Kult(ur)buch

Rudolf Olgiati ist Kult, oder sagen wir es anders: Seine Bauten sind nicht von dieser Welt. Nicht mehr, heute nicht mehr, und gestern waren sie es auch nicht. Auf den ersten Blick banal, ja mitunter auch missglückt, offenbaren sie beim zweiten und jedem weiteren Blick darauf allerdings die Meisterschaft eines eigenwilligen Architekten jenseits jeder modischen Strömung, weit voraus der meisten Diskurse über die Angemessenheit des Bauens. Der Reprint – mit beiliegendem, das Werk nach 1977 kurz skizzierenden Leporello – zeigt all die Bauten (die meisten in Flims) in denkbar rudimentärer Druckqualität, die allerdings in der Wiedergabe der Fotos und der Pläne einen signifikanten Qualitätsunterschied macht (der Grundriss war bei Rudolf Olgiati ein zentrales Entwurfselement). Die hier versammelten, meist kurzen Texte spiegeln Olgiatis Auffassung von Werk und Verantwortung, und mit dem Blick auf das Gebaute sind sie die Summe seines architek­tonischen Denkens für all die, die lesen können, Wörter und Pläne (siehe auch die online-Rezension zu Dado. Gebaut und bewohnt von Rudolf Olgiati und Valerio Olgiati. Birkhäuser, Basel 2010). Be. K.

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