Auf den ersten Blick verborgen

In Shane Lavalettes Fotografien geht es um die Selbst- und die Fremdwahrnehmung des Gewohnten. Man könnte auch schreiben: der Heimat. Lavalette suchte im Auftrag der Fotostiftung Schweiz zwölf Schweizer Gemeinden auf, die er repräsentativ für die ganze Schweiz anschauen sollte. Er folgte in seiner Reise der des Reportagefotografen Theo Frey, der die zwölf Gemeinden vor rund achtzig Jahren schon besuchte und hier fotografierte.

Die aktuellen Fotos werden mit denen Freys konfrontiert, die diesem großformatigen Band als faksimilierte Kontaktabzüge beigelegt sind. Doch im Gegensatz zum dokumentarischen Blick des Vielfotografierers Frey sind die Bilder des Nordamerikaners bewusste Inszenierungen des Zufälligen, Überraschenden, des Schönen und scheinbar Banalen. Aber erst in der Spannung zwischen diesen beiden Arbeiten gewinnen Lavalettes Fotografien eine Bedeutungstiefe, die uns Nichtschweizern auf den ersten Blick verborgen bleibt. Die Fremdwahrnehmung reibt sich am Fremden, am Ende kann ein Verstehen stehen, in jedem Fall das Kennenlernen eines begabten Zuschauerfotografen. Be. K.

Shane Lavalette. Still (Noon). Edition Patrick Frey, Zürich 2018, 156 S.,
79 Farbabb.,78 €,
ISBN 978-3-906803-65-4

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