Deutscher Nachhaltigkeitspreis verliehen

Einst war der HOF8 in Schäftersheim im Main-
Tauber-Kreis ein Bauernhof. Heute beherbergt er Hebammenpraxis, Planungsbüro und Seniorenwohnungen. Für die nachhaltige Aufwertung im Plusenergiehaus-Standard wurde er jetzt ausgezeichnet. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. haben den Sonderpreis „Nachhaltiges Bauen“ auf dem 7. Deutschen Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf zum zweiten Mal vergeben.

40 Jahre lang lag das Anwesen im Taubertal brach, der Abriss stand schon unmittelbar bevor – heute erinnert auf dem HOF8 im his-torischen Ortskern von Schäftersheim nichts mehr an die Zeit des Verfalls. Die alte Substanz des Ensembles wurde saniert und in moderne Architektur eingefasst. Im ehemaligen Bauernhaus haben Büros einen Platz gefunden, eine Hebamme praktiziert im früheren Stall und die Remise wurde zu Seniorenwohnungen umgebaut.

„Modernes Design, höchster Komfort und neueste Technologie, das waren die Ansprüche, die wir an die Umnutzung und Sanierung des über 200 Jahre alten Gehöfts gestellt hatten“, sagt Bauherrin Prof. Martina Klärle, Gesellschafterin der Klärle-Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt mbH, die im HOF8 ihren neuen Firmensitz bezogen hat. Die Gebäude erfüllen den Plusenergiehaus-Standard. Photovoltaikanlagen und Kleinwindkraftanlagen tragen zur Energieversorgung bei. Verbaut wurden vorwiegend heimische Werkstoffe, darunter die Steine des abgebrochenen Stalls. „Der Plusenergiehof ist ein Musterbeispiel dafür, wie Bestandsbauten nachhaltig und zukunftsfähig genutzt und innovativ saniert werden können“, sagt Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Für Prof. Alexander Rudolphi, Präsident der DGNB, zeigt das Gewinnerprojekt „vorbildlich, welches enorme Potenzial für Nachhaltiges Bauen im Gebäudebestand steckt. Über die hervorragenden energetischen Eigenschaften hinaus trägt das Projekt zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur auf dem Lande bei. Alle nominierten Projekte haben uns durch ihre zukunftsfähigen Ideen und gestalterische Qualität beeindruckt.“

Hamburger Elbarkaden und Berliner Projekt Am Urban

Nominiert waren für den Preis auch die Elb-arkaden im Osten der Hamburger HafenCity. Sie zeichnen sich durch einen besonders niedrigen Gesamt-Energiebedarf sowohl beim Bau als auch im laufenden Betrieb aus. Für den Innenausbau wurden vorwiegend baubio-logische Materialien verwendet. „Bei den Elb-arkaden in der HafenCity Hamburg standen nebst den energetischen Überlegungen die integrative Einbindung in den Kontext und ein vielschichtiger Zugang zur Nachhaltigkeit im Zentrum“, sagt Bob Gysin, CEO von Bob Gysin + Partner BGP Architekten, die das Projekt konzipiert haben.

Mit dem Projekt Am Urban in Berlin-Kreuzberg war unter den Nominierten auch ein Beispiel für private Stadtentwicklung in großem Maßstab. Das Finanzierungskonzept war so angelegt, dass sich private Bauherren beteiligen konnten. Sie brachten dabei eigene Anregungen in die Umbauten ein. Gesteuert hat das Gemeinschaftsprojekt die Am Urban Gesellschaft von Architekten mbH. „Das ist Nachhaltigkeit in Reinkultur: Die 119 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude im Zentrum Berlins wurden nach heutigen Erfordernissen und Ansprüchen zu Wohnungen umgebaut und werden so für weitere 100 Jahre und mehr nutzbar“, sagt Projektleiter Georg Grätz, Geschäftsführer von GRAETZ Architekten. Unter anderem wurden in den alten Klinikbauten Galeriegeschosse einge-zogen, um die Nutzfläche zu vergrößern.

Geheizt werden die Gebäude mit Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

Jury bewertete deutschlandweit 50 nach-haltige Bauprojekte

Für den Sonderpreis „Nachhaltiges Bauen“ begutachtete die Jury rund 50 Gebäude in Deutschland, bei deren Planung, Umsetzung und Betrieb Nachhaltigkeit eine herausragende Rolle spielt. Nach der Vorauswahl von drei Nominierten durch ein Expertengremium der DGNB wählte die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises den HOF8 als Sieger aus. In diesem Jahr wurden für den Sonderpreis 20 % mehr Projekte eingereicht als 2013. Darunter waren vermehrt Bewerbun-gen von privaten Bauherren und Bauherrengemeinschaften.

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