Das erste Passivhaus: langlebig und unverwüstlich

Das erste regulär genutzte Passivhaus wurde 1991 im Darmstädter Stadtteil Kranichstein bezogen. Von der Reihenhausanlage mit vier Wohneinheiten liegen 25 Jahre Nutzungserfahrung, Messprotokolle und zuverlässige Aussagen zur Nutzungsdauer der eingebauten Systeme vor. Der Heizwärmeverbrauch der vier Wohneinheiten ist damit auch heute noch um den Faktor 10 niedriger als der Durchschnittswert aller Wohngebäude in Deutschland. Die Energieverbrauchsstatistik weist im Durchschnitt einen Heizwärmeverbrauch von unter 9 kWh/(m²a) auf und liegt damit noch unter dem berechneten Bedarfswert (11 kWh/(m²a nach PHPP). Das erste Demonstrationsvorhaben mit Passivhaus-standard zeigt damit keine Anzeichen für einen „Performance Gap“.

Alle in Kranichstein damals verwendeten Komponentenlösungen waren einzelhandwerklich erstellte Prototypen: die Dämmung der Kellerdecke, der Außenwand und des Dachs, die Luftdichtheitsebenen aller Hüllflächenbauteile, die Dreischeiben-Verglasun-gen, die handwerklich nachgedämmten Holzfensterrahmen, die Lüftung mit 80 % Wärme-

rückgewinnung und der damals erste Einsatz von hocheffizienten EC-Motoren bei der Wohnungslüftung. Bei der Überprüfung nach 25 Jahren funktionierten alle Systeme wie ursprünglich intendiert, sodass bis heute, abgesehen vom Austausch der Lippendichtungen in den Fenstern, keine weitere Bauteilinstandhaltung vorgenommen werden musste. Die wärmegedämmten Konstruktionen wiesen keine Veränderungen auf, selbst das Luftdichtheitskonzept hat nach 25 Jahren den ursprünglichen n50-Wert reproduziert. Alle kriti-
schen Anschlusspunkte, insbesondere der Anschluss Leichtbau im Dach (PE-Folie) an Massivbau-Außenwand (Innenputz), erwiesen sich auch nach 25 Jahren als absolut luftdicht. Heute erhöht jede dieser Maßnahmen die Baukosten nur noch geringfügig – die lange Nutzungsdauer trägt aber zu einer Verlängerung der Instandsetzungszyklen auf bis zu 50 Jahre bei.
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