Ausbaugewerke – kommt es hier zu Fehlplanungen, ist schnell der gesamte Bauablauf in Mitleidenschaft gezogen. Moderne Systemlösungen sowie der Einsatz von Maschinentechnik können in solchen Situationen für Sicherheit sorgen, vor allem wenn es sich um zeitkritische Umbau­maßnahmen handelt. Wichtig ist es auch, sich so frühzeitig wie möglich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen, indem z. B. Teilflächen des alten Fußbodens geöffnet und analysiert werden. Denn was sich darunter befindet, ist bei vielen Bestandsbauten eine Unbekannte. So können Aufbau und Zustand der Un­terkonstruktionen von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Ebenso variieren die erfor­derlichen Maßnahmen sowie der damit verbundene Zeitaufwand. Dabei reichen die Anwendungssituationen von einer reinen Spachtelung der ansonsten intakten Unterkonstruktion bis hin zur vollständigen Erneuerung des Bodens.

Neuer Bodenaufbau

Heutzutage basiert nahezu jede Bodenkonstruktion im Wohnungsbau auf einem Estrich. Das Material dient als Untergrund für verschiedenste Beläge und wirkt lastverteilend. Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen zeigt sich oftmals, dass der alte Estrich komplett marode ist. In solchen Fällen wird meist die gesamte Konstruktion bis zur Rohdecke abgetragen und durch einen schwimmenden Bodenaufbau mit Wärme- und Trittschalldämmung ersetzt, wie er im Neubau die Regel ist. Bestehende bzw. neu verlegte Rohre und Leitungen auf dem Rohboden können dabei mit Hilfe eines Leichtausgleichs in Form einer gebundenen Schüttung integriert werden. Darauf werden die Dämmschichten zur Wärme- bzw. Trittschalldämmung, sowie der neue Estrich eingebaut. Die Schichtdicken von Dämmung und Estrich ergeben sich aus den objektspezifischen Anforderungen, den Kennwerten der eingesetzten Materialien und der maximal möglichen Gesamtaufbauhöhe.

Sollte kein Schall- und Wärmeschutz gefordert sein,  lässt sich der Estrich auch auf Trennlage ausführen. Die Gleitschicht, üblicherweise eine PE-Folie, ermöglicht bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen eine ungehinderte Bewegung der Estrichplatte. Zudem muss die Entkopplung von den umschließen­den Wänden durch einen Randstreifen gewährleistet sein. Treten indes hohe dynamische Lasten auf – zum Beispiel in Werkstätten, Garagen oder in der Industrie – sollte der Estrich im Verbund ausgeführt werden.

Die Zusammensetzung und Anwendungsbereiche verschiedener Estricharten sind in den Normen DIN EN 13318 und DIN 18560 detailliert beschrieben. Am häufigsten werden Estriche auf der Basis von Zementmörtel eingebaut. Sie zeichnen sich durch hohe Wirtschaftlichkeit und universelle Einsatzmöglichkeiten aus, sind feuchteunempfindlich und tragfähig. Immer öfter kommen schwind- und spannungsarme Calciumsulfatestriche zum Einsatz, die sich aufgrund ihrer geringen Verformungsneigung sowie der besonders hohen Wärmeleitfähigkeit insbesondere als Fließ­estriche für Fußbodenheizungen eignen. Allerdings lassen sich diese Standardestriche  auf Zement- oder Calciumsulfatbasis in der Regel frühestens nach 20 bis 30 Tagen belegen. Aus diesem Grund setzen sich auf Terminbaustellen und bei Renovierungen zunehmend moderne Schnellestrichsysteme durch. Diese sind bereits ab einem Tag nach Einbau belegreif und dabei ebenso flexibel in der Anwendung wie herkömmliche Estriche.

Altkonstruktionen als Basis

Beim Öffnen eines alten Bodens können verschiedene Untergrundmaterialien zum Vorschein kommen, wie zum Beispiel Holzböden, Steinholzestriche, Beton und Fliesen. Häufig lässt sich zu diesen Mischuntergründen kein sicherer Haftverbund herstellen. Jedoch sind sie oft so stabil, dass die Basiskonstruktion erhalten bleiben kann. Die effizienteste Form der Sanierung ist hier ein moderner Hochleistungsdünnestrich auf Trennlage, der in einer gleichmäßigen Stärke von 20 mm aufgebracht wird. Bei Einbau einer zusätzlichen Dämmung sollte die Schichtdicke mindestens 25 mm betragen. Ein großer Vorteil sind die Trocknungszeiten: Der Dünnestrich kann nach einem Tag mit Fliesen, nach drei Tagen mit elastischen und textilen Belägen sowie nach sieben Tagen mit Parkett oder Laminat belegt werden. Allerdings sind Dünn-estriche nicht in der DIN 18560 geregelt. Der Einsatz einer solchen Lösung muss daher gemeinsam mit dem Produkthersteller geplant und dem Bauherrn vorab angezeigt werden.

