Ratespiel und Reise

Sou Fujimoto ist ein bescheidener, extrem freundlicher und verbindlich handelnder Mann, und man fragt sich, warum er erst jetzt die internationale Aufmerksamkeit erfährt, die seinem doch schon umfangreichen Werk angemessen wäre. Nun werden gleich – in Europa wie in Japan – Bücher vorgestellt, Ausstellungen eröffnet, die einen Blick auf das Arbeiten Fujimotos und seines Teams erlauben. Staunen möchte man über das Selbstverständliche, mit dem der Architekt seine Haltung erläutert, staunen, wenn man sieht, zu welchen bodennahen Höhenflügen das führen kann.

Jetzt kommt ein Faksimile aus Zürich auf unsere Tische, eine Kopie eines seiner (aktuellsten?) Skizzenbücher. Die hier versammelten und weil ursprünglich kaum auf Veröffentlichung zielenden und damit authentischen Kritzeleien mit feinem, rotem Stift, ziehen die Blicke von dieser auf jene Seite, vor und zurück. Das kann ein Ratespiel sein (was zeichnet der Mann hier eigentlich), das kann – bei näherer Beschäftigung mit der Arbeit – zum besseren Verstehen davon führen, warum das selbstverständlich Einfache immer noch das Beste zu sein scheint. Und wem das Rätselraten oder freie visuelle Vagabundieren zu wenig oder zu viel ist, der kann die Zeichnungen über den abschließenden Seitenkommentar besser verstehen.

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