Organisch geformt
Bürogebäude mit DGNB-Gütesiegel

Das Bürogebäude in Heidenau wurde von Gerd Priebe Architects & Consultants aus Dresden als elegant geschwungener Baukörper in den städtebaulichen Kontext eingefügt.

Zur Ausformulierung effektiver Büro- und Arbeitsbereiche wurde die strikte Trennung zwischen Nutz- und Verkehrsfläche aufgehoben, um die flächeneffiziente und nahezu stützenfreie Architektur fließend zu gestalten. Interne Betriebsprozesse spiegeln sich im Gebäude durch optimierte Arbeitsplatzcockpits, kurze Wege und gute Sichtbezüge wieder. Schließlich ermöglichte die ökonomische Gestaltung der Büroeinheiten eine großzügige Ausformulierung der öffentlichen Bereiche. Glas, Stahl und Beton sind die bestimmenden Baumaterialien und bilden einen homogenen Baukörper.

Die komplex erscheinende Gebäudegeometrie gewährleistet trotz der geringen Wandstärken eine hohe Steifigkeit der Primärkonstruktion. So entstand eine schlanke und „leichte“ und damit Ressourcen schonende Konstruktion. Industriell mit vier verschiedenen Radien vorgefertigte EPS Hartschaumplatten wurden durch formgebendes Schleifen an die Fassadenkrümmungen angepasst. Die Dämmstärke mit Putzauftrag beträgt durchgängig 120mmm. Trotz ungünstiger Ug-Werte des hohen Glasflächenanteils von 56,85 % und reduzierter Fassadendämmstärken des WDVS-Systems konnten die von der EnEV 2007 geforderten Werte noch unterschritten werden. Im Kontrast zur feinen und weißen Putzoberfläche schimmern die konvex und konkav gebogenen Gläser der Fassade in einem dezenten Grün. Die Wärmeschutzgläser aus Mehrscheibenisolierglas (thermisch vorgespannt, pyrolytisch beschichtet, PVB Folie, Argonfüllung 90 %) mit außen liegendem Sonnenschutz sind in vertikaler Richtung fugenlos verklebt und horizontal mit einer Abdeckleiste versehen.

Das erhöhte Flachdach bildet als Synthese zur geschwungenen Gebäudeform eine Hügellandschaft aus bis zu 120 cm starken und geklebten Wärmedämmplatten. Als Dachhaut wurde eine weiße Dachfolie verwendet, die den monolithischen Charakter des Gebäudes unterstreicht. Das so genannte Cool-Roof verhindert durch seinen hohen Reflexionsgrad das Aufheizen des Gebäudes und des Stadtraumes.

Die stützenfreien Räume werden durch ein flexibles Flächenheiz- und Kühlsystem (FHKS) als Vier-Leiter-System klimatisiert. Dabei wird im Winter der Wärmeeintrag durch passive Solarenergie genutzt. Punktuelle Raumtemperaturschwankungen werden durch Kapillarrohrmatten im Wand- und Deckenbereich vermieden und erzeugen ein konstantes und komfortables Raumklima. Ein modernes Gebäudeleittechniksystem steuert effizient alle technischen Prozesse.

Von Anfang an fanden Aspekte der Nachhaltigkeit in dem integralen Planungsprozess Berücksichtigung. Schon in der Entwurfsphase arbeitete GPAC als Generalplaner mit Spezialisten aus den Bereichen Bauphysik, Tragwerksplanung, Technische Gebäudeausstattung und Brandschutz bis hin zu Fassaden- und Landschaftsplanung zusammen. Mit den Betriebs-, Wartungs-, Instandhaltungs- und Entsorgungskosten wurden die Lebenszykluskosten des Gebäudes über einen Zeitraum von 50 Jahren analysiert. So konnte beispielsweise die kostenintensive technische Gebäudeausstattung durch Investitionen in die Baukonstruktion mit deutlich längerer Lebensdauer nachhaltig optimiert werden.

Beteiligte

Architekt: Gerd Priebe Architects & Consultants, Dresden; www.gerdpriebe.com
Bauherren: Saegeling Medizintechnik Service- und VertriebsGmbH, Heidenau

Energieplaner/Fachingenieure

Bauphysik: Müller-BBM GmbH, Niederlassung Dresden; www.MuellerBBM.de
Haustechnik:
Ingenieurbüro Dr. Scheffler & Partner GmbH, Dresden; www.ib-scheffler.de
Messungen/Auswertungen: Holger Scheibe, Dresden

Zertifikat

Deutsches Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen in Bronze (2009), DGNB

Energiekonzept

Gebäudehülle:
U-Wert Außenwand = 0,322 W/(m²K), U-Wert Fassadenpaneel = 0,458 W/(m²K),
U-Wert Bodenplatte = 0,358 W/(m²K), U-Wert Dach = 0,197 W/(m²K),
Uw-Wert Fenster = 1,50 W/(m²K), Ug-Wert Verglasung = 1,3 bis 1,4 W/(m²K),
Ug-total (mit Sonnenschutz) = 0,32 W/(m²K), Luftwechselrate n50 = 1,27/h
Haustechnik:
Gasbrennwertkessel 45 kW, Kaltwassererzeuger 34 kW
Flächenheiz- und Kühlsystem (FHKS) – Wand- und Deckenheizung
Ergänzt durch Umluftsystem (Ventilatorkonvektor)
getrennte Heizkreise für Flächen- und Ventilatorkonvektoren
Systemtrennung über Plattenwärmetauscher
Zentrale Gebäudeautomationsanlage regelt energieoptimierten Betrieb
Warmwasser dezentral über Elektrodurchlauferhitzer
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