Reiseliteratur

Citámbulos, Stadtspaziergänge nennt sich die bilderreiche Publikation zu einer, vielleicht zu der Megapolis unserer Welt: Mexico City. Die alte wie zugleich zeitgenössischste Metropole bietet 20 Millionen Menschen mehr oder weniger oder kaum Platz zum Leben, manche betrachten sie als Plage, manche als ihre Heimat, die anderen gerne auch als Labor, in welchem soziografische, psychologische oder städtebauliche Beobachtungen gemacht werden können wie sonst in kaum einer anderen Stadt dieser Welt. Wie etwa sich eine solche Megasiedlung anfühlt, von der sich niemand eine Vorstellung machen kann, der nicht dort gewesen ist, zeigt in verschiedenen Annäherungen dieses Buch. Immer nur in Ausrissen, knappesten textlichen wie bildlichen Kapiteln eines längst noch nicht beendeten Romans. Einblicke ins Private, Überblicke (aus der Luft) ins Gebaute, Einblicke in Traditionen, die belasten oder auch befreien, in Kommunikation und Abgrenzung, Blicke in vom Verkehr dominierte Straßen oder von Ruhesuchenden in den Parks. Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Kultur. Ob das reicht, die Stadt zu erklären? Ob das reicht, Dimensionen zu ahnen? Die Dreisprachigkeit der Arbeit reduziert den Textumfang erheblich, hier hätte man sich – auch gerade angesichts der vielen vielen interesseweckenden Abbildungen – mehr gewünscht. Mehr für ein annähernd Gesamtporträt der Megalopole Mexico City.

Und gerade vor dem Hintergrund der Herausgeberschaft (Herrhausen Gesellschaft Deutsche Bank), die diese Arbeit als Teil einer Netzwerkarbeit zwischen Mexiko City und Berlin apostrophiert, verwundert das Fehlen von eben Querverweisen, oder schlicht Verweisen in die Sekundärliteratur, zumindest noch ins World Wide Web. Damit bleibt dieses Porträt, obschon bunt, aufregend, schön und erhellend anzusehen, eine am Ende leblose Sache, die man vielleicht am ehesten in den Abteilungen Reiseliteratur der Bücherhäuser vermutet, nicht aber in den Arbeitsräumen einer weltweit agierenden (regierenden?) Bank.

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