Das Wettbewerbsmodell aus dem 3D-Drucker
Neben Plänen werden in den meisten Wettbewerben Modelle gefordert, die oft nicht im eigenen Architekturbüro gefertigt werden können. Das schafft Sollbruchstellen: Kosten werden nicht sauber kalkuliert, die Beauftragung erfolgt viel zu spät im Entwurfsprozess. Und seitdem Wettbewerbsmodelle zunehmend im 3D-Druck entstehen, hängt ihr Aufwand stark von Maßstab, Datenweg und weiteren Gestaltungsentscheidungen ab. Dieser Beitrag liefert Entscheidungshilfen aus Sicht einer Modellbauwerkstatt.
Ob ein Modell abzugeben ist, regelt die Auslobung und meistens regelt sie auch das Wesentliche: den Maßstab, die Größe der Einsatzplatte und häufig die Farbe. Verbreitet ist ein weißes Einsatzmodell, das später in ein vom Auslober gestelltes Umgebungsmodell gesetzt wird. Innerhalb dieses Rahmens bleibt dennoch einiges offen, etwa, wie stark das Gebäude gegliedert wird, ob Freiraum und Gelände auf der Einsatzplatte mitmodelliert werden oder ob sich Teile abnehmen lassen.
Dabei hilft es, an die Jurysitzung zu denken. Die Modelle werden dort meist im Rundgang betrachtet, aus einem Abstand von etwa 1 m und im direkten Vergleich mit allen anderen Arbeiten. Was aus dieser Entfernung nicht mehr zu erkennen ist, kostet Aufwand, ohne etwas zu bewirken.
Wie viel Arbeit insgesamt in solchen Modellen steckt, sieht man selten auf einen Blick.
Am Wettbewerb für die Wohnanlage an der Taborstraße in Steyr beteiligten sich 2024 laut Wettbewerbs-ergebnis 13 Büros. Es wurden also 13 Modelle gebaut, für 12 davon blieb es beim Teilnahmeaufwand.
Der Maßstab entscheidet über fast alles
Mit dem Maßstab fällt die Entscheidung, die den Aufwand am stärksten beeinflusst. Er legt fest, was am Modell überhaupt noch lesbar ist, und zugleich, wie groß das Stück wird.
Wie schnell der Aufwand dabei wächst, wird leicht unterschätzt. Halbiert man die Maßstabszahl, etwa von 1 : 500 auf 1 : 250, verdoppeln sich alle Kantenlängen, die Grundfläche wächst auf das Vierfache und das Volumen auf das Achtfache. Der Schritt von 1 : 500 auf 1 : 200 bedeutet das Zweieinhalbfache in jeder Richtung und rund das Fünfzehnfache an Volumen. Material und Druckzeit folgen weitgehend diesem Volumen. Ein Wohnbau mit 40 m Länge misst in 1 : 500 8 cm, in 1 : 200 20 cm und in 1 : 100 40 cm. Mit ihm wachsen Sockel, Verpackung und Versand.
Gleichzeitig verschiebt sich, was sich zeigen lässt (Tabelle 1). Die Grenzen hängen vom Gebäude ab. Elemente, die im gewählten Maßstab dünner als etwa 0,5 bis 1 mm werden, lassen sich je nach Verfahren nicht mehr sauber herstellen und müssen verstärkt oder weggelassen werden. Bei einem Einfamilienhaus, das ich in mehreren Größen gedruckt habe, lag diese Grenze bei 1 : 185. Darunter waren Fensterteilung und Dachraster nicht mehr ordentlich herauszubringen. Ob ein Detail verstärkt oder weggelassen wird, sollte im Büro entschieden werden und nicht erst in der Werkstatt.
Was den Aufwand treibt
Feste Preise für Architekturmodelle veröffentlicht die Branche kaum, dafür hängen sie von zu vielen Faktoren ab. Für die Budgetierung ist ohnehin eine andere Frage nützlicher, nämlich welche eigenen Entscheidungen den Aufwand vervielfachen.
Nach dem Maßstab wirkt sich fast immer die Umgebung am stärksten aus. Ein freigestelltes Gebäude in 1 : 200 ist meist günstiger als dasselbe Gebäude mit zwei Nachbarblöcken und Straßenraum in 1 : 500, obwohl es auf dem Tisch größer wirkt. Die Fläche des Ausschnitts wächst schneller als das Objekt, und jede Nachbarbebauung muss zuerst als Datensatz vorliegen. Für Gelände und Bestand lohnt deshalb ein Blick auf offene Geodaten. In Deutschland stellen die meisten Bundesländer ihre 3D-Gebäudemodelle in der Detailstufe LoD2 inzwischen kostenlos bereit, darunter Bayern, Baden-Württemberg und Nord-rhein-Westfalen. Für den Aufwand ist die Größe des gezeigten Ausschnitts damit meist wichtiger als die des Gebäudes.
Beim Gelände kommt es auf die Form an. Eine ebene Platte macht kaum Arbeit, eine Hanglage mit Höhenschichten deutlich mehr, weil sie Volumen erzeugt, das man am fertigen Modell kaum wahrnimmt.
Farbe kostet zusätzlich, beim Mehrfarbdruck in Form von Druckzeit, beim Lackieren als Handarbeit. Wo die Auslobung Weiß verlangt, entfällt dieser Punkt. Bei Präsentations- und Verkaufsmodellen kann er dagegen einer der größeren Posten werden.
