Befahrbares Photovoltaikmodul

Eine Straße, die Strom produziert? Ein Konsortium in den Niederlanden testet mit einem Fahrradweg aus Photovoltaikmodulen die Machbarkeit der Vision SolaRoad.

140 000 km Straße gibt es in den Niederlanden. Wären sie mit Photovoltaikmodulen gepflastert, könnten eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgt werden. Allein 10 bis 20 % der Kilometer, könnten Strom produzieren für ein Drittel aller Auto fahrenden Niederländer, so dass sie auf Elektroautos umsteigen. Diese Vision verfolgen TNO, eine unabhängige Forschungsplattform, Ooms Civiel, ein Straßenbauunternehmen und Imtech, ein Technikdienstleister, seit 2009.

Nun ist in der Nähe von Amsterdam, in der Gemeinde Krommenie, der erste Prototyp entstanden – ein Fahrradweg. Seit November 2014 werden die Photovoltaikmodule auf 70 m Länge als integrativer Straßenbelag getestet. Bis 2016 soll der Fahrradweg auf 100 m anwachsen. Der Ertrag der erwarteten 50 bis 70 kWh/m²a reicht aus, drei Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Die einzelnen Module sind 2,5 x 3,5 m groß und bestehen aus einem Photovoltaikmodul aus Silizium, das in einem Betonrahmen eingelassenen ist. Unter einem 1 cm dicken TVG-Sicherheitsglas verbaut, ist das PV-Modul rutschhemmend beschichtet. In Zukunft sollen nicht nur Fahrräder über die SolaRoad rollen, sondern die Module sollen auch das tonnenschwere Gewicht von Autos tragen. Sollte das Glas dennoch zerbrechen, zerfällt es dank des TVG und aufgrund der Beschichtung nur in einzelne kleine Glasstücke.

Zwar rechnet Sten De Wit, Projektleiter bei TON, mit 30 % weniger Stromerzeugnis als bei Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, da sie flach auf dem Boden liegen und somit nicht so effizient sind wie die in einem Winkel angebrachten PV-Anlagen auf Dächern. Dennoch amortisiert sich die Herstellung der befahrbaren Photovoltaikmodule nach etwa 20 Jahren. Das belegt eine Machbarkeitsstudie. Für die Zukunft wollen die Entwickler nicht nur PV-Module aus Silizium verwenden, sondern auch Dünnschichtsolarzellen in das System integrieren.

Die Montage vor Ort ist einfach: Vorgefertigt angeliefert, werden die Module mit dem Steckprinzip Nut und Feder verbunden, so dass kein Höhenunterschied zwischen den einzelnen Abschnitten besteht.

Die SolaRoad wird ständig überwacht und die Ergebnisse ausgewertet. So entwickelt das Konsortium die Module stetig weiter, um die Photovoltaikmodule besser vor Umwelteinflüssen zu schützen und ihren Solarertrag zu erhöhen. In Zukunft sollen Autostraßen und Busspuren mit SolaRoad ausgestattet werden, um die erhöhte Traglast zu testen. 3,5 Mio. € hat das Projekt bis jetzt gekostet, eine Inves­tition in die Zukunft. S.C.

„Mit SolaRoad nutzen wir die Straßen doppelt: Neben der üblichen Fortbewegung verwenden wir sie auch, um Energie zu erzeugen.“

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