Aufschlussreich

Wenn man vom „Trend zurück in die Stadt“ liest, liest man immer auch den Jubel mit, der hinter dieser gar nicht so neuen Erkenntnis steht. Oder doch wenigstens die Freude, denn die Stadt, natürlich die europäische Stadt, gilt zurzeit als der hippste Lebensraum. Unsere Städterenaissance in Europa entspringt einem Zeitgeist, dessen ökonomischen Voraussetzungen, der Flucht aus der virtuellen Einsamkeit zurück in die Gruppe Gleichgesinnter. Der vorliegende, in diesem Kontext höchst aufschlussreiche Band, artikuliert – bewusst oder unbewusst – diesen Zeitgeist schon im Titel: Stadthäuser. Oder, wie in den folgenden Texten meist zu lesen: Townhouses. Die werden hier als neue, für die Städte heilsbringende Bautypologie in Reihe und Ordnungen gebracht von einem, der sich auskennt in diesem Fach: Hans Stimmann. Seine einleitenden und begleitenden Erläuterungen sind – man hat es erwartet – gegen die Moderne, gegen soziale Gleich­macherei, gegen eine soziale Stadt (das sagt er nicht, aber man kann es überall zwischen den Zeilen lesen). Er beschreibt nun 50 gebaute Townhouses in Berlin unterschiedlicher Typen. Beschreibt sie und analysiert sie nicht kritisch, ich fand jedenfalls keine Bemerkung ­hierzu in einem der Texte. Das findet sich dann auf einem Projektfoto (Linienstraße 204), auf welchem neben der Sanierung ein offenbar besetzter Altbau steht. An dem hängt ein Transparent, auf dem zu ­lesen ist, „Loft oder Liebe“; wenn das so einfach wäre! Mit Grund­rissen, Flächen- und Baukostenangaben.

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