Nachhaltiges Bauen ist gefragt
Partnerschaft für „Effiziente Gebäudeinfrastruktur der Zukunft“

Zukunftsfähige Gebäude müssen hohe Ansprüche an Qualität, Flexibilität, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz erfüllen. Technische Lösungen werden dabei künftig eine sehr viel größere Rolle spielen als bislang. Im Rahmen des Architekten- und Planersymposiums „Effiziente Gebäude­infrastruktur der Zukunft“ informierten und diskutierten Experten über Möglichkeiten und Vorteile nachhaltiger Architektur. Zu der Veranstaltung im Rahmen der Light+Building 2010 hatten acht Industriepartner eingeladen.

Die EU meint es ernst mit dem Klimaschutz, die Ziele sind hoch gesteckt.  Rund 17 Mio. Wohn- und 1,6 Mio. Nichtwohngebäude in Deutschland stellen Architekten und Planer vor eine große Aufgabe. Sie lautet: nachhaltig bauen und sanieren. Das geht nicht ohne integrale Prozesse, denn nach­haltiges Bauen beginnt in der frühen Planungsphase und bezieht intelligente Technik ein. Nach Aussage von Prof. Manfred Hegger von der TU Darmstadt ließe sich der CO2-Ausstoß in Deutschland durchaus ohne spürbare Einschränkungen für Verbraucher von bisher 11t auf 3t pro Jahr reduzieren – allein durch Schonung der vorhandenen Ressourcen. Als mustergültiges Beispiel für ein nachhaltiges Einfamilienhaus mit effizienter Haustechnik gilt das Plus-Energie-Haus, mit dem Prof. Hegger und seine Studenten den Solar-Decathlon-Wettbewerb 2007 in den USA gewinnen konnten. „Wir müssen leichter werden beim Bauen, indem wir weniger Materialien einsetzen und auch die Lebenszyklen von Baustoffen in Frage stellen;  indem wir alte Bestandsgebäude in neue Nutzungen strukturieren und beim nachhaltigen Umbau die Behaglichkeit verbessern und indem wir uns stärker auf regenerative Energien konzentrieren.“

Dass rund 80 % des Gebäudebestands das EnEV-Niveau nicht erfüllen und die energetischen Werte teilweise um das Fünffache darüber liegen, erläuterte Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena). Er setzt auf umweltschonende Gewinnung und Anwendung von Energie sowie auf Entwicklung zukunftsfähiger Energiesysteme, die den Menschen eine möglichst autarke Lebensweise ermöglichen. „Die bisherige Aufklärung über den Mehrverbrauch bei Wärme und Strom ist für viele Hausbesitzer nicht transparent und stellt sie vor ein unlösbares Rätsel. Wir brauchen daher mehr und bessere Marktinstrumente, die Klarheit und Vertrauen schaffen, Hemmnisse beseitigen und Investitionen anregen.“ Auch Stolte plädiert für ein Qualitäts-Zertifikat für den Wohnungsbau in Deutschland. Eines hat die dena bereits selbst ins Leben gerufen: das „denaGütesiegel Effizienzhaus“.

Tajo Friedemann, strategischer Berater beim internationalen Immobilienmakler Jones Lang LaSalle, legte in seinem Vortrag den Schwerpunkt auf gewerbliche Immobilien und deren lebenszyklusorientierte Planungs-, Bau- und Bewirtschaftungsphase. Er zeigte auf, was Technik und Immobilienwirtschaft verbindet – und was sie trennt. „Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist es von Vorteil, wenn Nutzungs- und Energiekosten sinken. Gleichzeitig müssen aber Arbeitsplatz- und Aufenthaltsqualität steigen, Vermietung und Vermarktbarkeit gesichert sein. Die Werterhaltung ist dabei genauso wichtig wie die Flexibilität zum Umbauen von Immobilien.“ Deshalb sind Gebäude-Zertifikate  wie DGNB, BREEAM und LEED wichtig. International anerkannt, stehen sie für Nachhaltigkeit und sind ein Marktsignal für Green Buildings. BF   

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