Altuntergründe sind in der Regel nicht eben. Daher ist es erforderlich, den Untergrund mit einer zement- oder calciumsulfatgebundenen Ausgleichsmasse zu nivellieren. Das Material bietet sich ebenfalls an, wenn man einen homogenen Estrich- oder Beton-untergrund in tragfähigem Zustand vorfindet und für einen neuen Oberbelag vorbereiten möchte. Moderne Ausgleichsmassen zeichnen sich durch eine hohe Flexibilität aus und können in derselben Fläche auch in unterschiedlichen Schichtdicken eingebaut werden. Dabei können Höhendifferenzen von ­1 bis 50 mm ausgeglichen werden. Bei Glattbelägen wie PVC oder Linoleum kann eine zusätzliche Spachtelung auf der Ausgleichsmasse erforderlich werden.

Zu guter Letzt gibt es natürlich die Möglichkeit, dass die alte Untergrundkonstruktion intakt und überwiegend eben ist. In solchen Fällen muss lediglich eine glatte Fläche mittels Spachtelmasse hergestellt werden, damit eine gleichmäßige Haft- und Saugfähigkeit zur Aufnahme des Klebstoffs und des neuen Bodenbelags sichergestellt ist. Spachtelmassen können sowohl auf Beton und Altestrich als auch auf Holzböden eingesetzt werden. Die Schichtdicke beträgt in der Regel 2 bis 3 mm. Die Belegreife ist nach etwa 24 Stunden gegeben. Manche neuen Hightech-Produkte sind sogar schon nach rund einer Stunde belegbar. Daneben eignen sich eigens für diesen Anwendungszweck konzipierte und besonders leistungsfähige Spachtelmassen direkt als Endbelag für industrielle Anwendun­gen. Zudem stehen eingefärbte Sichtspachtelmassen für eine besonders individuelle und designorientierte Gestaltung zur Verfügung, wie sie  Beispiel in Shops oder Museen.

Trittschalldämmung und Heizung nachrüsten

Hinsichtlich des Trittschallschutzes sind die Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wie zahlreiche Gerichtsurteile zeigen, bieten die in der Schallschutznorm DIN 4109 genannten Werte weder Rechtssicherheit noch entsprechen sie den Komfortansprüchen der Bewohner. Daher muss bei der Sanierung von Wohnobjekten auf diesen Aspekt stets besonders geachtet werden. Die größte Herausforderung sind dabei geringe Raumhöhen sowie beschränkt tragfähige Beton- oder Holzbalkendecken, die genormte Estrichkonstruktionen mit einer erforderlichen Systemhöhe von 55 mm sowie entsprechendem Gewicht kategorisch ausschließen. Deshalb gibt es inzwischen spezielle Trittschalldämmsysteme für den Sanierungsbereich. Die Basis bilden kombinierte Trittschall- und Trennlagenbahnen aus Glas­faser, die lediglich 3 mm dick sind. Auf diese Dämmschicht wird ein moderner Dünnestrich von mindestens 25 mm aufgebracht. So erreicht man bereits ab einer Gesamtaufbauhöhe von nur 28 mm eine Trittschallverbesserung von 17 db. Zugleich profitiert man von den besonders kurzen Trocknungszeiten.

Auch bei der nachträglichen Integration einer Fußbodenheizung sind schlankere Systemlösungen gefragt. Denn auch hier steht für die Regelkonstruktionen meist keine ausreichende Raumhöhe zur Verfügung. So werden neuartige Heizsysteme für die Sanierung direkt auf den  ausgeglichenen Untergrund aufgeklebt. Die 12 mm hohen Folienelemente nehmen die Heizrohre auf. Den Abschluss bildet ein calciumsulfatgebundener Dünnestrich mit 10 mm Rohrüberdeckung. Dank des sehr guten Fließverhaltens solcher Produkte werden die Systemelemente gut und  gleichmäßig umschlossen. Bereits nach sechs Stunden kann der Estrich erstmals aufgeheizt werden. Darüber hinaus führt die geringe Gesamthöhe des Systems von nur 22 mm zu kurzen Reaktionszeiten und einer merklichen Energieersparnis. Wird unter dem Heizsystem eine trittfeste Dämmung verlegt, erhöht sich die erforderliche Rohrüberdeckung des Dünnestrichs auf 20 mm.

Zeitgewinn durch Maschinentechnik

Wie bereits erläutert, haben Produkte mit kurzen Trocknungszeiten in den vergangenen Jahren zu einer besseren Planbarkeit und deutlichen Beschleunigung von Bodenarbeiten geführt. Zu einer weiteren Bauzeitverkürzung tragen die „schnellen“ Bodenmaterialien in Kombination mit moderner Maschinentechnik bei, die inzwischen sowohl für größere als auch kleinere Bauprojekte angeboten wird.

Fazit: Schnellen Produkten gehört die Zukunft

Mit Blick auf die termingerechte Abwicklung von Bodenarbeiten ist eine vorausschauende Planung das A und O. Bei entsprechender Vorlaufphase leisten die seit Jahren bewähr­ten Vorgehensweisen und Systeme zuverlässige Endergebnisse. Für ein Mehr an Sicherheit sorgen moderne Systemlösungen mit kurzen Trocknungszeiten, insbesondere wenn diese in Kombination mit der entsprechenden Maschinentechnik verwendet werden. Da der Zeitfaktor gerade bei Sanierungsarbeiten heutzutage immer wichtiger wird, werden diese Produkte in Zukunft sicherlich verstärkt zum Einsatz kommen. Bei Beratungsbedarf bieten viele Systemhersteller Unterstützung durch Handbücher, Technische Hotlines oder spezielle Architektenberater.

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