Verglasungen, abnehmbare Geschosse und Varianten sind vor allem Handarbeit. Ein Situations-modell in 1 : 500, das ich für eine Stadtbildkommission gebaut habe, bekam wechselbare Einsätze für Bestand und Neubau, damit die Kommission beide Zustände am selben Modell vergleichen konnte. Was in vielen Anfragen dagegen fehlt, sind Sockel, Haube und Beschriftung. Sie kommen dann nachträglich hinzu.
Welche Daten das Büro liefern sollte
Die meisten Fragen entstehen bei einem scheinbar kleinen Schritt, der Übergabe der Daten. Die Unsicherheit liegt dabei selten an der Software. Meist geht es um die Frage, was man eigentlich schicken soll und was dazu zu vereinbaren ist.
Grundsätzlich sollte ein dreidimensionales Modell aus der eigenen Planung geliefert werden und nicht der zweidimensionale Plansatz. Wer nur Grundrisse, Schnitte und Ansichten schickt, bezahlt den räumlichen Nachbau mit, und der ist oft der größte vermeidbare Posten des ganzen Modells. In den meisten Büros, die mit ArchiCAD, Revit, Vectorworks oder Allplan arbeiten, existiert das Gebäude ohnehin dreidimensional. Es muss nur in einer Form herausgegeben werden, mit der der Modellbau arbeiten kann (Tabelle 2).
Viele Büros machen sich dabei mehr Arbeit als nötig. Ein Büro schickte einmal statt der Datei einen Screenshot seiner Exportliste, mit dem Hinweis, das Programm könne kein STEP erzeugen. Das musste es auch nicht. Die ArchiCAD-Datei selbst war genau das, was für den Prozess notwendig war und das Umwandeln hätte eher Information gekostet als gespart.
Wichtiger als das Format ist die Gliederung. Objekt, Umgebung und Gelände sollten als getrennte Körper ankommen und nicht zu einem einzigen verschmolzen sein. Im Büro kostet das beim Export oft nur wenige Minuten, im Modellbau spart es Stunden, weil sich getrennte Teile einzeln skalieren, ausrichten, farbig absetzen oder nach einer Planänderung austauschen lassen.
Ebenso wichtig ist, was nicht in die Datei gehört. Ein Export aus dem Planungsmodell enthält fast immer zu viel, von der Haustechnik über Bewehrung und Möblierung bis zu Innenwänden und Treppen. Für ein Wettbewerbs- oder Präsentationsmodell zählt die Hülle, gegebenenfalls mit ablesbaren Geschossen. Wer die entsprechenden Ebenen oder Kategorien vor dem Export ausblendet, erleichtert beiden Seiten die Arbeit.
Offen bleibt oft, wer die Datei liefert und wann. Sie kommt meist aus dem Projektteam, über Maßstab, Ausschnitt und Detaillierung entscheidet aber die Projektleitung. Beides sollte zum selben Zeitpunkt geklärt sein, sonst wird eine Datei aufbereitet, die zur späteren Entscheidung nicht mehr passt. Bewährt hat sich ein kurzer Abgleich vor dem Export, der in eine einzige Mail passt, mit Maßstab, Ausschnitt, Detailgrad, Einheit und Liefertermin. Einmal wurde eine Datei in 1 : 550 statt im geforderten 1 : 500 geliefert, weil im Export ein Skalierungsfaktor stehengeblieben war. Mit diesem Abgleich fällt so etwas auf, bevor gedruckt wird. Dazu gehört auch ein eindeutiger Planstand, damit bei einer nachgereichten Fassung klar ist, welche gilt.
Der Termin als eigener Kostenfaktor
Im Wettbewerb steht der Abgabetermin fest. Jede Verzögerung auf der Planungsseite geht deshalb fast immer zulasten der Zeit, die für das Modell bleibt, und die Zeit wird damit zu einem Kostenfaktor, der mit dem Modell selbst wenig zu tun hat.
Sinnvoll ist es, den Modellbau schon bei der Entwurfsentscheidung zu informieren und nicht erst kurz vor der Abgabe. So lässt sich ein Zeitfenster reservieren und Maßstab, Einsatzplatte und Ausschnitt können vorbereitet werden.
Vor der Beauftragung ist jedoch zu klären:
• Maßstab und Größe der Einsatzplatte laut Auslobung
• Ausschnitt: nur das Gebäude oder mit Umgebung und in welcher Abstraktion
• Gelände: eben, in Höhenschichten oder modelliert
• Farbe: einfarbig Weiß oder abgesetzt
• Datenlage: 3D-Datei vorhanden, in welchem Format, mit welchem Planstand
• Sockel, Haube, Beschriftung
• Liefertermin im Büro, nicht der Abgabetermin
Liegt die 3D-Datei sauber vor, reichen für ein Einsatzmodell mittlerer Größe im Normalfall wenige Werktage einschließlich Versand. Knapp wird es vor allem, wenn die Datei erst kurz vor der Abgabe kommt oder noch räumlich nachgebaut werden muss. Der 3D-Druck hat die Zeitachse trotzdem verschoben. Kleinere Einsatzmodelle lassen sich bei sauberer Datenlage innerhalb eines Tages fertigen, auch über Nacht. Das schlägt dann jedoch bei den Kosten zu Buche.
