Keine Angst
Nuklearmedizische Praxis, Hannover

Warteinseln, warmes Gelb und klare Linien prägen die Räume der nuklearmedizinischen Praxis in Hannovers Stadtzentrum. Einzige Dekoration ist ein abstraktes Muster an den zentralen Wänden und in den Wartezonen.

 

„Die alte Praxis war zu klein. Sie entsprach nicht mehr den Anforderungen“, sagt Architekt Andreas Römeth. „Unser Bauherr Dr. Roux besitzt über 25 Jahre Erfahrung in der radioaktiven Diagnostik. In dieser Zeit hat sich das Ärzteteam vergrößert und verjüngt.“ Anderthalb Jahre suchten Planer und Mediziner gemeinsam nach einem geeigneten Ort, der unweit der alten Praxis liegen sollte. Schließlich fand man die Etage in einem ehemaligen Bankgebäude.

 

Vom Büro zur Praxis

Die Ärzte wünschten sich kurze Wege und kurze Wartezeiten, Patienten, die sich wohl fühlen und zufriedene Mitarbeiter. Das waren die ausschlaggebenden Faktoren neben den Anforderungen an Komfort, Hygiene, Barrierefreiheit und Strahlenschutz. Zu Beginn mussten die technischen Voraussetzungen geschaffen werden: „Eine Praxis braucht in jedem zweiten Raum einen Wasseranschluss. Das war natürlich in den Büroräumen nicht der Fall“, erläutert der Architekt. „Auch sind die Schallschutz­anforderungen in einer Arztpraxis höher als in Büroräumen.“ Neben der Barrierefreiheit sollen Personen auch liegend transportiert werden können, was Auswirkun­gen auf die Flur- und Türbreiten sowie das Treppenhaus mit dem Fahrstuhl hat, der erneuert wurde. Der nuklearmedizinische Bereich am Ende der Praxis ist aus Strahlenschutzgründen abgeschottet. Dabei geht es darum, dass die Messergebnisse nicht verfälscht werden. Die Gipskartonwände sind daher mit Blei von 0,5 bis 2 mm Dicke beschichtet. Alle Wand- und Bodenbeläge müssen fugenlos – also strahlendicht – sein. In diesem Bereich gibt es Strahlenschutztüren, die der Hersteller der beiden Messgeräte, der E-Cam und des Orbiters, mitgeliefert hat.

 

Mensch und Raum

Vor allem steht der Patient im Mittelpunkt. Am Eingang öffnet sich vor ihm die Praxis über die ganze Gebäudetiefe, rechts der weiße Empfangstresen mit gelben Aussparungen als Taschenablagen, geradeaus die sonnig-gelbe Mittelzone mit den „dienenden Räumen“ und links der Wartebereich. Es herrscht eine angenehme Ruhe. Andreas Römeth betont: „Wir wollten nicht, dass am Empfangstresen ständig das Telefon klingelt.“ Darum gibt es ein separates Büro zum Telefonieren und für Terminabsprachen. Die vier Mediziner haben je einen Besprechungs- und einen Untersuchungs­raum. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, wurden die Wartezonen auf­geteilt in den Wartebereich am Eingang, einen in der Mitte neben der Blutabnahme und einen im nuklearmedizinischen Bereich.

 

Licht, Farben und Materialien

Schwarzer Linoleumboden, weiße Wände und weißes Mobiliar bilden den Rahmen für die sonnig-gelbe Mittelzone mit dem grafischen Muster. „Viele Patienten kommen mit einem ängstlichen Gefühl in die Praxis“, meint Hartmut Runge, der als Innenarchitekt mitgewirkt hat. „Das florale Muster von Frauke Schaper soll zum Nachdenken anregen. So können die Patienten Ablenkung finden und sich wohler fühlen.“ Zum Wohlbefinden, auch der Mitarbeiter, trägt die Lichtplanung bei – eine Kombination von Tages- und Kunstlicht. Weiße und gelbe Textilbahnen vor den Fenstern bieten Sichtschutz und verhüllen die braunen Fensterrahmen. In der Decke betonen Lichtlinien die Mittelzone. Im Kontrast dazu gibt es quadratische Punktlichter in den Wartebereichen. Man soll sich geborgen fühlen. Das schafft auch die indirekte Beleuchtung im Bereich des Tresens. Er scheint zu schweben, seine gelben Nischen scheinen zu leuchten.

Fazit: eine Praxis, die angenehme Arbeitsbedingungen bietet und Patienten die Angst nimmt. Susanne Kreykenbohm, Hannover

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